Von einem der legendärsten Western-Regisseure aller Zeiten: Wildwest-Rachethriller erscheint erstmals auf Blu-ray
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Bevor Sam Peckinpah mit Action-Western wie „The Wild Bunch“ auf sich aufmerksam machte, inszenierte er „Gefährten des Todes“ mit Farbfilm-Königin Maureen O'Hara. Der Dreh seines Leinwand-Regiedebüts war allerdings kein Zuckerschlecken...

Während in Europa unter anderem Sergio Leone das Western-Genre packte, kräftig rüttelte und so in neue, brutal-dreckige Dimensionen überführte, erfand in den USA Sam Peckinpah eine eigene Form des Spätwesterns. Seine Genrebeiträge überraschten das US-Publikum mit einer derart rauen, harten und blutigen Gangart, dass er den Spitznamen „Bloody Sam“ errang – und Werke wie „The Wild Bunch“ veränderten nachhaltig die Art und Weise, wie in Hollywood Action umgesetzt wird!

Das hätte man angesichts seiner Anfänge als TV-Regisseur wohl nicht kommen sehen. Immerhin gelang ihm dadurch aber der Sprung ins Filmgeschäft: Brian Keith forderte Produzent Charles B. Fitzsimons dazu auf, ihn als Regisseur für den Low-Budget-Western „Gefährten des Todes“ anzuheuern.

Fitzsimons folgte dem Wunsch des Schauspielstars und gab Peckinpah somit die Gelegenheit, sein Kino-Regiedebüt zu absolvieren. Dabei herausgekommen ist ein Rache-Western, der nun ein Heimkino-Upgrade erhalten hat: Diese Woche ist „Gefährten des Todes“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray erschienen!

Die Blu-ray aus dem Hause Filmjuwelen kommt mit allerlei Bonusmaterial einher. Dazu zählen ein digitales Booklet, ein Audiokommentar von Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen, ein Audiokommentar von Sam-Peckinpah-Experte Mike Siegel, die Featurette „Passion & Poetry“ und ein Blick auf die Presse- und Promokampagnen zum Film.

Und falls euch 93 Minuten Kriegswestern nicht genug Peckinpah-Power sind: In der Blu-ray-Box „Peckinpah's West“* findet ihr noch mehr raue, gewalttätige Western des einflussreichen Regisseurs!

Darum geht es in "Gefährten des Todes"

Ex-Unionssoldat Yellowleg (Brian Keith) begeht eines Tages einen fatalen Fehler: Er tötet bei einem Bankraub versehentlich den Sohn der Bardame Kit Tildon (Maureen O'Hara). Yellowleg will Buße tun und verspricht daher, den Leichnam auf Kits Wunsch hin neben dessen Vater zu begraben. Doch das bedeutet, dass der Kriegsveteran gemeinsam mit dem von der Front geflohenen Konföderierten Turk (Chris Wills) und dem schießwütigen Gauner Billy (Steve Cochran), denen Yellowleg Mitschuld am Tod des Jungen gibt, das heiß umkämpfte, feindliche Apachengebiet durchqueren muss…

Ein etwas sanfterer Peckinpah-Film, aber eine hitzige Entstehung

Keith holte zwar Peckinpah zum Projekt dazu, doch Hauptdarstellerin Maureen O'Hara war der wahre Star dieses Unterfangens: Die in Irland geborene Schauspielerin und Sängerin war ein Publikumsmagnet und wurde von der Presse ebenso für ihr schillerndes Auftreten gefeiert, das wie für den Farbfilm geschaffen war, wie für ihr Talent, in resoluten Rollen männlichen Ko-Stars zu zeigen, was eine Harke ist.

Diese Mixtur aus verlockendem Charisma und strammem Selbstbewusstsein brachte O'Hara wiederholt tragende Rollen in Filmen des Western-Experten John Ford ein, sowie eine enge Freundschaft mit John Wayne:

Der mit einem unberechenbaren Temperament auftretende, mit Suchtproblemen hadernde und seine inszenatorische Vision seinem Umfeld nicht immer klar umreißende Sam Peckinpah verdiente sich daher direkt bei seinem ersten Film den Ruf einer streitbaren Person: Wiederholt legte er sich am Set mit O'Hara an, darüber hinaus zankte er mit Produzent Fitzsimons (der zugleich O'Haras Bruder war) unentwegt über das Drehbuch und logistische Fragen.

Das führte dazu, dass O'Hara noch Jahrzehnte später in ihrer Autobiografie „'Tis Herself“ über Peckinpah schimpfte: „Er hatte keinerlei Plan, wie man einen Film inszeniert.“ Zudem bezeichnete sie ihn als „seltsame und fragwürdige Person“.

Auch Peckinpah war unzufrieden mit den Umständen, unter denen „Gefährten des Todes“ entstand: Der Hollywoodlegende zufolge schwor er, nie wieder einen Film zu drehen – es sei denn, man sichert ihm absolute Freiheit zu, das Drehbuch zu überarbeiten.

Glücklicherweise kehrte Peckinpah auf den Regiestuhl zurück. Und glücklicherweise sind seine weiteren Regiearbeiten weitaus weniger von Fahrigkeit gezeichnet: „Gefährten des Todes“ ist übersät mit Kontinuitätsfehlern und Patzern wie sichtbarem Filmequipment. Daher ist der Film vor allem als Kuriosität für Peckinpah- und Western-Fans interessant, zeigt er doch einen umjubelten Regisseur, wie er bei seinem Debüt massiv hadert.

Die kompromisslose Härte seiner berühmteren Arbeiten ist in „Gefährten des Todes“ noch nicht vorhanden, wohl aber sein Verständnis der menschlichen Natur als unbarmherzig und moralisch leicht zu korrumpieren.

Vielleicht auch deshalb hat der sich von einer Wiedergutmachungsgeschichte sukzessive zum Rache-Westernthriller wandelnde Stoff seine Fans. So lobt Filmdienst: „Peckinpahs erster Kinofilm ist ein stilsicher entwickelter Western; klassische Topoi, Personenkonstellationen und gängige Genre-Motive verbinden sich zu einem Drama um Rache, Haß, Rivalität und Liebe, das vor allem durch die ambivalente Zeichnung von vermeintlich 'Wilden' und Zivilisierten auch psychologisch interessant ist.“

Falls euch nun aber der Sinn nach einem experimentelleren Western steht, solltet ihr euch unbedingt auf den folgenden Heimkino-Tipp stürzen:

So einen Western habt ihr noch nie gesehen: Völlig durchgeknallt, atmosphärisch und fieberhaft!

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