Es ist ein altbekanntes Phänomen, dass die Suche nach einem adäquaten Film zum Streamen oftmals länger dauert als das eigentliche Schauen desselbigen. Ein Hauptgrund dafür ist das geradezu riesige Portfolio, das Netflix-Nutzer*innen schon mal in den Wahnsinn treiben kann.
Wir wollen euch diesbezüglich etwas unter die Arme greifen und das nächste verzweifelte Herumsuchen vermeiden – und zwar mit den folgenden drei Filmtipps, die fast unbemerkt im Netflix-Programm existieren und aktuell jederzeit gestreamt werden können. Bereitet euch schon mal auf abgekaute Fingernägel, fließende Tränen und irren Mindfuck vor.
"47 Meters Down" (2017)
Es ist wohl kein Geheimnis, dass das Tierhorror-Genre nicht unbedingt reihenweise Meisterwerke hervorbringt. Seit Steven Spielberg 1975 mit „Der weiße Hai“ sein Publikum in Angst und Schrecken versetzte, gab es vor allem zahlreiche Nachahmer-Versuche mit den bezahnten Meeresjägern als gefräßigen Antagonisten. „47 Meters Down“ ist zweifellos einer der besten davon.
Schon allein die simple Ausgangsprämisse spielt gekonnt mit menschlichen Urängsten: Zwei Schwestern (Mandy Moore, Claire Holt) wagen im Mexiko-Urlaub einen Tauchgang in einem Haikäfig, den sie schnell bitter bereuen. Als die Halterung des Käfigs reißt, sinken die beiden darin nämlich die titelgebenden 47 Meter in die Tiefe bis auf den Meeresboden. Angesichts des fehlenden Funkkontakts zur Oberfläche und dem schwindenden Sauerstoff in ihren Pressluftflaschen müssen sie sich einen Ausweg überlegen. Doch da wären natürlich noch die hungrigen Haie, die das Auftauchen zu einem lebensgefährlichen Unterfangen machen.
Wie Regisseur Johannes Roberts („Primate“) diese furchteinflößende Situation seiner Protagonistinnen effektiv auskostet, ist wirklich beachtlich – vor allem, wenn man das relativ geringe Budget des Films von knapp 5 Millionen US-Dollar betrachtet. Die tödliche Gefahr durch die Haie wird nicht überreizt und ist dennoch jederzeit spürbar. Roberts kreiert daraus unglaublich spannende Szenen, die einen 90 Minuten an den Bildschirm fesseln und in denen man kaum zu atmen wagt.
"Drei Töchter" (2023)
In ganz anderen nervlich belastenden Umständen befinden sich die drei Frauen im Netflix-Drama „Drei Töchter“. Die Schwestern Rachel (Natasha Lyonne), Christina (Elizabeth Olsen) und Katie (Carrie Coon) haben sich nämlich im New Yorker Apartment ihres Vaters (Jay O. Sanders) eingefunden, um dem im Sterben liegenden Mann in seinen letzten Tagen beizustehen. Durch ihre grundverschiedenen Persönlichkeiten und den individuellen Problemen gibt es jedoch reichlich Zündstoff, der bisher unausgesprochene Konflikte des Trios ans Tageslicht bringt.
Das leise und berührende Kammerspiel ist wohl an den meisten Zuschauer*innen vorbeigegangen. Dabei handelt es sich hier um einen der traurig-schönsten Filme, die es in jüngster Zeit zu bewundern gab. Bei entsprechendem Marketing hätte sich „Drei Töchter“ vermutlich gute Chancen bei der Oscarverleihung ausrechnen können, derart grandios sind die Darbietungen der drei Hauptdarstellerinnen sowie das sensible und lebenskluge Drehbuch von Regisseur Azazel Jacobs („French Exit“).
Dieser verzichtet in seinem Film auf überzogene Rührseligkeit und sentimentalen Pathos. Stattdessen zeigt er authentisch und mit subtilem Humor, auf welch unterschiedliche Weise Menschen mit Trauer umgehen. Gerade deshalb wirken seine Figuren mit all ihren Ecken und Kanten so nahbar, wodurch das emotionale Ende umso kräftiger nachhallt und die Tränenkanäle stark beansprucht.
"Zeig mir, wer du bist" (2024)
Ein ähnliches Schattendasein bei Netflix fristet der Sci-Fi-Thriller „Zeig mir, wer du bist“. Doch lasst euch von dem nichtssagenden deutschen Titel des Films nicht abschrecken, denn hier erwartet euch ein ziemlich abgefahrener, packender und origineller Trip, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Darin lässt sich eine Gruppe von Freund*innen auf ein vermeintlich spaßiges Partyspiel ein: Mithilfe einer mysteriösen Maschine können sie die Körper wild durcheinander tauschen und sollen dann raten, wer in welcher Hülle steckt. Doch das Experiment gerät schnell aus den Fugen und wird zu einer tödlichen Gefahr für alle.
Regisseur und Drehbuchautor Greg Jardin legte mit „Zeig mir, wer du bist“ ein unfassbar interessantes und vor kreativen Ideen sprühendes Langfilm-Debüt hin, das seinem Publikum einiges abverlangt. Denn aufgrund der temporeichen Erzählweise und der vielen Figuren ist es relativ herausfordernd, in jedem Moment zu wissen, wer hier eigentlich in welchem Körper steckt. Selten war die Pause-Taste an der Fernbedienung so sinnvoll wie hier. Dennoch versteht es Jardin ganz ausgezeichnet, selbst nie den Überblick zu verlieren und durch visuelle Spielereien die Geschehnisse in einem logischen Rahmen zu halten.
Der Streifen entwickelt dabei einen regelrechten Sog, wie es beispielsweise den besten „Black Mirror“-Folgen gelang. Das ist umso bemerkenswerter, da die egozentrischen Charaktere eher wenig Identifikationspotenzial bieten. Der wendungsreiche Mindfuck-Trip ist aber viel zu unterhaltsam, als dass man sich daran stören müsste. Wer glaubte, das Body-Switch-Genre habe nichts Neues mehr vorzuweisen, wird mit dieser Netflix-Perle eines Besseren belehrt.
Und falls ihr wissen wollt, welche Neuheiten euch im März auf Netflix erwarten, schaut am besten noch in unsere große Monatsübersicht rein:
Neu auf Netflix im März 2026: Sci-Fi-Action mit "Reacher"-Star, endlich die 2. Staffel "One Piece" & noch viel mehr