So anders war die "verlorene" erste Episode von "Stranger Things", die nie ihren Weg zu Netflix fand
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Filme gehen für ihn fast immer vor Serien. Doch es gibt Ausnahmen: In den letzten 10 Jahren hat er wenig Besseres gesehen als David Lynchs "Twin Peaks"-Revival – und nach dem Motto "Besser spät als nie" wühlt er sich gerade durch sämtliche "Friends"-Staffeln.

Bevor „Stranger Things“ vor neun Jahren an den Start ging, sollte die Serie „Montauk“ heißen – und auch sonst war im ersten Entwurf einiges völlig anders! Hier erfahrt ihr, wie sich der Netflix-Hit im Laufe seiner Entwicklung verändert hat.

Netflix

Endlich! „Stranger Things“, das von den Brüdern Matt und Ross Duffer geschaffene Serien-Phänomen, steht rund neun Jahre nach dem Start kurz vor der Veröffentlichung seiner fünften und letzten Staffel. Ab Donnerstag, dem 27. November 2025 kann das lang erwartete Finale des Sci-Fi-Hits auf Netflix bewundert werden.

Der vor allem von Stephen-King-Romanen und Steven-Spielberg-Hits aus den 1980er-Jahren inspirierte Streaming-Erfolg rund um die Erlebnisse von Mike, Eleven und ihren Freunden in der Kleinstadt Hawkins ist längst zum modernen Klassiker geworden. Doch wäre alles genauso gekommen, hätte sich die ursprüngliche Version der Serie durchgesetzt, die den Titel „Montauk“ tragen sollte und zu deren nie realisierter Pilotepisode ein 20-seitiges Skript existiert?

Stranger Things
Stranger Things
Starttermin 2016-07-15
Serie: Stranger Things
Mit Winona Ryder, David Harbour, Millie Bobby Brown
User-Wertung
4,4
Im Stream

Nach Angaben der Duffer-Brüder unterschied sich die erste Fassung von „Stranger Things“ nämlich stark von dem, was ab 2016 über Millionen von Bildschirmen flimmerte. Zwar geht es dabei oft nur um kleine Details, doch diese hätten den Verlauf der Geschichte und das Schicksal wichtiger Figuren entscheidend verändern können. Falls ihr die Serie bisher noch nicht komplett gesehen habt: Achtung, es folgen Spoiler!

Fanliebling Barb war eine unausstehliche Figur

Wie wir wissen, starb Barb (Shannon Purser) auf tragische Weise in einem Pool, nachdem sie ihre Freundin Nancy (Natalia Dyer) zu einer Party begleitet hatte. Obwohl ihr Auftritt kurz war, wurde sie wegen ihres trockenen Humors sowie ihrer bodenständigen, liebenswert unbeholfenen Art schnell zu einem absoluten Fanliebling

Auch im ursprünglichen, letztendlich nicht umgesetzten Piloten kam Barbara vor – doch dort war sie so unausstehlich, dass ihr frühes Ausscheiden eher einer Erleichterung gleichgekommen wäre. Tatsächlich wurde ihr Verschwinden in der Schule sogar gefeiert, da sie aufgrund ihres Charakters bei allen verhasst war. Wäre dies beibehalten worden, hätte es Hashtag-Initiativen wie #JusticeForBarb, die sich für ein in den Augen vieler Fans angemesseneres Ende für die Figur einsetzten, mit Sicherheit nie gegeben!

"Stranger Things" sollte ganz woanders spielen

Der Name „Montauk“ war übrigens nicht nur der Arbeitstitel der Serie (warum genau, erfahrt ihr in diesem Artikel), sondern sollte ursprünglich auch der Handlungsort sein. Somit hätte „Stranger Things“ nicht in Hawkins, Indiana gespielt, sondern an der Ostspitze von Long Island, New York, nahe dem Atlantischen Ozean. Der Strand sollte auch ein wichtiger Schauplatz werden, den die Charaktere regelmäßig aufsuchen.

