"Da kann Christopher Nolan mir an die Füße fassen": Wir sprechen mit Moritz Bleibtreu & Lucas Gregorowicz über "Call My Agent: Berlin"
Chantal Neumann
Chantal Neumann
-Redakteurin
Ob stilles Schmunzeln, leises Kichern oder lautes Lachen – Chantal ist ein echter Komödien-Fan. Von „Die nackte Kanone“ bis hin zu „Der Schuh des Manitu“ hat sie so ziemlich alles gesehen. „Fack ju Göhte“ hat sie allerdings traumatisiert: Zu oft sagte man ihr „Heul’ leise“.

Nach ihrem Erfolg mit der Kult-Komödie „Lammbock“ und deren Fortsetzung „Lommbock“ spielen Lucas Gregorowicz und Moritz Bleibtreu nun auch in „Call My Agent: Berlin“ zusammen. Mit FILMSTARTS sprachen die Stars über die Arbeit an der Disney+-Serie.

Die neue Disney+-Serie „Call My Agent: Berlin“ wirft einen spannenden Blick hinter die Kulissen der fiktiven Schauspielagentur Stern – ein Ort, an dem Stars, Egos und Intrigen untrennbar miteinander verbunden sind. Nach dem plötzlichen Tod des Gründers Richard Stern steht die einst so erfolgreiche Agentur kurz vor dem Untergang. Pleitegefahr, nervöse Stars und der Druck, neue Talente zu gewinnen, stellen das Team vor eine große Herausforderung.

Einer der Agenten ist Gabor, gespielt von Lucas Gregorowicz. Zu seinen Klienten gehört unter anderem Moritz Bleibtreu, der sich in der Serie selbst spielt. FILMSTARTS-Redakteurin Chantal Neumann hat die beiden in Berlin zum Interview getroffen.

Im Gespräch verraten Gregorowicz und Bleibtreu, wie viel Wahrheit tatsächlich in der Darstellung des manchmal chaotischen Arbeitsalltags zwischen Schauspieler*innen und Agent*innen steckt. Außerdem sprechen sie darüber, ob sie sich für eine Rolle in einem Christopher-Nolan-Film Botox spritzen lassen würden – und nutzen die Gelegenheit, um ganz nebenbei Pläne für „Lammbock 3“, die mögliche Fortsetzung ihrer kultigen Kiffer-Komödie von 2001, zu schmieden...

FILMSTARTS-Redakteurin Chantal Neumann hat Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz zu Webedia
FILMSTARTS-Redakteurin Chantal Neumann hat Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz zu "Call My Agent: Berlin" befragt.

FILMSTARTS: Stellt euch vor, die Agentur Stern würde wirklich existieren. Würdet ihr euch beide da unter Vertrag nehmen lassen? Oder würdet ihr lieber einen Bogen drum machen?

Lucas Gregorowicz: Also, Moritz braucht ja keinen Agenten mehr. Der macht das allein. Wer ihn sucht, der findet ihn. (lacht) Doch, ich würde auf jeden Fall... Das ist eine sehr gute Agentur. Das ist eine Top-Agentur. Die haben Stil, die haben Fingerspitzengefühl, die haben gute Leute, das sind die Besten der Besten.

Moritz Bleibtreu: Ich würde die sofort nehmen. Wenn es in Deutschland eine Agentur gäbe, deren Eingangsbereich so aussieht wie in der Serie, ich wäre sofort der Erste, der da unterschreibt – für die nächsten 100 Jahre.

FILMSTARTS: Lucas, wenn du tatsächlich einen Tag lang Agent wärst, wen würdest du sofort unter Vertrag nehmen?

Lucas Gregorowicz: Moritz Bleibtreu, Iris Berben. Nur die beiden. Nein, noch ein paar andere. Also, ich würde sicher die Besten der Besten aussuchen. Aber Chemie ist auch wichtig. Das hat ja weniger damit zu tun, wer so gut ist, sondern man muss sich gut verstehen. Man muss sich auch vertrauen können. Also, dann doch nur Iris Berben, eigentlich. (lacht)

Iris Berben und Disney+
Iris Berben und "ihr Agent" Lucas Gregorowicz aka Gabor

FILMSTARTS: Moritz, in der Serie wirst du regelrecht dazu gedrängt, dich für einen neuen Christopher-Nolan-Film einer Verjüngungskur zu unterziehen – inklusive Botox. Dort wird das sogar als eine Art Method Acting bezeichnet. Hand aufs Herz: Würdest du dir für einen Film von Christopher Nolan tatsächlich Botox spritzen lassen?

