Das ist schon eine ziemlich fette Kröte, die uns Guy Ritchie hier zum Schlucken serviert... Der Film ist alles andere als leicht zugänglich. Verschiedene Zeitebenen werden ohne erkennbare Grenzen und Zusammenhänge durcheinandergemischt und zusammengeschnitten. Dadurch ist es enorm herausfordernd, der Handlung zu folgen und das Ganze zu verstehen. Gleichzeitig ist der Film aber nahezu meisterhaft arrangiert und am Ende ergibt wie auf magische Weise dann plötzlich alles Sinn und es fügt sich wie ein riesiges Puzzle alles zusammen.
Bis dahin ist es aber ein weiter und irgendwie auch steiniger Weg. Man muss den Film schon sehr aufmerksam verfolgen und es ist wohl auch notwendig, ihn ein zweites Mal anzuschauen, um tatsächlich alle Details zu erfassen. Das erfordert Geduld und doch auch einiges an intellektueller Denkleistung, darauf muss man sich erst einmal einlassen (können). Daran zerbricht der Film dann auch zu oft und fährt dementsprechend schlechte Bewertungen ein, bis hin zu regelrecht vernichtenden Kritiken. So steht er sich quasi selbst im Weg, es fehlt ihm die Gelassenheit, die andere Guy Ritchie-Filme (. “Snatch”) ja so auszeichnet.
Handwerklich gibt es jedoch an “Revolver” nichts auszusetzen. Die Inszenierung ist überragend, Kamera und Schnitt ergeben ein harmonisches Ganzes, der Score ist gekonnt eingesetzt und unterstreicht die Wirkung der Szenen, ohne jemals zu aufdringlich zu werden. Schauspielerisch geht das alles auch in Ordnung. Ray Liotta ist lässig wie man ihn kennt und versprüht heftige “Goodfellas”-Vibes. André Benjamin spielt überraschend gut und ist für seine Rolle sehr passend besetzt, ebenso Mark Strong, der zwar nur wenig Screentime hat, diese aber überragend nutzt. Etwas Schwierigkeiten hatte ich jedoch mit Jason Statham, der hier allein durch seine – wie soll man es nennen? Alberne? – Frisur einen seltsamen Eindruck hinterlässt. Der starke Charakterdarsteller ist er ja nun nicht, für meinen Geschmack spielt er seinen Jake auch zu statisch und bietet wenig emotionale Kontaktfläche.
FAZIT: Ein recht sperriger Guy Ritchie, der uns hier präsentiert wird. Man muss einiges an Zeit und Gehirnschmalz investieren, um den Film richtig erfahren zu können, da ist sicher nicht jeder bereit, sich darauf einzulassen. Wenn man das aber tut, bekommt man (nach dem zweiten Mal Anschauen) einen wahrlich fantastischen, meisterhaft inszenierten und intelligent zusammengesetzten Gangsterthriller. Stark!