Ein biblischer Superheld
Von Thorsten HanischDass die US-amerikanische, von Mormonen betriebene Filmproduktions- und Verleihfirma Angel Studios nicht nur christliche Propaganda im Angebot hat, sollte sich rumgesprochen haben – so wusste die Firma zum Beispiel vergangenes Jahr mit dem Monsterfilm „Sketch“ äußerst angenehm zu überraschen. Was aber wiederum nicht heißt, dass es nicht immer wieder Ausfälle gibt – und so durfte man bei der Ankündigung des animierten Abenteuer-Musicals „David“ mit Recht skeptisch sein.
Die aus dem Buch Samuel des Alten Testaments bekannte und häufig verfilmte Geschichte um den einfachen Hirtenjungen David, der mit Gottes Beistand und Hilfe zum König von Israel wird, ist natürlich idealer Stoff für eine ausgiebige Indoktrination der Zuschauer. Doch nicht nur in dieser Hinsicht ist „David“ eine Überraschung: Natürlich wird gelegentlich etwas zu aufdringlich Werbung für den Allmächtigen gemacht, aber insgesamt hält sich die erstaunlich gut gemachte Produktion, die sich formal nicht hinter Pixar & Co. verstecken muss, damit relativ zurück. Statt auf Kanzelpredigten setzt der Film mehr auf eine familienfreundliche, wenn auch nicht immer ganz ausgewogene Mischung aus Action, Abenteuer, Drama, Gags und schmissigen Songs.
Kinostar
„David“ schließt an die fünfteilige Serie „Young David“ (2023/2024) an, die in Deutschland bisher noch nicht ausgewertet wurde und Davids Kindheit beleuchtet. Der Film beginnt nun mit seiner Jugend in den Hügeln von Bethlehem und endet mit der Ernennung zum König. Während viele Bibel-Adaptionen aus Ehrfurcht vor dem Text oft hüftsteif daherkommen, sind die Macher von „David“ um maximale Anschlussfähigkeit für ein junges Publikum bemüht. Das zeigt sich vor allem darin, dass ein bereits in der Vorlage vorhandener Kern kräftig ausgebaut wird.
David war im Alten Testament letztendlich ein Vorläufer moderner Superhelden, ein Auserwählter mit Superkräften (er erhält nicht nur Support von oben, sondern ist auch meisterhaft im Umgang mit der Steinschleuder) – und so ist es nicht allzu abwegig, dass die beiden Regisseure Brent Dawes und Phil Cunningham sich an den Comic-Blockbustern der letzten Jahre orientieren.
„David“ erzählt eine Origin-Story, wie sie theoretisch ebenso von Marvel oder DC kommen könnte. Die Hauptfigur beginnt als normaler junger Mann, der eines Tages seine Fähigkeiten entdeckt, eine Art Mentor zur Seite gestellt bekommt, Heldentaten vollbringt und am Ende zur Abrundung ein Kostüm erhält. Wobei es auch hier nicht um den Protagonisten allein geht, sondern um viel mehr – nämlich das Schicksal des gesamten israelischen Volkes.
Der berühmte Riese Goliath ist zwar nicht der Hauptbösewicht des Films, wird aber als klassischer Superschurke inszeniert. Er ist nicht einfach nur riesig, sondern regelrecht gigantisch – ein Berg, vor dem der Hirtenjunge wirklich winzig klein wirkt. Der Sieg Davids wirkt da natürlich nur noch superheldenhafter und leider auch wie ein zu früher Höhepunkt, denn die spektakuläre Auseinandersetzung (inkl. patentierter Zack-Snyder-Zeitlupe) wird im Folgenden nicht mehr getoppt.
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Auch in Sachen Charakterzeichnung schwächelt der Film. Ausgerechnet der wuschelköpfige David ist ein eher blasser Held – viel zu generisch, zu glatt und ohne echte Brüche in der Entwicklung. Die Bemühungen, ihn schließlich doch noch mit etwas Komplexität auszustatten, kommen viel zu spät. Weitaus gelungener ist da der aufbrausende König Saul, eine tragische Figur, die ihre Macht durch das Auftauchen von David schwinden sieht und dementsprechend mit Stolz und Unsicherheit zu kämpfen hat, aber ebenso über eine menschliche Seite verfügt. Ein faszinierender Charakter, der sich deutlich mehr als Motor des Films erweist als der Titelheld.
Das Drehbuch hat zwar Dellen, was im Übrigen auch die an sich guten, aber oftmals das Tempo bremsenden Songs betrifft. Dafür ist die technische Umsetzung aber tadellos. „David“ wurde in Zusammenarbeit mit dem vor allem dank der Kinderserie „Jungle Beat“ erfolgreichen südafrikanischen Animationsfilmstudio Sunrise Productions produziert, und dieses lässt auf farbenfrohe Art und Wiese die Muskeln spielen. Egal ob es um die einfallsreichen Charakterdesigns geht, um feinste Details und Texturen (bemerkenswert sind hier vor allem Haare und Stoffe) oder die verblüffend realistischen Landschaften – die Macher geben sich nicht die geringste Blöße. Gerade für die Angel Studios, deren Animationsfilme qualitativ bisher reichlich durchwachsen waren, ist das ein bemerkenswerter Sprung nach vorne!
Fazit: Gelegentlich schiebt sich die missionarische Agenda der Angel Studios vor die Handlung, und auch das Drehbuch ist nicht rundum geglückt – doch wer darüber hinwegsehen kann und den Film vielleicht sogar gemeinsam mit Kindern schaut, wird sicherlich seinen Spaß haben.