In der weit über 100 Jahre langen Geschichte des Kinos wurden zahlreiche Stoffe immer wieder neu verfilmt – von Horror-Klassikern wie „Dracula“ über Comic-Verfilmungen à la „Batman“ bis hin zum Kaiju-Meilenstein „Godzilla“. Im Abenteuer-Sujet sind es nicht zuletzt berühmte Literatur-Meilensteine, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen und immer wieder neu belebt wurden und werden.
Neben „Der Graf von Monte Christo“ (die jüngste Verfilmung lief unlängst im Kino), „Robin Hood“ (aktuell befindet sich eine Serien-Adaption in Arbeit) und „Die drei Musketiere“ (2023/2024 kam es zu einem epischen Kino-Doppel) zählt auch „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne zu jenen Highlights, mit denen jeder schon mal auf die eine oder andere Weise in Berührung gekommen sein dürfte.
In Filmform ist mir das Globetrotter-Abenteuer im Laufe der Zeit bereits mehrfach über den Weg gelaufen – und gefahren, und geflogen. Vor allem aber hat sich die Geschichte in mein Herz gekloppt – und zwar mit der „In 80 Tagen um die Welt“-Verfilmung aus dem Jahr 2004, die ihr aktuell bei Netflix streamen könnt.
Der von Adam-Sandler-Stammregisseur Frank Coraci („Klick“, „Waterboy“) inszenierte Film konnte 2004 zwar mehr als 1,2 Millionen Menschen in die deutschen Kinos locken und damit unter anderem „Kill Bill Vol.2“ in den Jahrescharts hinter sich lassen. Weltweit sah das Ganze jedoch anders aus: Der Film spielte international nicht mehr als 72,6 Millionen Dollar ein – und war damit ein dickes Minusgeschäft.
Damit konnte das kunterbunte Action-Abenteuer nicht einmal seine reinen Produktionskosten einspielen, ganz zu schweigen von den zusätzlichen Ausgaben für Werbung und den Abgaben an die Kinobetreiber. Denn: der Film verschlang für damalige Verhältnisse durchaus gigantische 110 Millionen Dollar! Damit spielte er in einer Liga mit „I, Robot“ und „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ aus demselben Jahrgang. Und auch wenn sich das Investment an den Kinokassen nicht gelohnt hat, hat sich das gigantische Unterfangen am Ende doch ausgezahlt.
"In 80 Tagen um die Welt": Abenteuer-Klassiker trifft Kult-Klopper
Denn eines ist für mich klar: „In 80 Tagen um die Welt“ steckt voller Schauwerte – und macht so immer wieder aufs Neue mächtig Laune. Auch heute noch!
Coraci bedient sich einerseits der weltberühmten Vorlage Jules Vernes und nimmt sein Publikum so auf ein weltumspannendes und dementsprechend abwechslungsreiches Abenteuer mit – von Großbritannien über den Orient bis hin ins ferne Asien. Mit tollen Kostümen, spektakulären Sets und zeitlos-eindrucksvollen Schauplätzen macht er dem Stoff alle Ehre.
Andererseits nutzt er diese Vielfalt auch, um die Reise um den Globus mit einem internationalen Staraufgebot zu unterfüttern – und setzt dem Ganzen die Krone auf, in dem er die Geschichte mit akrobatischen Actioneinlagen garniert.
Ein Fest für Martial-Arts-Fans!
Neben dem zweifach oscarnominierten Steve Coogan („Philomena“) als Phileas Fogg und der unter anderem aus „High Tension“ bekannten Cécile de France sowie Action-Legende Jackie Chan als Sidekick Passepartout sind so etwa Kathy Bates als Queen Victoria, Arnold Schwarzenegger als türkischer Prinz, Jim Broadbent als fieser Oberwissenschaftler Lord Kelvin und Luke sowie Owen Wilson als Gebrüder Wright mit von der Partie.
Ähnlich wie auch schon in „Rush Hour“ oder „Shang-High Noon“ wartet das Ensemble aber auch mit zahlreichen Actionstars aus Hongkong auf, die man nur selten in Hollywood zu sehen kriegt. Klar, sobald Fogg zu Beginn des Films auf seinen neuen Gehilfen trifft und diesen bittet, mit ihm gemeinsam die uns bekannten physikalischen Gesetze auf die Probe zu stellen, schwingt da direkt auch viel Ironie mit – schließlich hat Jackie Chan genau das mit seinen halsbrecherischen Filmen jahrzehntelang getan!
Und in den 2000ern war der damals 50-Jährige tatsächlich noch in der Lage, spektakuläre Action-Choreographien nicht nur zu planen, sondern auch eigenhändig umzusetzen. Genau das macht auch heute noch mächtig Spaß, auch, weil er dafür viele seiner langjährigen Weggefährten mit ins Boot holte:
Martial-Arts-Fans dürfen sich so auf ein Legendentreffen mit Sammo Hung („Ip Man“, „Action Hunter“), einen spektakulären Schlagabtausch mit Daniel Wu („New Police Story“) sowie auf eine „So Close“-Reunion mit Maggie Q und Karen Mok freuen – die am Ende zwar in Chans Schatten stehen, in dessen Fahrwasser aber dennoch jede Gelegenheit nutzen, zumindest szenenweise im Rampenlicht zu stehen.
Für Jung und Alt!
Am Ende ist „In 80 Tagen um die Welt“ weder revolutionär noch anspruchsvoll – und wird dem Status seiner Vorlage damit sicher nur bedingt gerecht. Eine derartige Box-Office-Bruchlandung hat der Film allerdings ebenso wenig verdient, wie kurz darauf in der Versenkung zu verschwinden. Denn wer auf der Suche nach unschuldiger, kurzweiliger und durchaus imposanter Unterhaltung für Jung und Alt ist, ist hier definitiv an der richtigen Adresse!
Ungleich brutaler scheint es übrigens im kommenden Jackie-Chan-Film „The Shadow's Edge“ zuzugehen. Die ersten Einblicke in den Action-Thriller versprechen jedenfalls ziemlich düstere Kost:
So blutüberströmt haben wir Jackie Chan noch nie gesehen: Erstes Bild zu "The Shadow's Edge" verspricht brutale Crime-Action