So einen Western habt ihr noch nie gesehen: Völlig durchgeknallt, atmosphärisch und fieberhaft!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Der experimentell angehauchte Western „Mad Dog – Der Rebell“ alias „Mad Dog Morgan“ wandelt auf den Spuren von „Zwei Banditen“ sowie „Easy Rider“, ist ein spaltender Nischenfavorit und jetzt erstmals in Deutschland auf Blu-ray erhältlich.

Ein australischer Western mit New-Hollywood-Größe Dennis Hopper, in dem ein Mann erst Augenzeuge eines Massakers und dann zum Dieb wird, bevor er sich mit einem Aborigine anfreundet und einen blutigen Rachefeldzug beginnt – all das basierend auf wahren Ereignissen! Klingt eigenwillig, und das ist es auch, weshalb „Mad Dog“ alias „Mad Dog – Der Rebell“ alias „Mad Dog Morgan“ im US-Heimkino zeitweise vom Exploitation-Kultlabel Troma vertrieben wurde.

In Deutschland hatte das brutale, abgedrehte und dennoch melancholische Westerndrama zunächst Probleme mit dem Jugendschutz: Die australische Kinofassung kam bloß gekürzt mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren auf die hiesigen Leinwände. Mittlerweile haben sich die Umstände geändert: Von „Mad Dog Morgan“ wurde ein gegenüber der australischen Kinofassung um acht Minuten verlängerter, von Fans bevorzugter Director's Cut veröffentlicht – und der bekam eine FSK 16! Diese Woche ist „Mad Dog Morgan“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray erschienen, und zwar im ungekürzten Director's Cut.

Die Blu-ray ist reich an Bonusmaterial. Unter anderem gibt es mehrere Interviews zum Film, darunter mit Regisseur und Drehbuchautor Philippe Mora sowie mit Dennis Hopper und Kameramann Mike Molloy. Außerdem gibt es geschnittene Szenen, den alternativen, deutschen Abspann der alten, hiesigen Kinofassung und die rund 25-minütige Begleitdoku „To Shoot A Mad Dog“.

Und wenn ihr euch noch etwas gedulden könnt: Voraussichtlich am 13. Februar 2026 erscheint „Mad Dog Morgan“ als Limited Edition 2-Disc-Mediabook* mit dem australischen Western auf DVD und Blu-ray. Diese Sonderedition ist auf 500 Exemplare limitiert.

Darum geht es in "Mad Dog Morgan"

Die 1850er-Jahre: In Australien ist der Goldrausch ausgebrochen, weshalb unzählige Menschen auf der Suche nach Reichtum den Kontinent besuchen. Dazu zählt der irischstämmige Daniel Morgan (David Hopper), der während seiner Goldsuche Augenzeuge davon wird, wie ein Haufen rassistischer Europäer eine Gruppe von Menschen chinesischer Herkunft massakriert.

Morgan, der versucht hat, einzuschreiten, wird aufgrund seiner Integrität zum Ausgestoßenen, woraufhin er trotz Gewissensbissen zum Räuber wird, um über die Runden zu kommen. Daher landet er im Gefängnis, wo er geschlagen, gedemütigt und vergewaltigt wird. Nach seiner Freilassung bläst er zusammen mit einem Freund, dem Aborigine Billy (David Gulpilil), zum blutigen Rachekampf...

True-Crime-Western-Exploitation mit Hang zur Poesie

Als mit drastischen Gewaltspitzen beginnender Outback-Western, der eine wahre Geschichte ebenso explizit wie (im weiteren Handlungsverlauf) elliptisch ausbreitet, ist „Mad Dog Morgan“ ein Spalter mit Ansage: Zu hart und abgeschmackt für jene, die eine nachdenkliche Ballade über einen Mann sehen wollen, der in Australien lange Zeit als undurchschaubarer, rätselhafter Terrorist galt. Zu melancholisch, langsam und poetisch für ein Exploitation-Publikum, das bloß den Thrill will.

Der zuvor im Dokumentarkino beheimatete Mora verlangt vom „Mad Dog Morgan“-Publikum, sich auf einen unrhythmischen, sich mal in Provokation und Drastik, mal in entschleunigendem Weltschmerz verlierenden Western einzulassen, der die Extreme seiner widersprüchlichen, strittigen und historisch verbuchten Hauptfigur auskostet. Belohnt wurde das unter anderem mit drei Nominierungen bei den Australian Film Institute Awards und schwärmenden Pressevergleichen mit dem Western-Meilenstein „Zwei Banditen“, der rau-melancholischen Gangsterballade „Bonnie und Clyde“ sowie dem Counterculture-Meisterwerk „Easy Rider“.

Abgestraft wurde das wiederum mit Vorwürfen, „Mad Dog Morgan“ sei inkohärente, atonale Stümperei mit deplatziertem sowie ätzendem Humor. Dieser beiße sich mit der schmutzig-realistischem Performance Hoppers, der während der Dreharbeiten zwecks Authentizität wochenlang nicht duschte und literweise Rum trank. Ein Aspekt dieses dornigen Denkmals für einen Mann, der abscheuliche Seiten hatte, sich jedoch für Unterdrückte stark machte und selbst Opfer grausiger Verbrechen wurde, dürfte aber Filmfans auf beiden Seiten des „Mad Dog Morgan“-Diskurses zusammenbringen:

Mora arbeitete mit Mike Molloy zusammen, der zum Kamerateam der Stanley-Kubrick-Meisterwerke „Uhrwerk Orange“ und „Barry Lyndon“ gehörte. Gemeinsam haben sie ihrem fiebrig-wahnhaften Experimentalwestern eine malerische, atemberaubende Bildsprache verliehen, die aufzeigt, wie harsch die australische Wildnis ist, und zugleich die Schönheit der Natur nutzt, um durch einen stillschweigenden Gegenvergleich die Abartigkeit einer ungerechten Gesellschaft zu unterstreichen. „Mad Dog Morgan“ mag ein Low-Budget-Exploitation-Nischentipp sein, sieht aber aus wie ein gestandenes Western-Epos!

Und wenn ihr danach noch mehr Western-Kost sucht, gebt doch auch unserem folgenden Heimkino-Tipp eine Chance:

Vulgär und dreckig: Provokanter Rache-Western kehrt ins Heimkino zurück

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