Nachdem Disney und Pixar das Publikum im letzten Jahr noch in den Weltraum entführt haben („Elio”), steht jetzt die nächste Reise an. Dieses Mal geht es in das Königreich der Tiere. In „Hoppers” überträgt die College-Studentin Mabel ihr Bewusstsein in einen mechanischen Biber, um das Tierreich zu infiltrieren. Was genau sie herausfindet und wie gut sie sich als Biber macht, könnt ihr ab dem 05. März 2026 herausfinden.
Schon vor dem Kinostart hatte FILMSTARTS-Autorin Lena Bammert die Möglichkeit, sich mit Regisseur Daniel Chong zu treffen und darüber zu sprechen, was Pixar-Fans vom neuen Film „Hoppers” erwarten können. Wie haben den Filmemacher gefragt, wie die Recherche dazu ablief, wieso es gar nicht so einfach war, bei Mabel den richtigen Ton zu treffen und was sein liebster Biber-Fakt ist. Aber zuerst wollten wir wissen, ob er Tiere nach seiner Arbeit am Animations-Abenteuer mit ganz anderen Augen sieht.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
FILMSTARTS: Du hast sechs Jahre lang an „Hoppers” gearbeitet, deswegen muss ich dir diese Frage gleich zu Beginn stellen: Kannst du in deinem Alltag noch an Tieren vorbeigehen, ohne dich zu fragen, worüber sie gerade wohl nachdenken oder sprechen?
Daniel Chong: Das ist eine witzige Frage. Ehrlich gesagt war das schon vor dem Film gar nicht so einfach für mich - oder für den Rest der Welt. Im Internet passiert es ja eigentlich die ganze Zeit, dass sich Menschen Gedanken darüber machen, was in Tieren vorgeht. Daraus entstehen die besten Memes.
FILMSTARTS: Und anscheinend auch die verrücktesten Stories. Du hast in einem Interview gesagt, dass du nicht gedacht hättest, dass Pixar deinem Pitch für „Hoppers“ zustimmt, weil die Story zu wild ist. Wieso hast du es trotzdem mit genau dieser Geschichte probiert?
Daniel Chong: Viele Menschen gehen mit der Erwartung in einen Pixar-Film, emotional völlig überwältigt zu werden - am besten so, dass kein Auge trocken bleibt. Und das ist auch gut so. Nur wenn ich an meine Kindheit denke, dann waren Pixar-Filme immer auch unterhaltsam und witzig und genau so eine Geschichte wollte ich erzählen. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich damit auf der richtigen Spur bin. Abgesehen davon ist mir das Thema ziemlich wichtig, weil es uns sicherlich noch jahrelang beschäftigen wird. Es geht um die Frage, wie wir als Menschen mit der Natur koexistieren, wie wir miteinander leben und kommunizieren wollen.
FILMSTARTS: Ich finde der Film schafft es, dass man sich immer wieder neu in die Natur und ihre Bewohner verliebt, manchmal sogar in die Menschheit.
Daniel Chong: Vielen Dank. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Szene, in der Mabel von ihrer Großmutter lernt, die Natur zu genießen und zu lieben, bereits früh im Verlauf der Geschichte zu zeigen. Es gab einige Vorschläge das sein zu lassen, damit wir mit der Story schneller zum Punkt kommen. Aber jedes Mal wenn wir das ausprobiert haben, hat der Film nicht funktioniert. Das Publikum muss von Anfang an verstehen, wieso Mabel sich so für die Tiere einsetzt. Es muss gleichzeitig aber auch die Chance zu bekommen, für sich selbst herausfinden, wieso die Natur es wert ist, gerettet zu werden.
FILMSTARTS: Hat sich deine Beziehung zur Natur verändert, nachdem du so lange an diesem Film gearbeitet hast?
