Provinz-Idylle oder Großstadt-Chaos? Auf Netflix ist am 26. Februar 2026 mit „Kacken an der Havel“ die wahrscheinlich schon jetzt abgedrehteste Comedy-Produktion des Jahres gestartet, bei der man sich wirklich nie ganz sicher sein kann, welcher Wahnwitz als nächstes passiert. Verantwortlich hierfür zeichnen sich Alex („Aus meiner Haut“) und Dimitrij Schaad („Kleo“). Das Brüder-Duo konnte mit dem Rapper Fatoni (bürgerlich: Anton Schneider) dazu einen namhaften Musiker für ihr Projekt gewinnen, der jetzt erstmals die Hauptrolle in einer Serie übernommen hat.
FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hatte die Möglichkeit, Fatoni in Berlin für ein Interview zu treffen - und mit ihm einige Themen durchzugehen, die ihm nach der Serie nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten. Wie schmeckt eigentlich Schokorührei? War der Tag mit den Hundewelpen der schönste Moment am Set von „Kacken an der Havel“? Und wann kommt das Kollabo-Album mit Pipo Pizzaboy? Doch zuallererst wollten wir wissen, wann Fatoni denn endlich zum Ober-Kommissar im „Tatort“ wird - schließlich warten seine Fans auf die Einlösung dieses Versprechens schon seit vielen Jahren.
Privat
FILMSTARTS: Leute, die deine Musik kennen, haben natürlich seit Jahren eine Frage: Wann wirst du endlich „Tatort“-Kommissar?
Fatoni: (lacht) Ich habe 2015 gerappt, dass ich in zehn Jahren „Tatort“-Kommissar werde. Das habe ich jetzt nicht geschafft, aber knapp zehn Jahre später habe ich meine eigene Netflix-Serie. Und das finde ich eigentlich fast cooler. Es ist aber auf jeden Fall ein guter Plan fürs Alter – vielleicht ermittle ich dann so mit Anfang 50 im „Tatort“.
FILMSTARTS: Der erste rappende „Tatort“-Kommissar. Das wäre schon stark.
Fatoni: Klingt auch cringe, aber für Geld mache ich alles. (lacht)
FILMSTARTS: Wie kam der Kontakt mit Alex und Dimitri Schaad zustande?
Fatoni: Es klingt erst mal unromantisch, aber ich habe 2020 von Dimi eine Mail bekommen, in der er mir geschrieben hatte, dass sein Bruder und er gerne an einem Projekt mit mir arbeiten würden. Wir haben alle Drei in München studiert: Dimi Schauspielerei, ich ebenfalls – aber an einer anderen Schauspielschule und Alex Filmregie. Wir haben viele gemeinsame Bekannte aus der Zeit, aber wir sind uns nie begegnet.
Im Anschluss an die Anfrage haben wir uns kurz getroffen und gecheckt, ob der Vibe stimmt. Dann hat es ein paar Jahre gedauert und jetzt sitze ich hier. Und tatsächlich habe ich auf so eine Chance gewartet. Ich war nicht gefrustet, fand es aber immer etwas schade, dass die Schauspielkarriere so viel kleiner war als die Musikkarriere und dass ich diese beiden Welten nicht miteinander verbinden konnte. Aber jetzt hat sich ja doch noch eine Möglichkeit ergeben.
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FILMSTARTS: Wo habt ihr gedreht? Welche Stadt bekommt denn jetzt den offiziellen Titel „Kacken an der Havel“?
Fatoni: Wir haben den größten Teil in Polen gedreht. In einem kleinen Ort, der zu Kacken an der Havel verwandelt wurde. Und in Brandenburg – unter anderem in Kremen. Die anderen Orte kann ich dir gar nicht mehr genau benennen. Als Schauspieler wurde ich morgens immer sehr früh abgeholt und irgendwo hingefahren. Ich habe aufgehört zu denken, ich habe aufgehört, mich zu bewegen. Es war eine schreckliche Zeit, aber auch sehr schön.
