TV-Tipp ohne Werbung: In diesem stylischen und raffinierten Kostümfilm-Klassiker lassen Hollywood-Stars es richtig knistern
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Der berühmte Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ wurde von Stephen Frears mit Opulenz und Raffinesse in Szene gesetzt. Heute läuft seine stargespickte Verfilmung bei arte.

Lange, bevor der bitterböse sowie bittersüße Erotikthriller „Eiskalte Engel“ mindestens eine Generation an Filmfans intensiver prägte, als es sich die Beteiligten je hätten ausmalen können, gab es „Gefährliche Liebschaften“: Der Briefroman des Schriftstellers Pierre Choderlos de Laclos aus dem Jahr 1782 sorgte für Furore sowie hitzige Debatten und wurde in höchsten Tönen gelobt. Das machte ihn nicht nur zu einem heißkalten Literaturklassiker, sondern auch zur Vorlage zahlreicher Film- und Serienadaptionen.

Neben „Eiskalte Engel“, der eine modernisierte Interpretation darstellt, sticht der „Gefährliche Liebschaften“-Film von 1988 besonders hervor: Darin begeben sich Keanu Reeves, John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer und Uma Thurman in ein prickelndes, raffiniertes Intrigenspiel. „Gefährliche Liebschaften“ ist heute, am 14. April 2025, ab 20.15 Uhr bei arte zu sehen. Alternativ findet ihr den mit prachtvollen Kostümen, blanker Haut und pikant-perfiden Gelüsten gespickten Klassiker als VoD bei Amazon Prime Video:

Darum geht es in "Gefährliche Liebschaften"

Frankreich zur Zeit des Ancien Régime: Marquise de Merteuil (Glenn Close) ist eine durchtriebene Aristokratin, die sich den Tag damit versüßt, andere Menschen zu triezen und ihre hohe gesellschaftliche Machtposition auszunutzen. Nun ist ihr ein neues, perfides Spielchen in den Sinn gekommen: Sie fordert ihren ehemaligen Geliebten, den freigeistigen Vicomte Sébastien de Valmont (John Malkovich) dazu auf, die junge Cécile de Volanges (Uma Thurman) zu verführen. Denn die wandelnde Unschuld ist die Tochter ihrer Cousine sowie die zukünftige Braut eines Verflossenen, den sie nunmehr verachtet.

Sollte es dem moralisch flexiblen Vicomte gelingen, noch vor ihrer Hochzeitsnacht mit Cécile zu schlafen, winkt ihm zur Belohnung eine gemeinsame Liebesnacht mit der Marquise. Eingangs weigert sich Valmont, dieses Spiel mitzuspielen – er ist nämlich völlig vernarrt in die tugendhafte Madame de Tourvel (Michelle Pfeiffer). Letztlich überlegt er es sich aber anders. Und so setzt sich ein ebenso pikantes wie gefährliches Ränkespiel in Gang, in das auch Céciles Harfenlehrer, der Chevalier Raphael Danceny (Keanu Reeves), verwickelt wird...

Eifersucht, Lust und viele Schauwerte

„Gefährliche Liebschaften“ ist nicht unumstritten. Uma Thurman beispielsweise kritisierte die Art und Weise, wie Regisseur Stephen Frears ihre Nacktszene inszenierte, weshalb sie rückblickend bereut, zugesagt zu haben. Allerdings genoss die Literaturverfilmung auch immense, positive Resonanz. So generierte sie sieben Oscar-Nominierungen – darunter in der Königskategorie „Bester Film“!

In sogleich drei Sparten ergatterte der Kostümfilm den begehrten Goldjungen: Christopher Hampton erhielt den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, zudem gab es Academy Awards für das Szenenbild und das Kostümdesign. Und so paradox es scheinen mag, sich in einem Film über sexuelle Begierde, erotisches Prickeln und runtergeschluckte romantische Sehnsucht auf die Kostüme zu fokussieren: Genau das solltet ihr unbedingt machen – und sei es bei einem Rewatch, solltet ihr bei eurer „Gefährliche Liebschaften“-Erstbegegnung völlig vom Reigen an Verrat, Selbstbetrug und Intermezzo eingenommen werden.

Denn nicht nur, dass Kostümbildner James Acheson die „Gefährliche Liebschaften“-Besetzung in famose, schmeichelhafte Gewänder hüllt – das sollte in diesem Genre schließlich das Mindeste sein. Nein, die Kleidung spricht auch wahrhaftige Bände über die bewussten Gedanken und potentiell unbewussten Befindlichkeiten der Figuren. Closes Rolle etwa wird direkt zu Filmbeginn verschnürt, als wäre sie ein Kriegerin, die sich für den Kampf rüstet, auf dass ja nichts bis zu ihrem Herzen durchdringt. Pfeiffers Madame de Tourvel ist dagegen zwar chic, aber zurückhaltender und zugänglicher gekleidet, was sowohl ihre bürgerliche Herkunft ausdrückt, als auch ihr Wesen unterstreicht.

Die von Thurman als plakativ kritisierte Nacktszene ausgenommen: Generell gelang es Frears, die Vorlage als formal virtuoses, mit Schauwerten nicht geizendes Drama der Eitelkeiten und Begehrlichkeiten umzusetzen. Und wenn ihr danach Lust auf vulgärere Ferkeleien habt, könnt ihr ja im Anschluss an „Gefährliche Liebschaften“ den folgenden Streaming-Tipp anschmeißen und euch ein völlig irres Double Feature gönnen:

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