Wenn neue „Star Wars“-Serien auf Disney+ liefen, war es zuletzt eigentlich klar: Fans bekommen jede Woche eine neue Folge. Nur zum Start war es ein wenig anders – sowohl von „The Acolyte“ als auch von „Skeleton Crew“ gab es zuletzt zum Auftakt direkt zwei Folgen, bei der ersten Staffel von „Andor“ waren es sogar drei Episoden zum Start. Doch bei allen ging es danach mit nur einer Folge pro Woche weiter. Bei der zweiten Staffel von „Andor“ sieht das nun anders aus:
Zum Start am 23. April 2025 erscheinen zunächst drei Episoden. Doch auch danach geht es mit solchen Dreierpacks weiter. Am 30. April erscheinen daher die Episoden 4 bis 6, am 7. Mai dann 7 bis 9 und den Abschluss bilden die Folgen 10 bis 12 am 13. Mai 2025.
Mit dieser Strategie entfernt sich Disney von der gewohnten Wochenveröffentlichung und testet ein Modell, das Serien in kinofilmähnlichen Einheiten präsentiert. Diese Veröffentlichungsstrategie hat einen inhaltlichen Hintergrund, den wir euch zuerst erklären. Doch womöglich hat Disney auch noch einen ganz anderen Hintergedanken...
Inhaltlicher Hintergrund: Immer drei Episoden von "Andor" ergeben einen "Film"
Die zweite Staffel umfasst einen Zeitraum von vier Jahren. Dabei erzählen jeweils drei Episoden eine zusammenhängende Geschichte, bevor es einen Zeitsprung von einem Jahr gibt und man die Figuren um Cassian Andor (Diego Luna) in neuer Umgebung wieder trifft. Für jedes Episoden-Trio wurde unter der Leitung von Serienmacher und Chefautor Tony Gilroy ein eigenes Team aus Drehbuchautor und Regisseur zusammengestellt.
- Serienerfinder Tony Gilroy machte gemeinsam mit Regisseur Ariel Kleiman („Partisan“) die Folgen 1 bis 3, die im Jahr 4 BBY (= vier Jahre vor der Schlacht von Yavin, also der Zerstörung des Ersten Todessterns durch Luke Skywalker am Ende von „Star Wars: Episode IV“) spielen. Hier begegnen wir Andor und weiteren Figuren rund ein Jahr nach dem Ende der vorherigen Staffel wieder.
- „House Of Cards“-Macher Beau Willimon als Autor und erneut Regisseur Kleiman bringen uns anschließend mit den Folgen 4 bis 6 ins Jahr 3 BBY, wo die Rebellion weiter erstarkt ist.
- Die Folgen 7 bis 9 verantworteten dann der für „Nightcrawler“ oscarnominierte Autor Dan Gilroy (Tony Gilroys Bruder) mit dem ursprünglich aus dem Dokumentarfilm kommenden dänischen Regisseur Janus Metz („Camp Armadillo“). Im Jahr 2 BBY werden sie ein besonderes Ereignis im „Star Wars“-Kanon zeigen, auf das schon oft angespielt wurde, das wir aber bislang noch nie gesehen haben: Das Ghorman-Massaker, bei dem das Imperium eine friedliche Demonstration brutal niederschlug, gilt als Schlüsselmoment für den Aufstieg der Rebellion.
- Die Episoden 10 bis 12 führen im Jahr 1 BBY direkt zu den Ereignissen des Kinofilms „Rogue One“ hin – mit dem bislang vor allem als Autor von Romanen, Kurzgeschichten und Videospielen bekannten Tom Bissell (u.a. „Gears 5“) sowie Regisseur Alonso Ruizpalacios („La Cocina - Der Geschmack des Lebens“) in der Verantwortung.
Mehr zur „Star Wars“-Timeline und der Jahreszahl-Zählung mit den Begriffen BBY und ABY gibt es übrigens im folgenden Artikel:
Die komplette "Star Wars"-Timeline: Alle Filme, Serien etc. in der richtigen ReihenfolgeÄhnliche zusammenhängende Blöcke wie bei der kommenden zweiten Season von „Andor“ wurden zwar schon in der ersten Staffel gebildet. Da waren die Übergänge aber deutlich fließender als es jetzt durch die Zeitsprünge der Fall sein dürfte. Nun könnten sich drei Episoden jeweils wie ein Film anfühlen, was auch Tony Gilroy in seinem Kommentar zur Veröffentlichungspolitik von Disney deutlich macht.
Tony Gilroy freut sich über Episoden-Dreierpack: "Irgendwie cool!"
