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    Spiel auf Sieg
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Spiel auf Sieg
    Von Carsten Baumgardt
    Böse Zungen behaupten, dass Rassismus in den Südstaaten der USA auch heute noch eine zumindest unterschwellige Relevanz hat. Doch in der Geschichte braucht gar nicht einmal lange zurückgegangen werden, um diese Fehlstellung der Gesellschaft in voller Blüte zu erleben. Der ehemalige Werbefilmer James Gartner widmet sich unter den Produzenten-Fittichen von Krawall-Krachbumm-Spezialist Jerry Bruckheimer in seinem kurzweiligen und stimmigen Sportler-Drama „Spiel auf Sieg“ dieser Thematik.

    Der ehrgeizige Basketball-Coach Don Haskins (Josh Lucas) trainiert lediglich eine Mädchenmannschaft und wittert seine große Chance, als ihm die Texas Western University von El Paso die Leitung des Basketball-Teams anbietet. Allerdings ist das Budget sehr knapp, Geld kaum vorhanden für Haskins hohe Ansprüche. Der Trainer zieht mit Familie nach El Paso und baut ein komplett neues Team auf. Der Clou: Er bricht dabei das Tabu und macht sich in Detroit und New York auf die Suche nach hochtalentierten schwarzen Spielern, die er in seine Mannschaft holt. Das ist vor allem im rassistisch geprägten Texas verpönt und stößt auf Widerstand, von dem sich der Coach aber nicht beirren lässt. Haskins setzt auf knallhartes Training und diszipliniertes Spiels. Er formt seine Rohdiamanten um die Stars Bobby Joe Hill (Derek Luke, Antwone Fischer) und David Lattin (Schin A.S. Kerr) von Underdogs zu einer Spitzenmannschaft. Die Texas Western Miners gewinnen zur Überraschung aller ein Spiel nach dem anderen und qualifizieren sich mit nur einer Niederlage für die Endausscheidungen der NCAA-College-Meisterschaft. Innerhalb der Truppe gibt es zunächst Vorbehalte gegen die schwarzen Spieler, aber die sind bald ausgeräumt - nach außen klappt die Emanzipation allerdings weit weniger gut. Rassistische Anfeindungen stehen an der Tagesordnung.

    Die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte zu „Spiel auf Sieg“ grub Produzent Jerry Bruckheimer (Das Vermaechtnis der Tempelritter, King Arthur, Bad Boys II, Pearl Harbor, Armageddon) vor Jahren aus. NBA-Coach Pat Riley, der auch im nett gestalteten Abspann zu Wort kommt, erzählte ihm von der Geschichte, bei der der ehemalige Basketball-Star im Finale um die Meisterschaft der NCAA für Kentucky selbst dabei war. Obwohl Coach Don Haskins 1997 in die Hall Of Fame aufgenommen wurde – er hat im Film ein kurzes Cameo als Tankwart– ist dieser Durchbruch für die Etablierung schwarzer Akteure in der US-Sportgeschichte bisher eher eine Randnotiz. Dem wollte Bruckheimer, der bereits mit „Gegen jede Regel“ einen erfolgreichen Sportfilm in die Kinos brachte, ein Ende setzen und die stillen Helden von damals ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Ein sympathisches Unterfangen, das Debüt-Regisseur James Gartner filmisch ansprechend umsetzt.

    Zunächst einmal begeistert der authentische 60-Jahre-Look des Films. Die Bilder wirken echt, die Atmosphäre wird mit Motown-Stücken stimmig eingefangen und das Spiel der Schauspieler sitzt. Josh Lucas (Sweet Home Alabama, Poseidon), der sich grämen muss, im Flieger-Desaster Stealth dabei gewesen zu sein, gibt eine erstaunlich reife und gute Vorstellung ab. Dieser Don Haskins ist kein Ausnahmecoach wie sein legendäres Finalgegenüber Adolph Rupp (knorrig gespielt von Oscarpreisträger Jon Voight; Heat), aber durch seine instinktive Entscheidung das Tabu zu brechen, gelingt ihm das Unfassbare. Dazu wird er von dem unbedingten Willen zum Erfolg getrieben. Ob ein Spieler schwarz oder weiß ist, spielt für Haskins keine Rolle. Alle werden gleich hart behandelt. Durch das Ausnutzen dieser von anderen unangetasteten Talentressourcen verschafft er sich den nötigen Vorsprung, um die Konkurrenz abzuhängen. Im Film übernimmt Haskins 1965 das Team und führt es im ersten Jahr zur NCAA-Meisterschaft, als er 1966 im Finale gegen Kentucky erstmals in der Basketball-Geschichte fünf schwarze Spieler in die Startformation beordert. Das wurde für die Kinoumsetzung dramatisch überspitzt, im wahren Leben trainierte Haskins die University Of Texas At El Paso bereits seit 1961. Erst 1999 ging der Coach in Rente, feierte in dieser Zeit in der NCAA 719 Siege bei 353 Niederlagen – Platz vier in der ewigen Bestenliste. Seinen einzigen Titel holte er 1966.

    Teilweise erreicht „Spiel auf Sieg“ trotz der ernsten Thematik das launige Unterhaltungsniveau eines echten Feel-Good-Movies. Das ist sicher dem Einfluss von Mainstreammann Bruckheimer zu verdanken, der immer ein Gespür für leichte Umsetzungen hat. Das verbreitet auf der einen Seite viel Spaß, der Humor kommt auch nicht zu kurz, lässt aber andererseits eine gewisse Tiefe vermissen, die hier in dieser Konstellation nicht geboten werden kann. Die rassistischen Übergriffe werden später zwar anhand von gewalttätigen Angriffen dokumentiert, die aber vielmehr eine dramatische Funktion innerhalb des Storykonstrukts einnehmen. Das Ganze hat den Charakter einer „Aufklärung light“. Weiter schlimm ist das nicht. „Spiel auf Sieg“ setzt einfach auf lockere Unterhaltung mit ernstem Hintergrund und macht damit eine gute Figur. Das Dilemma nahezu aller Sportfilme kann Regisseur Gartner natürlich auch nicht beheben. Die Dramaturgie der sportlichen Entwicklung ist auch hier vorgezeichnet und die Letzter-Korb-zum-Sieg-in-letzter-Sekunde-Momente dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Diese werden streng genommen auch erwartet, weil sie die Geschichte emotionalisieren. Sport ist schließlich pure Emotion. Diesem Fakt verschließt sich der Film nicht, sondern zelebriert dies in rasanten Spielszenen.

    Für Sportfans ist „Spiel auf Sieg“ ohne Bedenken zu empfehlen. Der Spaßwert liegt sogar noch ein wenig über den formalen Qualitäten des grundsoliden Sportfilms. Wer sich ein Ticket kauft, kann dazu noch auf sympathische Art und Weise eine Revolution in der Geschichte des US-Basketballs nacherleben, mit der Coach Don Haskins eine Lawine lostrat, die nicht mehr zu stoppen war. Fortan setzten sich schwarze Spieler in den US-Ligen bis hin zur Profiliga NBA durch und dominieren mittlerweile das Geschehen. Denn wie stellte schon Ron Shelton in seinem Basketball-Film fest: „White Men Can´t Jump“...
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