Die hilfreichsten KritikenNeueste KritikenUser mit den meisten KritikenUser mit den meisten Followern
Filtern nach:
Alle
Jelena
4 Kritiken
User folgen
3,0
Veröffentlicht am 20. September 2026
Bin eher zufällig an diesen Film geraten und war rasch gefesselt von der soghaften Musik und den dunklen, geheimnisvollen Bildern. Entgegen anderer Kritiken fand ich hier keinen entsetzlichen Pessimismus, sondern eher eine Stimmungsaufnahme, die Unausgesprochenes spürbar machte (Stichwort Almas Auseinandersetzung mit dem Porträt der verstorbenen Verwandten, bis hin zum Versuch, dieses Foto nachzustellen). Die Handlung um die junge Schwimmerin mit Onkel und Cousin habe ich weniger beachtet, hingegen die Freundschaft der beiden Teenagerinnen in der Gegenwartsebene gerne angeschaut. Dass der Film auch vom Umgang mit dem Tod sowie sexuellen Handlungen abseits der Ehe handelt, fand ich packend und durchaus vielschichtig dargestellt. Meiner Meinung nach sollte man sich solche Filme möglichst unvoreingenommen anschauen, ohne stets an zeitgenössische Debatten über Selbstbestimmung zu denken. Die Handlung um Alma und ihre Familie etwa spielt in einer ganz anderen Zeit, und man fühlt sich auf unmittelbare Art darein versetzt (zum Beispiel bei den Spielen der Kinder, die teils makaber wirken - aber eben aus heutiger Sicht, wo der Tod weitestmöglich ausgeblendet wird, während er damals gewissermaßen allgegenwärtig war). Wer hier das Kino verfrüht verlassen hat, dem ist sicher das eine oder oder andere Sehenswerte entgangen.
Alma, Erika und Nelly leben zu unterschiedlichen Zeiten auf demselben Bauernhof. Jede hat andere Probleme, Fragen und Schwierigkeiten. Mädchen, die zu Frauen werden oder es werden wollen, geraten an ihre Grenzen, bis sie irgendwann davonfliegen.
In die Sonne schauen geht ca. 150 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben. Wir haben hier ein Drama über vier Frauen in vier verschiedenen Epochen. Vier? Ja, denn ich hielt Erika und Angelika lange für dieselbe Person. Sieht man mal, wie bekloppt das erzählt ist, dass wir inzwischen bei einer anderen Frau und Jahrzehnte weiter sind. Dabei mochte ich die einzelnen Damen durchaus. Alma, die mit ihrem Plattdeutsch süß die Welt durch Kinderaugen betrachtet. Erika mit ihrer sehr speziellen Beziehung zu ihrem Cousin und dessen Vater. Nelly die in ihrer neuen Freundin ein Mysterium sieht und Gefühle entwickelt, die sie nicht versteht. Klingt spannend und hätte mich vermutlich begeistert, wenn man sich mehr auf die einzelnen Perspektiven konzentriert hätte. Optisch ist das maximal Arthaus. Mal sieht alles gleich aus, dann wirkt die Linse, als hätte jemand Milch darüber gekippt. Einige Szenen ließen mich komplett ratlos zurück. Durch ein Feld rennen und anhand der Verletzungen bestimmen, wer gewonnen hat? Dem eigenen Sohn den Arm verstümmeln wollen, damit die Nazis ihn nicht holen? Dann diese Enden, bei denen gefühlt jede „davonfliegt“ und alle anderen sagen: Joa, passt scho. Unterm Strich bleibt ein Werk, das irgendwo tief unter mehreren Schichten Kunstkino eine interessante Geschichte versteckt. Man war allerdings zu sehr damit beschäftigt, Erinnerungen, Symbolik und Atmosphäre zu erschaffen, so dass die eigentliche Story hinten vom Traktor gefallen ist.
4,5/10 Punkten. Regisseurin und Co-Autorin verbrachten übrigens einen Sommer auf genau dem Hof. Beim Weintrinken fragten sie sich, wer dort früher wohl gelebt hatte, daraus entstand die Grundidee des Films. Manchmal entsteht beim Saufen Kunst. Ob man sie anschließend versteht, steht auf einem anderen Blatt.
Ein absolutes Kunstwerk! Wer einen netten historischen Film über das Familienleben auf einem Bauernhof schauen möchte, ist hier falsch. Mit so vielen Details, die man erst beim zweiten oder dritten Schauen wohl wahrnehmen und miteinander verbinden kann, wird die dunkle Seite des "Frau-Seins", und damit Mutter-, Tochter-, Geliebte-, Ehefrau-, Magd-, Schwester-Seins, inszeniert. Die drückende Melancholie und Dramatik ist schwer auszuhalten, weil sie sich an keinem Punkt durch einen Schockmoment entlädt. Jedoch ist es doch genau das, was das Leben diese Frauen ausmachte: Eine permanente Bedrohung im "Außen", im "Nicht-Kontrollierbaren". Wir als Zuschauer müssen nun mit ansehen, was dieses "Außen" mit den Frauen macht, und ja, das ist harte Kost. Aber das ist die Realität vieler und wir als Gesellschaft sollten hinschauen, um die Menschen nicht zu verlieren, deren Seele innerlich so schreit, wie der ohrenbetäubende Lärm im Film.
