Sam Raimis Interpretation von Batman
Bevor Sam Raimi mit seiner „Spider-Man“-Trilogie das Superhelden-Genre in Hollywood revolutionierte, war er vor allem für seine blutigen Slapstick-Horrorwerke bekannt: „Evil Dead“ und „Evil Dead 2“ (im Deutschen „Tanz der Teufel“) wurden in den 80er zu Kult-Klassikern und sorgten dafür, dass Raimi an Popularität gewann. Und so konnte er 1990 seinen ersten großen Hollywood-Blockbuster drehen: „Darkman“. Raimis ursprüngliche Pläne waren jedoch ganz anders, denn er wollte eine Adaption der amerikanischen Comicfigur The Shadow drehen. Da er die Rechte jedoch nicht bekam, erfand er eben eine ähnliche Figur namens Darkman. Der absurde und überzogene Action-Horror-Film war an den Kinokassen nur bedingt erfolgreich, konnte sich aber über die Jahrzehnte einen Namen bei Fans machen und das zurecht. „Darkman“ ist ein gelungener Mix aus Raimis Horrorwurzeln mit „Evil Dead“ und seinen zukünftigen „Spider-Man“-Filmen. Dabei sind auch viele weitere Einflüsse gut spürbar. Raimi bediente sich hier an so ziemlich allen klassischen Hollywood-Monstern wie „Frankenstein“, „Jekyll & Hyde“, „Der Unsichtbare“ und sogar etwas „Dracula“. Aber auch die Einflüsse von Tim Burtons „Batman“, welcher ein Jahr zuvor die Kinolandschaft aufgewühlt hatte, sind klar erkennbar. Und es ist aus heutiger Sicht, wirklich schade, dass Tim Burton den dunklen Ritter auf die Leinwand brachte und nicht Raimi, denn Letzterer hatte eine deutlich unterhaltsamere Vision im Kopf, wie man hier mit „Darkman“ sehen kann!
Peyton Westlake ist Wissenschaftler und versucht synthetische Haut im Labor herzustellen. Doch eines Tages wird sein Labor von dubiosen Mafia-Gangstern überfallen. Seine Arbeit und Peyton selbst nehmen dabei schwere Schäden, können jedoch den brutalen Angriff überstehen. Peyton ist entstellt und muss nun ein Dasein in der Dunkelheit fristen. Doch er schwört sich Rache und wechselt mithilfe menschlicher Masken seine Identität, um so seine Angreifer ausfindig zu machen…
Man kann hier sehr gut erkennen, wie ein „Batman“-Film unter Raimi ausgesehen hätte. Allein optisch ist „Darkman“ ein Fest: Die Action ist rasant, dynamisch gefilmt und besonders die Helikopter-Verfolgungsjagd ist großartig inszeniert. Dazu kommen die düsteren Sets und die imposante Bildsprache von Raimi. Er arbeitet viel mit Schatten und Licht (passend zur Thematik des Films) und liefert immer wieder sehr kreative Kameraperspektiven ab, wie etwa die Verfolgung von Projektilen, die geschossen werden oder der Übergang in die Friedhofsszene mit Frances McDormand. Genau wie Darkmans unkontrollierbare Gemütszustände, ist die Kamera wild und unvorhersehbar. An der Kamera war übrigens Bill Pope in seinem ersten Filmprojekt. Später sollte er an großen Filmen wie der „Matrix“-Trilogie und den „Spider-Man“-Fortsetzungen arbeiten.
Untypisch für Raimi war jedoch der Verzicht auf Blut und Gore. Das Filmstudio Universal wollte nicht, dass die Verbindung zu Raimis „Evil Dead“-Filmen aufkommt, denn die waren damals noch verpönt. „Darkman“ ist dennoch nicht frei von brutaler Gewalt, doch aufgrund des völlig überzogenen Grundtons, wirkt das Ganze nie wirklich so exzessiv.
Damit kommen wir also zur Comedy und dem teils albernen Vibe, den der Film förmlich lebt: Raimi und seine Figuren nehmen all die Ereignisse extrem ernst, was das Ganze so unterhaltsam macht. In Verbindung mit den eindrucksvollen Bildern wirkt das Ganze manchmal auch deswegen wie eine große Bühnenshow mit Over the Top-Darstellern. Das kann man mögen oder auch nicht, ist halt Geschmackssache. Ich persönlich habe lieber so einen Film als einen, der mich langweilt. Aber „Darkman“ findet eine ganz gute Balance zwischen Slapstick und Drama. Ja, es ist nicht selten zu viel des Guten, besonders der finale Kampf auf dem Gerüst war wirklich albern. Zudem besteht der Film aus vielen Klischees, die hier und da kreativ eingebunden werden, aber an anderen Stellen die Story sehr eintönig wirken lassen. Der typische Bösewicht einer großen Firma im Anzug, die Freundin des Helden, die nur dazu da ist, um gerettet zu werden etc.
Die Story ist generell ein Mix aus tollen Ideen und abgenutzten Momenten, die man schon so oft in Filmen dieser Art gesehen hat.
Der Cast ist ebenfalls qualitativ etwas durchmischt: Während Liam Neeson (hier in einer seiner ersten großen Rollen) seine Sache sehr gut macht, ist der Rest erstaunlich schwach, stellenweise sogar schlecht. Selbst die tolle Frances McDormand lieferte hier keine gute Leistung ab, was aber vielleicht auch an ihrer Rolle liegt, die im Film eben nicht viel zu tun hat…
Musikalisch bietet uns Danny Elfman einen klassischen Elfman-Score, der zwar viele andere Elfman-Kompositionen klingt, aber im Film sehr gut funktioniert und dem Ganzen eine passend, pompöse Atmosphäre verleiht.
Fazit: „Darkman“ ist eine äußerst unterhaltsame Comic-Verfilmung eines Comics, den es so nie gab (zumindest nicht vor dem Film). Sam Raimi hatte ein gutes Gespür für diese Art von Story und wäre wie schon erwähnt der bessere Regisseur für eine große „Batman“-Adaption gewesen. „Darkman“ ist eine herrliche Mischung aus Monster-Film und Horror-Komödie. Das verkannte Werk hat seine Schwächen, ist aber allein aus filmischer Sicht ein Erlebnis, das man sich als Raimi-Fan nicht entgehen lassen sollte.