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    Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell
    Von Carsten Baumgardt
    Neues Spiel für Sharon Stone: Alles auf eine Karte gesetzt, alles gewagt, alles gegeben - und doch verloren. Wenn es nicht so traurig wäre: Michael Caton-Jones’ erotischer Psycho-Thriller „Basic Instinct 2“ könnte als der Lachschlager der Saison durchgehen. Jeder hatte es nach den schwierigen Ausgangsvorrausetzungen geahnt, nun ist der Fall tatsächlich eingetreten. Das Sequel des modernen Klassikers Basic Instinct ist auf nahezu allen Ebenen verunglückt.

    Die durchtriebene, attraktive Krimiautorin Catherine Tramell (Sharon Stone) hat es von San Francisco nach London verschlagen, wo sie wieder in einen spektakulären Mordfall verwickelt wird. Als sie sich von ihrem Begleiter, dem Fußballstar Kevin Franks (gespielt von Fußballstar Stan Collymore), bei einer Spritztour durch die Stadt bei 180 Stundenkilometern mit der Hand befriedigen lässt, gerät die Situation außer Kontrolle und beide wassern mit ihrem Sportwagen nach einem Sprung über ein Brückengeländer. Franks ertrinkt, Tramell kann an die Oberfläche schwimmen. Die Autopsie ergibt, dass der Fußballer unter dem Einfluss einer lähmenden Droge stand. Detective Superinterdent Roy Washburn (David Thewlis) nimmt seine Ermittlungen auf und verhaftet Catherine, die aber auf Kaution freikommt. Sie begibt sich bei dem renommierten Psychiater Dr. Michael Glass (David Morrissey) in Behandlung und spielt mit dem Arzt ihr leidenschaftliches Spiel. Während Glass’ Mentorin, Dr. Milena Gardosh (Charlotte Rampling), versucht, ihn vor Tramell zu warnen, lässt er sich auf das Spiel mit der hochintelligenten Autorin ein. Nachdem weitere Morde geschehen, ahnt Glass, dass Catherine dahinter stecken könnte...

    14 Jahre, einen Gerichtsstreit und viele Komplikationen sind ins Land gezogen. Nun ist sie also da, die langerwartete Fortsetzung zum kultigen Erotik-Thriller „Basic Instinct“. Der Film spielte weltweit 360 Millionen Dollar ein, erreichte in Deutschland 4,5 Millionen Fans und verweilte hierzulande allein 16 Wochen in den Top 10. Michael Douglas fügte seiner Filmographie einen weiteren Superhit hinzu und Sharon Stone wurde mit einem einzigen Film zur Ikone. Superstars von Michelle Pfeiffer bis Julia Roberts lehnten die Rolle der Catherine Tramell wegen den freizügigen Sexszenen ab, doch Sharon Stone, die zuvor nur in Paul Verhoevens Sci-Fi-Reißer Total Recall positiv aufgefallen war, gelang mit ihrer Darstellung der Durchbruch. Sie ging als atemberaubende Femme Fatale in die Annalen ein, präsentierte den spektakulärsten Beinüberschlag der Filmgeschichte, glänzte mit einer hocherotischen Ausstrahlung und aufregenden Sexszenen.

    Doch das ist Geschichte. In der Folgezeit hatte Sharon Stone keinen einzigen Hit mehr. Einsames echtes Highlight war ihre herausragende, oscarnominierte Performance in Martin Scorseses Gangster-Epos Casino (1995). Mit „Basic Instinct 2“ will es die 48-Jährige noch einmal wissen und legt dafür alles in die Waagschale. Doch da beginnt das Übel bereits. Stone wollte natürlich so gut und so sexy wie möglich aussehen, um die Rolle der Catherine Tramell glaubhaft vertreten zu können. Dank erheblicher Schinderei im Fitnessstudio und der modernen Chirurgie (ihre im Vergleich zu Teil 1 etwas vergrößerten Brüste sehen aus, wie aus Stahlbeton gegossen) wirkt sie wie eine hochgezüchtete Botox-Altersschönheit. Leider fehlt dieser „perfekten“ Schablone die Natürlichkeit, die sie im Original im Alter von 34 Jahren, in der Blüte ihrer Attraktivität, so auszeichnete. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass Frauen jenseits der 40 nicht sexy sein können. Im Gegenteil. Wie so etwas richtig gemacht wird, zeigte zum Beispiel René Russo, die sich mit 45 Jahren in Die Thomas Crown Affäre das erste Mal nackt zeigte.