FILMSTARTS: Toni verfolgt ein gigantisches Ziel im Leben. Obwohl er eigentlich nicht mehr in dem Alter ist, wo man als Rapper noch groß durchstartet, jagt er diesem Traum noch immer hinterher. Würdest du sagen, dass es ein zeitliches Limit für die Erfüllung von Jugendträumen gibt?
Fatoni: Ich finde es schwierig, das pauschal zu beantworten. Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich, dass das noch klappt mit Ende 30. Aber selbst das ist schon passiert – auch in Deutschland. Trettmann war schon über 40 bei seinem großen Durchbruch und hat sein Leben lang davor Musik gemacht. Es kann immer passieren. Ich glaube, wichtig ist, dass man nicht gefrustet ist. Denn das Frustpotenzial ist auf jeden Fall da, wenn man seinem Traum hinterherrennt und es einfach nicht klappt. Ich glaube, man muss sich irgendwie ein entspanntes Leben einrichten, wenn das irgendwie in der eigenen Macht liegt – und vielleicht klappt es doch irgendwann.
FILMSTARTS: Lass uns zu deiner Musik kommen, die du für die Serie geschrieben hast. Wie viele Songs hast du für „Kacken an der Havel“ produziert?
Fatoni: Es sind acht oder neun Songs. Die kommen nur teilweise in der Show sehr kurz vor. Beispielsweise ganz am Anfang, wenn ich da rappe. Die werden als Soundtrack zur Serie herausgebracht und können dann bei allen Streaminganbietern abgerufen werden. Eigentlich ist es ein kleines Mini-Album.
FILMSTARTS: Hast du denn beim Schreiben der Texte kreative Freiheit genossen oder gab es Richtlinien, an die du dich halten musstest?
Fatoni: Eigentlich gab es keine Richtlinien. Es gab nicht einen Vorschlag von mir, der abgelehnt wurde. Auf die Idee zum Bussard-Song sind wir beispielsweise gemeinsam gekommen. Den Song habe ich dann so geschrieben wie einen Fatoni-Track. Das sind ja zu 90 Prozent Fatoni-Songs, auch wenn die natürlich in diesem Serien-Universum funktionieren müssen.
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FILMSTARTS: Ich hätte ehrlich gesagt gerne noch mehr Songs gehört – und die auch in voller Länge. Die sind ja schon irgendwie das Highlight der Serie. Konntest du denn deine eigene Erfahrung als Musiker mit in den Kreativprozess einfließen lassen?
Fatoni: Ja, auf jeden Fall. Ich war gleichzeitig auch so eine Art Berater. Bei speziellen Fragen nach dem musikalischen Prozess oder szenespezifischen Begriffen habe ich dann schon mit meinem Wissen ausgeholfen.
FILMSTARTS: Deine Songs besitzen oft einen sehr politischen Unterton. Findest du es ein bisschen schade, dass diese Ebene so komplett aus der Serie rausgehalten worden ist? Ich meine, wir leben aktuell in extrem politischen Zeiten.
Fatoni: Wenn du mich so direkt fragst, dann definitiv. Ich glaube, wenn es meine Show gewesen wäre, hätte ich das wohl mit einfließen lassen. Aber für das, was „Kacken an der Havel“ ist und sein möchte, war das die richtige Entscheidung.
FILMSTARTS: So eine entspannte Nonsens-Serie kann natürlich auch eine angenehme Insel sein, auf die man sich gedanklich zurückziehen kann – gerade in solch schwierigen Zeiten.
Fatoni: Das sehe ich ähnlich. Das ist immer die Frage: Wie viel vom Tagesgeschehen will man zulassen? Wie viel Nachrichten erträgt man noch? Wo kann man sich einfach mal berieseln lassen und wird nicht schon wieder dem aktuellen Horror der Welt ausgesetzt? Und ich finde es völlig in Ordnung, dass es auch Kultur gibt, die solch eine Rückzugsmöglichkeit bietet.