Dem Magazin Collider verriet der „Star Wars: Andor“-Macher, dass er und sein Team von Disneys Plan erst erfahren haben, als sie im November 2024 gerade mit der Arbeit an „Andor“ fertig waren. Es sei eine Entscheidung von Disney gewesen, die Episoden so zu veröffentlichen: „Dahinter steckt eine interne Logik. Sie haben ihre Gründe.“ Ihm gefällt es aber: „Irgendwie ist es cool.“
Bevor wir darauf eingehen, was Gilroy mit der „internen Logik“ und „sie haben ihre Gründe“ meinen können, wollen wir nicht unterschlagen, dass es eine Publikumsgruppe gibt, die mit dieser Veröffentlichungspolitik zu kämpfen hat, wie auch Gilroy ahnt: „Ich meine, es stellt Podcaster vor eine Herausforderung. Was sollen sie jetzt machen? Es ist ein Film jede Woche!“
Nicht nur Podcaster, sondern auch YouTuber und Journalistinnen analysieren bei Serien wie „Andor“ jede neue Episode unmittelbar und diskutieren ihre Bedeutung sowie mögliche Entwicklungen. Für sie wächst die Arbeitsbelastung natürlich, wenn sie statt einer Folge jetzt immer gleich drei Episoden schauen und analysieren müssen. Wie Gilroy gegenüber Collider erklärte, habe er darüber „nachgedacht“ und ist sich sicher: „Es wird ein paar Leute geben, die sich denken: Oh mein Gott, ich muss heute Nacht lange aufbleiben.“
Mit dem Verweis auf die Nacht spielt er auf den Veröffentlichungszeitpunkt von „Andor“ in den USA an. In Nordamerika werden neue Episoden immer am Dienstagabend erscheinen. In Deutschland sind dagegen eher Frühschichten angesagt. Schließlich stehen hier durch die Zeitverschiebung die weltweit parallel veröffentlichten Folgen immer in den frühen Morgenstunden am Mittwoch zur Verfügung.
Hierzulande kann man quasi zum Frühstück für vier Wochen immer einen „Star Wars“-Film schauen – und wenn die noch unbekannte Episodenlaufzeit ähnlich wie bei der ersten Staffel ist, sogar einen sehr langen. Da waren die Folgen zwischen ca. 40 Minuten und einer Stunde lang, Dreierpacks dauerten also zwischen zwei und knapp drei Stunden.
Sind die Emmys der wahre Grund hinter der "Andor"-Veröffentlichungspolitik?
Wie bereits einleitend erwähnt, ist der Gedanke, uns jede Woche quasi einen „Star Wars“-Film zu schenken, womöglich nicht die wahre Motivation hinter der neuen Veröffentlichungsstrategie für die zweite Staffel „Andor“. Wenn Gilroy von „interner Logik“ und „Gründen“ spricht, könnte er auch auf etwas anderes anspielen, was uns sehr logisch erscheint: Mit der besonderen Veröffentlichungspolitik könnte Disney auf den begehrtesten TV-Preis, die Emmys, abzielen.
Für die kommende Emmy-Verleihung sind nämlich nur Titel zugelassen, die spätestens bis zum 31. Mai 2025 veröffentlicht wurden. Da eine frühere Veröffentlichung aber trotz Fertigstellung bereits im November nicht infrage kam, da man – wie Gilroy auch erklärt – auf „Skeleton Crew“ warten musste, wurde diese Deadline zum Problem. Mit der Dreierpack-Strategie sorgt man dafür, dass alle Episoden vor diesem Datum erscheinen.
Bei der bislang praktizierten Veröffentlichung von einer Episode pro Woche wären mehrere Folgen erst nach der Emmy-Deadline herausgebracht worden. Wären vor dem 31. Mai weniger als sechs Folgen erschienen, wäre „Andor“ komplett vom Preis für dieses Jahr ausgeschlossen, wären es zwar sechs oder mehr, aber eben nicht alle gewesen, hätte dies die Preischancen von „Andor“ dramatisch reduziert. Die späteren Folgen wären in diesem Jahr erst gar nicht zugelassen, auch bei allgemeinen Awards wie beste Serie oder den Schauspielkategorien haben es Titel bekanntlich massiv schwerer, wenn noch nicht alle Folgen einbezogen werden dürfen.
Für Fans sollte aber auch das ein gutes Signal sein. Wenn Disney wirklich mit der Veröffentlichung auf die Emmys abzielen sollte, bedeutet dies, dass man intern davon überzeugt ist, ein Ergebnis an der Hand zu haben, das gut genug ist, um mit den besten Serien der vergangenen zwölf Monate mitzuhalten. Und das sind verdammt gute Nachrichten.
Wie es mit der Saga derweil im Kino mit richtigen Filmen weitergeht, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
So geht es mit "Star Wars" im Kino weiter: Lucasfilm-Chefin gibt Update zu kommenden Filmen*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.