Einer der besten Coen-Filme kehrt diese Woche ins Kino zurück: Darum bleibt die True-Crime-Farce "Fargo" ihr Meisterwerk!
Asokan Nirmalarajah
Asokan Nirmalarajah
-Freier Autor und Kritiker
Asokan schreibt seit 2011 für FILMSTARTS. Seine Liebe zum Kino begann mit den "Turtles" (1989). Später fand er im zarten Alter von 14 Jahren durch die "Der Pate"-Trilogie zu seinem Lieblingsgenre, dem Gangsterfilm. Darüber hat er sogar ein Buch geschrieben.

In der öffentlichen Wahrnehmung der Brüder Joel und Ethan Coen war ihre originelle Krimi-Komödie „Fargo“ von 1996 ein Wendepunkt – und zu Recht! Kaum ein Film ist so schräg, unberechenbar und lustig wie dieser. Ab dem 4. März 2025 wieder im Kino!

In der Karriere der Brüder Joel und Ethan Coen gibt es eine Zeit vor und eine Zeit nach „Fargo“. Auf ihren ersten Flop mit der kostspieligen Frank-Capra-Hommage „Hudsucker - Der große Sprung“ kehrten die abenteuerlichen Genre-Akrobaten hier zurück zu ihrem ursprünglichen Stammgenre, dem Neo-Noir. Wie bei ihrem Spielfilmdebüt „Blood Simple“ handelt es sich bei „Fargo“ um einen schwarzhumorigen Crime-Film, bei dem für alle Akteure alles spektakulär schiefgeht, was schiefgehen kann. Das ist nicht nur urkomisch und schockierend brutal. Es ist auch seltsam, melancholisch und traurig.

„Fargo“ kehrt am 4. März 2025 im Rahmen der „Best of Cinema“-Reihe in die deutschen Kinos zurück. Und das lohnt sich für alle, die den Kult-Klassiker noch nicht auf der großen Leinwand gesehen oder noch auf der „Sollte ich endlich nachholen“-Liste zu stehen haben. Denn dieser Film begeisterte Fachpresse und Publikum im Erscheinungsjahr 1996 so sehr (u.a. zwei Oscars, für Hauptdarstellerin Frances McDormand und das beste Original-Drehbuch, sowie über 60 Millionen Dollar an der Kinokasse), dass die Coen-Brüder danach nicht mehr nur einem Indie-affinen Publikum, sondern auch dem Mainstream bekannt waren.

Fargo - Blutiger Schnee
Fargo - Blutiger Schnee
Starttermin 14. November 1996 | 1 Std. 37 Min.
Von Joel Coen, Ethan Coen
Mit William H. Macy, Frances McDormand, Steve Buscemi
Pressekritiken
4,4
User-Wertung
4,3
Filmstarts
5,0
Im Stream

Auch vom Autor dieses Artikels gibt es nur Bestnoten für „Fargo“, und das nicht nur für die schwindelerregende Präzision, mit der die Coen-Brüder ihre eigenwillige Vision des leicht hinterwäldlerischen Minnesota und dessen sonderbaren Einwohner*innen zeichnen. Mehr noch als die in perfekt komponierten Einstellungen eingefangenen Schneelandschaften von Kameramann Roger Deakins, die beunruhigend meditative Musik von Carter Burwell zum Blutbad im Schnee und die äußerst glaubwürdigen, detailreichen Darbietungen der Besetzung begeistert hier die meditative bis verstörende Atmosphäre.

So virtuos „Fargo“ auch inszeniert ist und sich mit seinen kontrastreichen Bildern, den mit großer Spezifität geformten Figuren und ulkig-rhythmischen Dialogen in die Köpfe seiner Zuschauer festsetzt: Zurück bleibt von dem Film vor allem seine unberechenbare und schwarzhumorige Darstellung des amerikanischen mittleren Westens als eine Art weißer Vorhof zur Hölle, in dem nichts als die Gier regiert und es unentwegt schneit.

