Der Däne Lars von Trier zählt zu den großen europäischen Filmemachern der vergangenen 30 Jahre – aber auch zu den umstrittensten. Heftig diskutierte Filme wie „Dancer In the Dark“, „Antichrist“ oder „Nymphomaniac“ behandeln sexuelle Tabus, psychische Grenzerfahrungen, Schuld, Sünde und die Abgründe der menschlichen Seele. Schlagzeilen macht von Trier in den vergangenen Jahren aber vor allem mit seinem gesundheitlichen Zustand. 2022 wurde bekannt, dass der 68-Jährige an Parkinson erkrankt ist – und seit einiger Zeit in einem Parkinson-Pflegezentrum lebt.
Vor mittlerweile sieben Jahren veröffentlichte er seinen bislang letzten Kinofilm („The House That Jack Built“). Vier Jahre später feierte Exodus“, die dritte und letzte Staffel seiner Horror-Miniserie „Geister“, Premiere. Seitdem gab es keine neuen Veröffentlichungen des legendären Skandalfilmers. Doch Fans dürfen weiterhin auf neue Werke hoffen. Angeblich arbeitet von Trier nämlich weiter an der Realisierung seines vorgeblich letzten Films „After“ – und an einer epischen Serie, die unsere Seherfahrungen sprengen könnte!
"Eine Enzyklopädie für die Leinwand"
Louise Vesth, eine Produzentin seiner Produktionsfirma Zentropa, teilte diese Information beim Lecce-Filmfestival, auf dem von Trier für sein Lebenswerk geehrt wurde. Das ambitionierte, noch ganz am Anfang stehende und damit noch unbetitelte Projekt könnte jenes sein, über das von-Trier-Stammschauspieler Stellan Skarsgård bereits vor einigen Wochen brisante Details verriet. So berichtete er in einem Interview von einem möglichen experimentellen Werk, inspiriert von Chris Markers Experimental-Science-Fiction-Klassiker „La Jetée“ (deutscher Titel: „Am Rande des Rollfelds“).
Vesth (via World Of Reel) sagte dazu: „Wir denken über ein monumentales Projekt nach. Lars möchte seinem Publikum all das Wissen und die Perspektiven zugänglich machen, die er im Laufe seiner Arbeit selbst erfahren hat.“
Monumental trifft es gut, denn die Rede ist von einer Serie, die nicht weniger als 100 Episoden umfassen könnte. Doch damit nicht genug: Aufnahmen aus von Triers reichhaltigem Filmarchiv könnten mit intimen Reflexionen des Meister-Regisseurs und komplexen Analysen eine womöglich selten zuvor gesehene Mixtur eingehen. Das alles klingt nach einem intensiven Eintauchen in von Triers (künstlerische) Gedankenwelt und Filmsprache. Der Produzentin zufolge entstünde so ein Gesamtwerk, das seine „Methoden, Referenzen und Obsessionen zusammenfasst und zugänglich macht.“ Vesth: „Eine Art Enzyklopädie für die Leinwand“.
Lars von Trier"Er arbeitet an dem Film"
Und dann gibt es da ja noch „After“. Jener Film, an dem von Trier bereits seit längerem arbeitet. Er hat bereits eine Förderung vom Dänischen Filminstitut in Höhe von 175.000 Euro sicher, der Dreh sollte bereits im Sommer 2025 starten. Worum es in „After“ geht, ist allerdings geheim. Auch, wer darin mitspielen soll. Sicher ist nur, dass dem Werk ein eigenes Drehbuch des gesundheitlich stark beeinträchtigten Regisseurs zu Grunde liegt. Laut Vesth arbeite der Filmemacher aktuell – und trotz seiner Erkrankung – regelmäßig weiter an dem Film, der offiziell als sein Abschiedswerk beschrieben wird.
„Ich habe ihn letzte Woche getroffen und trotz der Umstände war er sehr gut gelaunt. Er arbeitet nicht mehr den ganzen Tag, wie er es früher getan hat. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass er mit der Weiterentwicklung des Projekts beschäftigt ist“, erklärte sie. Eine Äußerung, die Film- und gerade von-Trier-Fans auf jeden Fall freuen dürfte.
Ein langjähriger Weggefährte des Regisseurs war der Schauspieler Udo Kier, der in von Triers „Geister“-Serie und im preisgekrönten Musical-Melodram „Dancer in the Dark“ mitwirkte. Vor wenigen Tagen ist der Schauspieler, der für seine eisblauen Augen und skurrilen Nebenfiguren bekannt war, im Alter von 81 Jahren verstorben:
Eine Hollywood-Legende ist von uns gegangen: Udo Kier im Alter von 81 Jahren gestorben