Hier sind zwei Schlagworte dabei, die mich von Hause aus mißtrauisch machen: unkonventionell und preisgekrönt. Dies ist deutsches Kino jenseits der Norm und einer gängigen Handlung. Genau die Form von Film, die eben von Kritikern abgefeiert wird, während der typische Kinogänger da eher ratlos draufschaut. Und ich kann es verstehen. Gut 2 ½ Stunden zappen wir hier durch mehrere Zeitebenen auf einem Bauernhof, bei der irgendwie in jeder Generation eine schwermütige Philosophin dabei ist, die alles bedeutungsschwer kommentiert. Eine Handlung habe ich nur bedingt ausgemacht, dafür eine durchweg plausible und glaubwürdige Darstellung des Lebens in den jeweiligen Epochen und etliche tragische, aber sehr lebensnahe Momente. Da muß man sich drauf einlassen können, kann aber sehr belohnt werden.
Fazit: Sperrig und eigensinnig und sehr geduldsfordernd, bietet aber sehr lebensnahe Momente!
Eigentlich war ich traurig, dass ich den Film im Kino verpasst hatte. Jetzt bin ich froh darüber! Die geliehene DVD erwartungsvoll daheim gestartet aber nach weniger als einer Stunde abgebrochen.
Was für ein düsterer, morbider, intensiver Film. Es ist nicht ganz einfach, mit den verschiedenen, wechselnden Zeiteben klarzukommen, aber die Auseinandersetzung mit dem Tod, die sich als Leitschnur durch den Film zieht und der sich jede Generation stellen muss, die sich wandelnden Rituale und Einstellungen, gehören zu den absoluten Höhepunkten des Films. Viel spielt sich im Hintergrund ab, Beziehungen werden angedeutet, aber nicht ausbuchstabiert, insgesamt ein sehr sehenswerter Film, der noch lange nachwirkt.
Ich verstehe, dass der Film, wie hier in den letzten Kritiken zu lesen, Teile des Publikums "triggert" und nervlich in Anspannung versetzt. Ich habe ihn auch als echt hart empfunden. Verstehe auch nicht, warum es keine Triggerwarnung gab. So wurden unnötig Leute vergrault. Es passt aber zu dem Film, dessen Gewalterzählung ich manchmal etwas mit der Brechstange empfunden habe. Dennoch finde ich den Versuch, Bilder zu entwickeln für transgenerationales Trauma auf einem Hof wirklich gelungen, weil der Film es schafft, das zu erzählen, was außerhalb der Worte liegt und weitergegeben wird. Ich selbst komme aus so einer Familie und tatsächlich gab es sehr ähnliche Geschichten dort auf dem Hof meiner Verwandten und Vorfahren. Das Leben war, vor allem für die, die nicht in das höfliche System passten und das waren vor allem Frauen oder eben Invalide oder die, die in die Welt hinauswollten, aber nicht konnten, eben auf eine ganz bestimmte Art grausam. Es wurde geschwiegen und damit weitergetragen, von Generation zu Generation. Für diese diffuse Form der Weitergabe ist eine eigene Bildsprache gefunden worden. Es ist deshalb vor allem ein wichtiger Film finde ich. Und er ist realistsich, Höfe waren und sind bis heute leider manchmal immer noch unglaublich patriachial. Um mehr Menschen erreichen, hätte er meiner Meinung nach noch etwas subtiler erzählt werden können, es hätte sich auf einige Aspekte konzentiert werden können, ich denke da an die sehr gelungene Darstellung der Alma. Auch die Geschichte in der Jetztzeit am Fluss mit dem Mädchen fand ich so gelungen, weniger aber mit ihrer Schwester, die es für mich auf unverständlich Weise zunächst in den Fluss zieht, die so der Film mir erzählen will, von dem Ort eingefangen wird, das aber habe ich nicht als glaubwürdig in dieser Ausprägung empfunden. Da hat der Film das Feine verlassen und ist aus der detailreichen Geistererzählung in eine Art dumpfe Horrorerzählung gerutscht. Auch der Sound hat da manchmal dazu beigetragen. Ein bisschen zu viel Druck beim Erzählen fand ich auch an manchen weiteren Stellen. Deshalb nur vier Sterne für diesen großen Erzählversuch.
Also: 1. ich habe noch nie erlebt, dass so viele Menschen während der Vorstellung das Kino verlassen haben. 2. sehr selten habe ich so oft bei der Vorführung auf meine Uhr geschaut. 3. ich ahne jetzt, warum Brandenburg so deprimierend erscheint...