Schwangere Gesetzeshüterin auf Mörderjagd im Schnee

Die Handlung von „Fargo“ beginnt in Etappen. Zunächst einmal ist da Jerry Lundegaard (verdient für einen Oscar nominiert: William H. Macy), der schmierige Automobilverkäufer, der so stark verschuldet ist, dass er beschließt, seine Frau Jean (Kristin Rudrüd) entführen zu lassen. Jerrys halbgarer Plan ist es, so an das Geld seines Schwiegervaters und Chefs Wade Gustafson (Harve Presnell) zu kommen, um eine eigene Geschäftsidee endlich umsetzen zu können. Doch leider heuert Jerry mit den sonderbaren Carl (Steve Buscemi) und Gaear (Peter Stormare) zwei trottelige Entführer an.

Carl und Gaear schaffen es zwar, die hysterische Jean zu entführen und in eine verschneite Hütte im Wald zu schleppen. Doch auf dem Weg werden sie von einer Polizeistreife auf der Straße angehalten und der kaltblütige Gaear ermordet kurzerhand den Polizisten und weitere Tatzeugen. Die Leichen liegen im Zuständigkeitsgebiet des hochschwangeren Sheriff Marge Gunderson (Frances McDormand), die zwischen Schwangerschaftsübelkeit und Fressattacken die Fährte der Entführer aufnimmt, bis sie schließlich bei Jerry höchstpersönlich im Büro anklopft und unangenehme Fragen stellt.

Eine moralische Geschichte von zwei Scherzkeksen

Bei den Filmen der Coen-Brüder Joel und Ethan kann man sich als Zuschauer nie ganz sicher sein, wie ernst sie das meinen, was sie einem erzählen. Schließlich bewegen sich die stilistisch immer imposanten Filmemacher mit Vorliebe in doppelbödigen Genres wie dem Neo-Noir und der Slapstick-Komödie, wo komplexe Handlungsmechanismen und nicht vertrauenswürdige, oft idiotische Figuren dominieren. Da überrascht es dann doch, wenn sie in „Fargo“ ihrem üblichen Ensemble an trotteligen Kriminellen eine sehr souveräne Polizistin vorsetzen, die ungewohnt menschlich und moralisch auftritt.

Das Bild des schwangeren Sheriffs, der sich behäbig und ungelenk durch den hohen Schnee bewegt, ist ein groteskes und unvergessliches, aber Marge Gunderson als Figur ist auch einfühlsam, freundlich und aufrecht. Und das ganz ohne jegliche Ironie oder Sarkasmus. Sie bildet so den Gegenpol zu einer Welt voller korrupter Männer, die für Geld alles tun würden.

Das macht den durchweg perfekt inszenierten „Fargo“ von der ersten Minute bis zur letzten Minute zu einem nicht nur spannenden, sondern zum Ende hin auch ergreifenden Spiel mit den Konventionen des Crime-Genres. Es ist so keiner der seltenen „Coen“-Filme, dem man aufgrund seiner Perfektion eine kalte Sterilität vorwerfen kann. Dafür ist Marge eine viel zu menschliche, sympathische Kreation – auch dank Frances McDormands sehr einfühlsamer Darbietung.

Die "Best Of Cinema"-Reihe: Großes Kino unterstützt von FILMSTARTS

Der Filmklassiker der Coen-Brüder ist natürlich nicht der letzte Film, der in der „Best Of Cinema“-Reihe zu sehen sein wird. Jeden Monat gibt es einen neuen Kultfilm, der deutschlandweit zurück auf die großen Leinwände kommt. Und das Programm ist ebenso hochkarätig wie abwechslungsreich. Das komplette Restprogramm für 2025 findet ihr im folgenden Artikel:

Ein Muss für Film-Fans: Serienkiller-Meisterwerk, Action mit Arnie und Sly & mehr könnt ihr schon bald wieder im Kino erleben

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