FILMSTARTS: Im Film wird „Armageddon“ sehr gehyped. Die Hauptfigur hat ihn 819 Mal gesehen. Gibt es einen Film, den du annähernd so oft geschaut hast?
Fatoni: (lacht) „Armageddon“. Nein, ich hoffe nicht. Also 819 Mal ist schon viel. Das wäre zu viel Lebenszeit. Ich hatte so Phasen, da habe ich Filme wie „Der Pate“ und „Scarface“ wirklich sehr oft gesehen – auch mit Audiokommentar und ähnlichen Dingen.
FILMSTARTS: Hättest du eigentlich jemals gedacht, dass dir eine kleine Ente mit Goldkette die Show stehlen könnte?
Fatoni: Hat sie mir die Show gestohlen? (lacht) Nein, hätte ich nicht gedacht, aber ich finde, das hat sie sich verdient.
FILMSTARTS: Konntest du die Ente nach den Dreharbeiten mit nach Hause nehmen?
Fatoni: Leider nicht. Das sind mehrere Roboter gewesen und ich glaube, die sind wahnsinnig viel wert.
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FILMSTARTS: Wie schmeckt eigentlich Schokorührei?
Fatoni: Das war auf jeden Fall nicht das ekligste Requisitenessen, was es am Set gab. Es war erstaunlicherweise ganz okay.
FILMSTARTS: Moment, Moment! Ist das tatsächlich Schokorührei gewesen?
Fatoni: Es war Rührei mit… Es war auf jeden Fall ein dunkles Rührei. Fragt mich nicht. Ich will eigentlich gar nicht wissen, was es war. (lacht)
FILMSTARTS: Was war das Ekelhafteste, das du am Set gegessen hast?
Fatoni: Wir haben für die Social-Media-Kanäle all das Essen nachgekocht, das mein Serien-Sohn Charlie in dieser Folge zum Frühstück macht. Da hatte ich auf jeden Fall ein bisschen Kotzreiz bei diesem Farfalle-Wackelpudding und vor allem bei dem Wurstwasser-Kaffee. Und auch die Königsberger Klopse waren nicht so lecker. Das war einfach nur kaltes, veganes Hack.
FILMSTARTS: War der Dreh mit den Hundewelpen der beste Tag aller Zeiten?
Fatoni: Das war schon sehr toll. Die waren wirklich wahnsinnig süß und lieb und es gibt ganz viele Fotos davon. Dazu fällt mir eine kleine Sache ein: Wir mussten sie zwischen den Takes immer wieder anlocken, damit sie uns wirklich hinterherrennen. Dazu wurde uns von den Hundetrainern gesagt, dass wir Folgendes rufen müssen: „Babys, Babys, Babys, Babys, Babys, Babys, Babys, Babys. Und zwischen zwei Takes sage ich zu einem der Trainer: „Wieso rufen wir eigentlich „Babys, Babys, Babys, Babys, Babys“? Und er sagt zu mir: „Na, weil das Babys sind.“ Das fand ich schon sehr lustig. Wenn man so eine hohe Stimme macht und so klatscht, dann kommen die auf jeden Fall alle. Keine Ahnung warum, aber das war sehr süß.
FILMSTARTS: Ich habe auf Instagram gesehen, dass du dich aktuell ziemlich in Form bringst. Machst du das für die Tour oder für ein zukünftiges Film-Projekt?
Fatoni: Nein, das mache ich nur für mich. Ich hatte Rückenschmerzen nach diesem Dreh. Das war wirklich eine anstrengende Zeit. Ich war jeden Tag am Set und vor der Kamera. Bin zwischen 5 und 6 Uhr aufgestanden und hatte Zwölf-Stunden-Tage, die wahnsinnig intensiv waren, aber habe mich ziemlich wenig bewegt. Ich musste viel in Autos oder am Set herumsitzen. Und am Ende war ich etwas unglücklich darüber. Das wollte ich ändern und aktuell bin ich ein bisschen sportsüchtig – aber das fühlt sich momentan ganz gut an.