Daniel Chong: Absolut. Es gab auch einige witzige Zufälle. Kurz vor der Pandemie haben meine Frau und ich uns zwei Katzen geholt. Ich hatte vorher noch nie Haustiere, das war eine schöne Erfahrung. Plötzlich standen drei Straßenkatzen vor unserer Haustür. Wir haben jetzt also fünf Katzen. So nah mit Tieren zusammenzuleben, hat meine Perspektive auf jeden Fall verändert. Für den Film haben wir außerdem einige Recherche-Trips gemacht, die mir viel bedeutet haben, zum Beispiel in den Yellowstone-Nationalpark. Ich weiß noch, wie der Tour-Guide zu uns gesagt hat: „Das ist nicht euer Zuhause, ihr seid hier nur Besucher. Also benehmt euch auch so.” Allein diese Aussage hat meine Denkweise verändert. Es ist angenehm, sich immer wieder klar zu machen, dass wir als Menschen nicht immer das Zentrum von allem sind. Daran denke ich oft, wenn ich draußen unterwegs bin.
FILMSTARTS: Gibt es auch einen Fun Fact, den du bei deiner Recherche herausgefunden hast?
Daniel Chong: Ja, unglaublich viele. Ich habe einen etwas ekligen Fun Fact für dich: Biber fressen ihren eigenen Kot, weil sie ihre Energie konservieren wollen.
FILMSTARTS: (lacht) Das ist die perfekte Überleitung um über die Stars von „Hoppers” zu sprechen. Neben Bibern kommen zum Beispiel auch Bären, Hirsche, Schmetterlinge, Regenwürmer und sogar ein Hai vor, der in der deutschen Version Hai-Di heißt und von Heidi Klum gesprochen wird. Insgesamt kann sich das Publikum also auf wirklich viele Tierarten freuen, die auch alle sehr unterschiedlich sind. Was sie aber alle gemeinsam haben, ist, dass ihr Fell, ihre Haut, ihre Haare ziemlich realistisch aussehen. Wieso hast du dich für diese Art der Darstellung entschieden?
Daniel Chong: Wir haben mit vielen Animationsstilen herumprobiert, auch mit weniger traditionellen, mehr gezeichneten, stilisierten Looks. Letztendlich wollte ich aber, dass das Publikum die Körperlichkeit und Haptik der Tiere spürt, dass es sich beim Anblick der Charaktere wünscht, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Vor allem, weil sie so charmant und süß sind.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
FILMSTARTS: Ich weiß, dass du durch deine Zeit als Showrunner der Cartoon-Serie „We Bare Bears - Bären wie wir” ein absoluter Bären-Profi bist, aber in welchen Charakter von „Hoppers” konntest du dich am leichtesten hineinversetzen?
Daniel Chong: Das ist witzig, weil ich mich noch erinnere, wie ich die ersten Biber-Zeichnungen für „Hoppers“ gemacht habe. Plötzlich ist mir klar geworden, dass Biber auch nur Bären mit einem großen Hinterteil sind. Der Biber King George ist mir auf jeden Fall am nächsten. Er hat eine sehr ernsthafte Persönlichkeit, ist bemüht, sein Bestes zu geben, hat manchmal vielleicht etwas zu viel Selbstbewusstsein, nicht weil er überheblich ist, sondern eher ahnungslos. Ich finde das passt zu Bibern und zu mir.
FILMSTARTS: Welcher Charakter war am schwierigsten zum Leben zu erwecken?
Daniel Chong: Bei Mabel war es bis zum Ende hin sehr schwierig die Balance zu finden. Weil ich einen kämpferischen, unberechenbaren und etwas verrückten Hauptcharakter haben wollte, der gleichzeitig eine emotionale Tiefe besitzt und geerdet ist.
FILMSTARTS: Ich glaube, dass sich viele Menschen mit Mabel identifizieren können, nicht nur mit ihrer leidenschaftlichen Seite, sondern auch mit ihrer Hoffnungslosigkeit und Machtlosigkeit. Was würdest du diesen Menschen raten?
Daniel Chong: Mabel entwickelt sich in diesem Film von einer Pessimistin zu einer Optimistin. Weil sie lernt, dass Optimismus zwar etwas augenverdrehend sein mag, aber vielleicht dennoch etwas ist, wonach wir streben sollten. Es gibt eine Szene in „Hoppers”, die ich wirklich mag. Mabel sagt zu Jerry, dem Bürgermeister: „Im Grunde sind alle Menschen gut.” Jerry antwortet: „Das glaubst du nicht wirklich, oder?” Und Mabel fragt ihn: „Nun, möchtest du es denn gerne glauben?”