Moritz Bleibtreu: Ob ich mir für Christopher Nolan Botox spritzen lassen würde? Da kann Christopher Nolan mir an die Füße fassen. Nee, das glaube ich nicht. Das ist aber auch ein bisschen farfetched. Erstens glaube ich, dass jemand wie Nolan der letzte Regisseur wäre, der von seinen Schauspielern verlangen würde, dass man sich Botox spritzt. Da muss man sagen, sind die Männer aber auch echt viel, viel geschützter. Bei Frauen kenne ich das häufig: „Bist du sicher, dass du jetzt das Ding dann auch essen willst?“ oder so ähnlich. Ich habe so etwas zum Glück nie erlebt.

Lucas Gregorowicz: Jetzt, wo du mich fragst, ich schon. (lacht)

FILMSTARTS: Und die nächste Frage habe ich eigentlich aufgeschrieben, weil sie super klingt: Moritz Bleibtreu, wie hast du dich auf die Rolle des Moritz Bleibtreu vorbereitet?

Moritz Bleibtreu: Das klingt richtig gut. Ich habe auch eine richtig gute Antwort darauf, pass auf. Man würde ja denken, dass die Arbeit an einer Figur viel schwerer ist, als sich selber zu spielen. Das Problem ist nur, um sich selbst wahrhaftig zu spielen, braucht es extrem viel Vorbereitung. Ich musste in die dunklen Abgründe meiner Seele hinabsteigen, mich selbst konfrontieren. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Und das hat mich stark durcheinander gebracht. Ich muss sagen, ich habe die sechs, vier – wie lang war es? – drei Monate der Produktion unter starken Depressionen gelitten. Sicherlich eine der schwersten Rollen, die ich jemals gespielt habe. Die Therapie ist jetzt gerade wieder vorbei. Es geht mir mittlerweile besser. (lacht)

Lucas Gregorowicz: Oh Gott, wir wollten ernst bleiben. Du bist ernst? Entschuldigung.

Moritz Bleibtreu: Hallo? Jetzt beantworte du die Frage. Wie ist es, Lucas Gregorowicz zu spielen? Ach nee, du hast dich gar nicht selber gespielt, Entschuldigung.

Lucas Gregorowicz: Jetzt mal wirklich ernst. Lustig ist es ja nur, wenn die Stars, die sich selbst spielen, etwas zur Verfügung stellen, was wahr sein könnte. Wo man sich vorstellen kann, das könnte wahr sein. Das ist wirklich mutig. Ich bin froh, dass ich den Schutz der Rolle hatte. Weil das zur Verfügung zu stellen...

Moritz Bleibtreu: Du suggerierst jetzt, dass ich tatsächlich ein Problem damit habe, dass ich alt und faltig bin, richtig? Und dass ich den großen Mut besitze, mich darüber lustig zu machen.

Lucas Gregorowicz: Ja, weil du Humor hast und über dich selbst lachen kannst. Nein, weil du einfach weißt, dass du gut aussiehst. Du hast ja genug Selbstbewusstsein.

"Call My Agent: Berlin" hat einen wahren Kern

FILMSTARTS: Wie authentisch bildet die Serie das ab, was wirklich hinter den Kulissen passiert?

Lucas Gregorowicz: Es ist keine Doku. Es ist schon sehr überspitzt. Es sieht keine Agentur in Deutschland so aus. Und auch die Eigenheiten der Stars sind sehr überzogen. Also es hat alles einen Kern. Aber es ist alles schon sehr, sehr übertrieben. Und trotzdem ist es wie so ein Märchen erzählt. Da es alles überzogen ist, überhöht ist, hat man ja trotzdem sowas wie einen Mäuschen-Effekt, einen Schlüsselloch-Effekt, dass man ein bisschen in diese Bubble reingucken kann: Wie die Dynamik ist, was Agenten überhaupt machen, Agentinnen überhaupt machen, was der Job überhaupt ist. Und da gibt es das Film-im-Film-Moment, was das Besondere ist, finde ich. Dass sich das sozusagen vermischt, die Realität, und trotzdem bleibt es ein Märchen, ein Drama und eine große Komödie. Aber den wahren Kern gibt’s schon.

Moritz Bleibtreu: Ja, genau. Im Kern sind die Konflikte real. Zum Beispiel, die Urangst eines jeden Schauspielers, nicht mehr besetzt zu werden. Ob er jetzt zu klein, zu groß, zu dunkel, zu blond, was auch immer ist. Aber das ist eine Urangst. Und davon geht alles aus.

