Der Star, der Held und die tragische Figur des 2023 für den Fremdsprachenoscar nominierten und in Cannes mit dem Jury-Preis ausgezeichnete „EO“ ist ein gemeiner Esel. Von wegen störrisch und bockig – der Vierbeiner bezaubert mit seinen treuen Augen und dem Stoizismus, den er angesichts seiner sehr wechselhaften Erlebnisse mit Menschen an den Tag legt.
„EO“ läuft am heutigen 6. Oktober 2025 um 23.10 Uhr auf arte. Eine Wiederholung gibt es nicht, aber dafür steht der Film aktuell als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Alternativ ist der FSK-12-Titel auch als Blu-ray* oder für ein paar Euros als Video-on-Demand zu haben:
Experimentell und doch emotional
Wenn ihr etwas Geduld und Ruhe mitbringt, werdet ihr es sicher schaffen, euch auf „EO“ einzulassen. Das mag nicht ganz einfach wirken, weil der zum Zeitpunkt des Drehs bereits 84-jährige polnische Regisseur Jerzy Skolimowski („Essential Killing“) einiges von seinem Publikum verlangt. Es wird kaum geredet und wir sollen uns in die Gedankenwelt eines Esels einfühlen, dem auf seiner langen Odyssee teilweise unglaubliche Dinge widerfahren.
Doch dafür belohnt der Filmemacher uns mit den wunderbaren, teils herrlich surreal anmutenden Bildern seines Kameramanns Michał Dymek („Das Mädchen mit der Nadel“) und mit einer Flut an Gefühlen. Ja, das Ende von „EO“ könnte euch schluchzend in die Nacht entlassen, aber dieses Risiko einzugehen, kann sich durchaus lohnen.
„EO“ ist eine Hommage an und zugleich eine Neuinterpretation von „Zum Beispiel Balthasar“, einem ebenfalls tief bewegenden Streifen mit Esel von Minimalismus-Meister Robert Bresson aus dem Jahre 1966. 2017 wurde „Zum Beispiel Balthasar“ von einer aus 8.797 professionellen Kritikern bestehenden Jury unter die „100 besten Filme aller Zeiten“ gewählt.
Was „EO“ dem Vorbild voraus hat, ist der effektive Einsatz von (vornehmlich roter!) Farbe und ein Auftritt des französischen Topstars Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“). Die Diva stiehlt dem Titelhelden mit ihrem deutlich expressiveren Spiel zwischendurch fast die Show – aber doch nur fast.
Wer Lust auf ein leicht experimentelles Filmerlebnis und auch keine Angst vor großen Emotionen hat, sollte „EO“ eine Chance geben. Vergessen werdet ihr den Streifen und seinen Titelhelden danach ganz bestimmt nicht wieder.
"EO": Das ist die Story
Für einen Esel führt EO ein vergleichsweise gutes Leben. Er „arbeitet“ in einem kleinen Wanderzirkus und wird von seiner Manegenpartnerin Kasandra (Sandra Drzymalska) geliebt, gepflegt und immer wieder mit köstlichen Karotten versorgt. Doch das Glück des grauen Gesellen ist leider nicht von Dauer. Eine Gruppe von Tierschützern, die es eigentlich gut meint, erreicht das Gegenteil, als sie das Familienunternehmen dazu zwingt, seine Tiere zu verkaufen.
Von dort an beginnt ein langer Leidensweg für EO. Mal muss er als Packtier schuften, mal droht er, zu Hundefutter verarbeitet zu werden. Als er zum Maskottchen einer Fußballmannschaft avanciert, ist das eigentlich ein guter Job. Doch dann wird er von gegnerischen Hooligans verprügelt. Kurz vor seinem Ende findet er noch Erfüllung als Streicheltier für an Trisomie 21 leidende Kinder. Von seiner Zeit mit Kasandra zu träumen, hört er allerdings nie auf…
Einen weiteren, ebenfalls ziemlich „anderen“ Film mit einem vierbeinigen Protagonisten stellen wir euch im folgenden Artikel vor:
Der wohl ungewöhnlichste Horrorschocker des Jahres ist auch einer der besten: Neuer Trailer zu "Good Boy"*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.