    Sharon Stones äußerliche Künstlichkeit bildet die Grundlage dafür, dass die Figur der Catherine Tramell 14 Jahre später nicht mehr funktioniert. Dazu überzieht sie ihre Rolle zu sehr und spielt quasi ohne es zu wollen ihre eigene Karikatur. Die Coolness, die sie ihrem Charakter einst einhauchte, wirkt an vielen Stellen konstruiert und überzogen. Sie kokettiert mit dem Image und schießt dabei über das Ziel hinaus. Ein großer Vorwurf ist Stone trotzdem nicht zu machen. Sie hat es gewagt (Michael Douglas ist für ein Sequel natürlich viel zu clever), aber es hat einfach nicht mehr ganz gelangt.

    Das größte Ärgernis des Films ist sowieso die Besetzung des Hauptdarstellers. Die englische Schlaftablette David Morrissey (Entgleist) hat sein Ticket für die Goldene Himbeere bereits im Voraus bezahlt. Der Theaterschauspieler bringt eine derartige Tranigkeit in seine Rolle, dass er nie Stones Kragengröße erreicht und vorzugsweise durch finsteres Grinsen unangenehm auffällt - was sich in der Schlussszene potenziert und beim Publikum als Lacherfolg ankommt. Morrissey ist einfach eine glatte Fehlbesetzung, er strahlt nichts aus und hat Stone auch nichts entgegenzusetzen. Sympathiewerte kann er sich auch nicht sichern. Damit steht er jedoch nicht allein da – einen echten Sympathieträger bietet „Basic Instinct 2“ nicht auf. Für die einzigen schauspielerischen Lichtblicke sorgt der gewohnt großartige David Thewlis („Sieben Jahre in Tibet“, The New World, Königreich der Himmel, Harry Potter und der Gefangene von Askaban). Der Brite kann als zwielichtiger Cop einige zynisch-coole Oneliner auf der Habenseite einbringen. Charlotte Rampling (Die Hausschlüssel, Swimming Pool, Spy Game), eine der besten europäischen Schauspielerinnen überhaupt, ist weit unterfordert und kann wenig gutmachen.

    Die Besetzung des Regiestuhls mit dem soliden Handwerker Michael Caton-Jones (City By The Sea, „Der Schakal“, „Rob Roy“, „Doc Hollywood“) geht in Ordnung, Original-Regisseur Paul Verhoeven war sich wie Douglas zu schade für das Sequel bzw. sah, dass es nichts werden konnte. Der Schotte legte wert auf einen exquisiten Look und in dieser Hinsicht punktet der Film auch ohne Zweifel. Das neue, coole London ist von Kameramann Gyula Pados (Kontroll) faszinierend eingefangen. So sexy, wie sich die englische Metropole präsentiert, ist keiner der Darsteller. Doch was nützt die perfekte Fassade, wenn sich dahinter zum Teil haarsträubende Dialoge verbergen? Besonders das erste Drittel des Films strotzt nur so vor Trashigkeit, dass der ein oder andere unbeabsichtigte Lacher eingefahren wird.

    In Sachen Sexszenen - Teil eins zählt wohl zum heißesten, was das Mainstreamkino hergibt - bleibt die Fortsetzung weit hinter dem Original zurück. David Morrissey geht zunächst in den Nahkampf mit Flora Montgomery (Man To Man) und Kata Dobó (Rollerball), bevor er sich in der Königsdisziplin Catherine Tramell versuchen darf. Mit Erotik haben diese Szenen zumeist wenig zu tun, es geht eher in die Kategorie Sportficken, was im Vergleich zum sexy Original keinen Zuschauer hinter dem Ofen hervorlocken sollte. „Basic Instinct 2“ übertrifft leider die schlimmsten Befürchtungen noch und erzielt in der Sparte „überflüssige Sequels“ neue Spitzenwerte. Ein paar Zitate aus Teil eins, ein hervorragendes Set-Design, der tolle Original-Score von Jerry Goldsmith (von John Murphy in seinen eingefügt) und eine Handvoll netter Sprüche sind einfach zu wenig. Die Erfolgszutaten aus Teil eins werden ohne Inspiration und Verve kopiert, richtige Spannung kommt nicht auf, wenn die Twists am Ende hin- und herspringen, interessiert dies einfach niemanden mehr. Schade drum. „Basic Instinct 2“ ist eine filmische Beerdigung erster Klasse.
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