Will Byers (Noah Schnapp) wäre so auf dem Sand und im Wasser vor dem Demogorgon geflohen, und auch das Portal zur „anderen Seite“ sollte sich am Strand befinden. Dies hätte manch spätere Szene deutlich komplizierter gemacht, weshalb das Drehbuch geändert und die Szenerie in den Wald verlegt wurde.

Eine weitere Abweichung: Das Hawkins National Laboratory – jene geheime Forschungseinrichtung, in der Eleven/Elf (Millie Bobby Brown) gefangen gehalten und das Portal zur Schattenwelt geöffnet wird – existierte noch gar nicht. Stattdessen gab es das „Camp Hero“ – eine Regierungsanlage aus der Zeit des Kalten Krieges, in der laut einer populären Verschwörungstheorie u.a. mit Gedankenkontrolle experimentiert wurde. Dies hätte der Serie einen politischen Kontext gegeben und sie in historische Situationen eingebettet.

Elfi: Andere Kräfte, andere Vaterfigur

Die Kräfte von Elf sind bekanntlich immens – so kann sie etwa Gegenstände mit Gedanken bewegen, Türen öffnen und auf übernatürliche Weise die Welt um sich herum beeinflussen. Doch ursprünglich hatte sie die Gabe, in die Vergangenheit von Menschen zu sehen – und es war geplant, dass sie im Laufe der Serie auf Kinder mit ähnlichen Fähigkeiten stößt.

Auch eine weitere Änderung betrifft die „Elfi“ genannte Heldin: So sollte die Beziehung zwischen ihr und Benny Hammond (Chris Sullivan), der ihr kurzzeitig Unterschlupf gewährt, eine viel größere Rolle spielen, und Elf wäre mithilfe ihrer Superkraft tief in die Vergangenheit des Restaurantbesitzers eingetaucht. Benny hätte in dieser Version die Funktion eines Ersatzvaters übernommen – eine Idee, die zwar zunächst verworfen, später aber wieder aufgegriffen wurde, nur dass nun Polizist und Adoptivvater Jim Hopper (David Harbour) diesen Part übernahm.

"Ich würde liebend gerne sterben": "Stranger Things"-Star wünscht sich den Serientod – kommt es in Staffel 5 jetzt dazu?

Dann ist da noch Mike (Finn Wolfhard), der eine große Geburtsnarbe auf seiner linken Wange haben sollte, womit er den Spott zahlreicher Mitschüler*innen auf sich gezogen hätte. Lucas (Caleb McLaughlin) wiederum sollte sich platonisch in Nancy verlieben, anstelle von Dustin (Gaten Matarazzo). Selbst die Szene, in der Dustin Nancy in ihrem Zimmer beobachtet, war ursprünglich für Lucas gedacht. Die Änderungen traten erst in Kraft, nachdem die jeweiligen Schauspieler ausgewählt wurden.

Zu guter Letzt war Steve Harrington (Joe Kerry) laut der ersten Drehbuchfassung ein verabscheuungswürdiger Egoist, der Nancy nach Strich und Faden manipuliert, um sie für sich zu gewinnen. Seine negativen Eigenschaften waren dabei so sehr im Vordergrund, dass eine Wandlung, wie wir sie schlussendlich in der finalen Serie erleben, unmöglich gewesen wäre. Ach ja: Die berühmte Poolparty bei ihm zu Hause sollte eigentlich am Strand stattfinden – ganz in der Nähe des Portals zur anderen Welt.

Auch Staffel 4 sollte übrigens eigentlich ganz anders enden – mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:

Alternatives "Stranger Things"-Ende: Im Finale zu Staffel 4 wäre fast noch eine weitere wichtige Figur gestorben

Ein ähnlicher Artikel ist zuvor auf unserer Schwesternseite SensaCine México erschienen.

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