Freundschaft, Beziehungen, Sex und das Großstadt-Leben: Mit dem deutlichen Fokus auf diese Themen und vier interessanten Frauenfiguren in ihren 30ern schrieb die HBO-Serie „Sex And The City“ (1998-2004) vor über 20 Jahren Fernsehgeschichte. In diese kann man sich aktuell zum Beispiel im Abo von Sky und WOW vertiefen:
Interessanterweise bietet die auf dem gleichnamigen Buch von Candace Bushnell basierende Produktion auch heute noch reichlich Gesprächsstoff: Neue Generationen entdecken „Sex And The City“ und teilen ihre Meinungen munter auf TikTok, Insta und Youtube. Dabei finden sich überaus viele negative Ansichten zur Hauptfigur Carrie Bradshaw, was ihre Darstellerin Sarah Jessica Parker wiederum jüngst kritisch reflektierte.
Hass für Carrie, aber Publikumsliebe für mordende Männerfiguren
Im Zuge der Promotion für die dritte Staffel von „And Just Like That“, der Nachfolgeserie zu „Sex And The City“, führte Sarah Jessica Parker ein Gespräch mit der Huffington Post. Angesprochen auf die vielen online herumschwirrenden Negativ-Urteile zu Carrie Bradshaw, verteidigte sie ihre Hauptfigur: „Ich denke, dass Carrie im Grunde ein außerordentlich anständiger und guter Mensch ist – eine überaus hingebungsvolle Freundin, sie ist großzügig in ihrem Gemüt und ihrer Zeit, in allem, was sie zu bieten hat.“
Doch ebendas zweifeln viele der jungen Bradshaw-Kritikerinnen an, die auf Situationen in „Sex And The City“ verweisen, in denen sich Carrie als recht rücksichtslos, untreu und über ihre Verhältnisse lebend gezeigt hat.
Parker betonte im Gespräch die grundsätzliche Fehlbarkeit von Menschen und beklagte zudem einen Doppelstandard in der Rezeption von männlichen und weiblichen Hauptfiguren: „Eine männliche Hauptfigur in einer Serie kann ein Mörder sein und die Leute lieben ihn. Und wenn eine Frau eine Affäre hat oder sich schlecht benimmt oder ihr Geld unvernünftig ausgibt [...], gibt es eine Art strafende Reaktion darauf.“
Showtime
Unzählige Beispiele für mörderische Antihelden
Schaut man sich in der Serienlandschaft der vergangenen Jahrzehnte um, finden sich viele Belege für Sarah Jessica Parkers Verweis auf diesen Doppelstandard: Es gibt diverse Serien über betrügerische, gierige, brutale Protagonisten, die zudem so komplex geschrieben sind, dass sie das Publikum nachhaltig fesseln.
Man denke an Mafioso Tony Soprano aus „Die Sopranos“, den ‚gerechten‘ Serienmörder Dexter Morgan aus „Dexter“, jüngst den egomanischen Stalker Joe Goldberg aus „You - Du wirst mich lieben“ – selbst ein Kannibale wie Hannibal Lecter aus „Hannibal“ hat Publikumsherzen erobert!
Schmerzhaft offensichtlich werden die nach Frau und Mann unterscheidenden Figurenurteile auch innerhalb von Serien: So wurden dem vom Chemielehrer zum Drogenbaron aufsteigenden Walter White aus „Breaking Bad“ viele Fehler – wie die Herstellung einer verheerenden Droge, zunehmender Hochmut, überbordende Gewalt – verziehen, während seine Ehefrau Skyler vom (meist männlichen) Publikum als unsympathisch da „nörglerisch“ eingestuft wurde.
Durch Kontext entschuldbar?
Zurück zu Carrie Bradshaw: Es ließe sich natürlich entgegnen, dass „Sex And The City“ nun mal keine Serie war, in der Gewalt und Verbrechen eine Rolle spielten und man Figuren eben innerhalb des Kontexts ihrer Welt beurteilt. So liegt es bei „Sex And The City“ nahe, Carrie in Bezug auf ihr Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen zu betrachten und daraus Schlüsse zu ziehen.
BBC America
Zugleich fehlen aber zum Direktvergleich auch Beispiele für Serien, die Protagonistinnen mit den gleichen brutalen (und komplexen) Ausmaßen wie Dexter und Konsorten zu bieten haben. In jüngerer Zeit wäre da lediglich die von Jodie Comer gespielte Eve Polastri aus „Killing Eve“ zu nennen.
Braucht es also mehr fragwürdige Antiheldinnen in der Serienlandschaft? Darüber lässt sich reflektieren, genauso wie über den Satz, mit dem Sarah Jessica Parker das Gespräch mit der Huffington Post schloss: „Ich finde es einfach interessant, wie wir über Frauen urteilen, aber nicht über Männer.“
Wer sich nach komplexen Frauenfiguren auch im Kino sehnt, könnte sich über diese Biopic-News freuen:
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