Lucas Gregorowicz: Das vereint uns, glaube ich, alle. Dass wir vielleicht nicht mehr besetzt werden, nicht mehr gewollt werden. Oder dass unsere Zeit vorbei ist. Oder wie sich sozusagen die Rollen auch der eigenen Entwicklung, dem Alter anpassen. Also ich glaube, das vereint uns alle. Und darauf baut diese ganze Serie. Und jeder geht anders damit um. Jeder und jede.

Das ganze Interview könnt ihr übrigens auch hier schauen:

FILMSTARTS: Die Serie blendet ja eigentlich völlig aus, dass ihr beide ja schon öfter zusammengespielt habt. Wie war es denn in diesem ganz anderen Setting miteinander?

Lucas Gregorowicz: Das Team hatte mehr Spaß an uns als der jeweilige Regisseur, der das dann inszenieren musste. Weil das irgendwie nicht zu stoppen ist. So sehr wir das wollen. Wir wollen ernst sein.

Moritz Bleibtreu: Das ist irgendwie drin. Das ist ganz schlimm.

Lucas Gregorowicz: Aber es ist auch toll. Das ist natürlich die Qualität von „Lammbock“ gewesen damals. Und Moritz hat ja als Regisseur einen Film gemacht. Einen sehr guten Film. Der Film heißt „Cortex“. Und ich war angedacht für eine Rolle. Und da hat Moritz aber gesagt, das kann ich nicht mit dir machen. Geht einfach nicht. Und hat mich wieder umbesetzt. So einfach ist das, wenn man in der Machtposition ist.

Moritz Bleibtreu: Das trägst du mir bis heute nach, ne?

Lucas Gregorowicz: Das hat damals wehgetan. Das hat schon wehgetan.

FILMSTARTS: Heißt das, dass eure gemeinsame Vergangenheit mit „Lammbock“ und „Lommbock“ euer Zusammenspiel jetzt erschwert hat?

Moritz Bleibtreu: Für das Team auf jeden Fall. Das ist ja nur die ersten zehn Minuten lustig, weißt du? Die ersten zehn Minuten so „Haha“. Nach Take 7 dann irgendwann so: „Jetzt ist dann auch Mittag in einer Stunde. Können wir dann jetzt, war lustig.“

Lucas Gregorowicz: Wir können noch nicht mal ein ernsthaftes Interview geben.

Moritz Bleibtreu: Null. Auch wie er da so vor mir stand an diesem Set und ich dachte mir so: „Du bist jetzt ein Agent oder was?“ Voll unrealistisch. Völlig fehlbesetzt. (lacht)

Lucas Gregorowicz: So, und dann halte es bitte mal aufrecht, diese Autorität, die ich haben muss. Kommt Moritz ans Set und das ganze Kartenhaus stürzt in sich zusammen. Dann muss der Regisseur das mühsam mit viel diplomatischem Geschick wieder zusammen tun. Aber das ist wirklich eine sehr spezielle Energie zwischen uns beiden. „Lammbock 3“ wäre schon... Es wäre Potenzial auf jeden Fall da.

Moritz Bleibtreu: „Lammbock“, die Serie.

Lucas Gregorowicz: Ja, Stefan und Kai in der Zeitmaschine. Das wäre gut. Kiffen mit Jesus. Also kurze Folgen, kurze 20-Minuten-Folgen.

Moritz Bleibtreu: Habt ihr zugehört? Amazon, alle, die ihr da seid?

Lucas Gregorowicz: Aber wär teuer. Also wir wären teuer.

Moritz Bleibtreu: Wollt ich gerade sagen, wir. Der Rest nicht so.

Lucas Gregorowicz: Wir würden gut verhandeln als gute Agenten.

Moritz Bleibtreu: Du brauchst ein bisschen Weed, unsere Gage und einen Raum.

Lucas Gregorowicz: Pizzaofen, fertig.

FILMSARTS: Dankeschön.

Lucas Gregorowicz & Moritz Bleibtreu: Danke.

Übrigens: Welche Highlights euch im September 2025 neben „Call My Agent: Berlin“ noch bei Disney+ erwarten, erfahrt ihr in unserer Monats-Übersicht.

Neu auf Disney+ im September 2025: Ein Sci-Fi Mega-Hit, die 5. Staffel einer der besten Serien der letzten Jahre und mehr

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