Ein Muss für "James Bond"-Fans: In diesem Kult-Streifen mit 007-Schurken wird der Superagent aufs Korn genommen – erstmals auf Blu-ray
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Lange, bevor ihm einer der unvergesslichsten Sätze der Filmgeschichte von den Lippen ging, zog Cliff Robertson 007 durch den Kakao. Jetzt ist „Agenten lassen bitten“ erstmals im deutschen Heimkino in HD erschienen.

Als sich die „James Bond“-Filmreihe in den 1960ern als globales Kinophänomen entpuppte, ließen die Persiflagen nicht auf sich warten. Neben einer schrägen, überaus freien „Casino Royale“-Adaption und bunt-bizarrem Wahnsinn wie „Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine“ entstanden auch Comedy-Agententhriller wie „Agenten lassen bitten“.

Die Parodie raubt einerseits dem Leinwand-Agentendasein auf zynische Weise jeglichen Glamour. Andererseits setzt sie auf Albernheiten, wie sie später „Die nackte Kanone“ anwenden sollte, um da mit Pointen zu punkten, wo 007 die Nerven kitzelt. Diese Woche feierte „Agenten lassen bitten“ seine Blu-ray-Premiere im deutschen Heimkino.

Darum geht es in "Agenten lassen bitten"

David Frazer (Cliff Robertson) ist ein passionierter Abenteurer und Söldner aus den USA – und er ist mit dem spießigen, britischen Geheimagenten Benson (Charles Gray) befreundet. Als Benson an seine Grenzen gelangt, sorgen seine Vorgesetzten dafür, dass er Frazers Hilfe akzeptiert. Dem Amerikaner werden zum Ausgleich dafür 500 Pfund Lohn in Aussicht gestellt.

Frazers Auftrag im Dienste einer Majestät, die nicht seine ist: Er soll den Briten helfen, die Entführung eines jungen arabischen Prinzen als politisches Druckmittel zu nutzen. Diese Mission wird allerdings durch zahlreiche Intrigen, ständigen Verrat und eine unübersichtliche Fülle an geheimen Motiven torpediert...

Von der Bond-Parodie zum 007-Gehilfen und zum Bond-Rivalen!

1967, nur zwei Jahre nach dieser Bond-Verballhornung, sollte Gray Teil der Zielscheibe des „Agenten lassen bitten“-Spotts werden: Gray übernahm in „Man lebt nur zweimal“ die Rolle von Bonds Verbündeten Dikko Henderson. Vier Jahre später schlüpfte er dann in eine denkwürdigere 007-Rolle und wurde in „Diamantenfieber“ zu Bonds Erzrivalen Blofeld! Robertson dagegen gewann wenige Jahre nach „Agenten lassen bitten“ für das Drama „Charly“ den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Des Weiteren trat er im Paranoia-Thriller „Die drei Tage des Condor“ auf und gab in späteren Karrierejahren eines der berühmtesten Zitate der Kinogeschichte von sich: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“, ein Merkspruch aus Sam Raimis „Spider-Man“, der nicht nur innerhalb der Tobey-Maguire-Trilogie enorme emotionale Tragweite entwickelt, sondern auch in einem denkwürdigen Psycho-Horrorfilm behandelt wird:

Mit der Integrität eines Onkel Ben käme man in der Welt von „Agenten lassen bitten“ jedoch nicht weit: Zwei Banditen“-Drehbuchautor William Goldman und „Mörder GmbH“-Drehbuchautor Michael Relph bestücken ihre 007-Persiflage mit einer Parade aus Hinterlist, Betrug, moralischer Korruption und glanzlosen Motiven. Sympathische Figuren und gute Absichten muss man derweil mit der Lupe suchen. Zur hintersinnig-bissigen Genresatire reift „Agenten lassen bitten“ dadurch aber nicht heran: Dafür sind die Seitenhiebe auf Spionagedienste und ihre schillernde filmische Darstellung nicht vehement genug.

Stattdessen wird auf comichafte Elemente gesetzt, wie sie die „Nackte Kanone“-Reihe noch auf die Spitze treiben sollte. Wie absurd große Fußabdrücke, die sich als Werk eines Mannes mit Schwimmflossen herausstellen, oder Dialoge, die bei Bond knistern würden, hier hingegen durch begriffsstutzige Figuren rüde ausgebremst werden. Das wird zwar nie zum Pointen-Dauerfeuer, trotzdem gilt: Bond-Fans, die einen Spaß vertragen können, sollten diesen Film kennen - und dürfen dementsprechend gerne einen Blick riskieren.

Nicht zuletzt aufgrund der Actionpassagen, die sich zu reinen Zirkuseinlagen verwandeln – und bei denen sich zuweilen die Frage aufdrängt, ob die Köpfe hinter der Roger-Moore-Mission „Octopussy“ nicht „Agenten lassen bitten“ zur Inspiration geschaut haben. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Film von Regisseur Basil Dearden Einfluss auf die ikonische Agentenreihe genommen hat: Dearden inszenierte auch einen Thriller, in dem Sean Connery einige denkwürdige 007-Looks Probe getragen hat. Zudem erfüllte sich der Schotte mit dem Film einen lang gehegten Wunsch:

Neu im Heimkino: Mit diesem Kriminalthriller hat sich Sean Connery während seiner James-Bond-Amtszeit einen Herzenswunsch erfüllt

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren