Was macht einen richtig guten Western aus? Für mich sind es nicht nur möglichst aufregende und dynamische Schießereien oder Reitszenen, sondern auch eine gute Geschichte mit unvergesslichen Figuren im immer wieder aktuellen Ringen zwischen Gut und Böse – am liebsten mit moralisch ambivalenten Storypunkten, die das Ganze nicht einfach nur plump schwarz und weiß zeichnen. Obendrein muss es – und das ist mir in diesem Genre wirklich sehr wichtig! – epische Aufnahmen der weiten und damals noch ungezähmten Natur Nordamerikas geben. „Der Stern des Gesetzes“ von „Winchester ’73“-Regisseur Anthony Mann bietet all dies und ist für mich ein echter Klassiker.
„Der Stern des Gesetzes“ läuft am heutigen 16. Juni 2025 um 20.15 Uhr auf arte. Wiederholungen folgen am 17. und 22. Juni um 16.00 Uhr beziehungsweise 15.25 Uhr. Zudem steht der Film als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Alternativ ist der FSK-12-Titel als DVD und kostenpflichtiges Video-on-Demand zu haben:
Ein oscarreifer Henry Fonda
Der Hauptgrund dafür, dass „Der Stern des Gesetzes“ immer mehr in Vergessenheit zu geraten droht, dürfte darin begründet sein, dass es sich bei dem in 93 Minuten knackig und pointiert erzählten Werk von 1957 um einen Schwarzweißfilm handelt. Ich hoffe, ihr lasst euch davon nicht abschrecken, sondern genießt sogar die fantastischen Monochrombilder, die für eine visuelle Tiefe und Ästhetik sorgen, die von Farbaufnahmen selten bis gar nicht erreicht werden kann.
Die Hauptrollen spielen der spätere „Psycho“-Star Anthony Perkins in einem seiner frühen Auftritte und „Früchte des Zorns“- sowie „Die zwölf Geschworenen“-Legende Henry Fonda. Während ersterer als Identifikationsfigur für die Zusehenden ebenfalls einen exzellenten Job macht, ist es vor allem Fonda, der mit einer faszinierend vielschichtigen und emotionalen Performance begeistert.
Für seine Leistung hätte Fonda meiner Meinung nach allemal einen zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere längst überfälligen Oscar verdient gehabt. Die Akademie nominierte den Film allerdings ausschließlich für das sehr gute Drehbuch von Dudley Nichols („Ringo“, „Wem die Stunde schlägt“). Es sollte tatsächlich bis 1981 dauern, bis Fonda die Goldstatue für seinen letzten Kinoauftritt „Am goldenen See“ überreicht bekam. Wobei er im Jahr zuvor schon den Ehrenoscar für sein Lebenswerk erhalten hatte – wahrscheinlich, weil die Verantwortlichen realisierten, wie lächerlich bis peinlich es war, dass sie einen der größten Filmschauspieler aller Zeiten über Dekaden übergangen bis schlichtweg ignoriert hatten.
Doch es sind nicht nur die Schauspieler*innen, zu denen auch die viele Jahre später mit den „Freitag, der 13.“-Schockern zur Scream Queen avancierte Betsy Palmer und Wildwest-Veteran Lee Van Cleef („Für ein paar Dollar mehr“) zählen, wegen der ihr „Der Stern des Gesetzes“ einschalten solltet. Die Story hat viele Schattierungen und berührt auf kluge Weise Punkte wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, blinde Rachsucht, Mob-Mentalität und Konformismus, die auch in unserer heutigen Gesellschaft mehr als relevant sind.
Filmmusikliebhaber*innen dürfen sich zudem auf einen gefühlvollen und für die damalige Zeit erstaunlich unaufdringlichen Score von Elmer Bernstein („Wer die Nachtigall stört“) freuen. Seine Musik begleitet enorm effektiv die brillanten Bilder von Chef-Kameramann Loyal Griggs („Die zehn Gebote“), der wunderschöne Landschaften ebenso großartig und einfallsreich filmte wie die hitzigen Dialog- und Shootout-Szenen in der Stadt beziehungsweise auf den Ranches.
"Der Stern des Gesetzes": Das ist die Story
Der mittlerweile als Kopfgeldjäger arbeitende, ehemalige Gesetzeshüter Morgan Hickman (Henry Fonda) kommt in ein Präriestädtchen. Hier will er die Leiche eines gesuchten Verbrechers, den er erledigt hat, abliefern und seine Prämie kassieren. Dabei erfährt er, dass kürzlich der lokale Sheriff getötet wurde. Der neue Mann mit dem Stern ist dessen Sohn, Ben Owens (Anthony Perkins), den Hickman als reichlich unerfahren und naiv empfindet.
Während Hickman noch auf die Erledigung der Formalitäten für seine Auszahlung wartet, wird der Arzt der Stadt ermordet. Unter der Führung des großmäuligen Ranchers Bart Bogardus (Neville Brand aus „Stalag 17“) bildet sich ein Mob, der plant, die vermeintlichen Killer (Lee Van Cleef und Peter Baldwin) kurzerhand aufzuhängen. Owens will diese Art von Lynchjustiz nicht zulassen, scheint aber machtlos zu sein. Hickman beschließt, ihm mit Rat und notfalls auch Tat zur Seite zu stehen …
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