Lohnt sich "One Piece" Staffel 2 auf Netflix? So gut ist die Fortsetzung der Live-Action-Version des Kult-Animes
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
An die Filme vom Studio Ghibli hat Stefan sein Herz verloren und "Prinzessin Mononoke" gehört zu seinen absoluten Lieblingsfilmen. Doch auch Anime-Serien wie "Attack on Titan", "One Punch Man" oder "Haikyu!!" haben es ihm angetan.

Am 10. März 2026 startet bei Netflix die neue Staffel „One Piece“. Und eigentlich geht es jetzt erst richtig los, schließlich erreicht die Strohhut-Bande die Grandline. Hier warten nicht nur Gefahren, sondern auch neue Freunde auf die Piraten-Crew.

Schon mit der Ankündigung der Netflix-Produktion stand die Frage im Raum, wie es möglich sein soll, eine dermaßen gigantische Manga-Reihe wie „One Piece“ als Live-Action-Serie umzusetzen. Doch bereits die erste Staffel konnte überzeugen und viele Skeptiker*innen begeistern. Zwar war der Auftakt nicht perfekt und einige Charakter-Arcs mussten durch die Straffung der Story deutlich verkürzt werden, dennoch hatte die Serie ihr Herz am rechten Fleck und fing den Geist der Vorlage erstaunlich gut ein.

Entsprechend groß war die Vorfreude auf die zweite Staffel – schließlich geht es für die Crew um Kapitän Monkey D. Ruffy nun endlich auf die legendäre Grandline. Fans der Vorlage wissen: Die Abenteuer beginnen jetzt erst richtig. Nicht ohne Grund gilt dieses Meer als „Piraten-Grab“. Wer es bis hierhin geschafft hat, ist längst kein kleiner Fisch mehr, sondern hat seine Fähigkeiten bereits mehrfach unter Beweis gestellt.

Und tatsächlich setzt „One Piece“ Staffel 2 in Sachen Action und Animation noch einmal gehörig einen drauf. Dennoch leiden auch die neuen Folgen unter den altbekannten Schwächen. Wer jedoch mit der ersten Staffel seinen Spaß hatte, darf hier wieder bedenkenlos einschalten.

"One Piece": Das ist die Handlung

Monkey D. Ruffy (Iñaki Godoy) und seine Crew haben sich erfolgreich im East Blue einen Namen gemacht. Doch jetzt rufen die Abenteuer auf der Grandline. Bevor jedoch die Segel in Richtung des gefährlichsten Meeres der Welt gesetzt werden können, geht es noch einmal nach Loguetown. Dieser Ort wird auch „Stadt des Anfangs und des Endes“ genannt, schließlich handelt es sich hier um den Geburts- und Hinrichtungsort von Gol D. Roger, dem König der Piraten.

Doch hier kommt es nicht nur zum Wiedersehen mit dem Schurken-Duo Buggy (Jeff Ward) und Alvida (Ilia Isorelýs Paulino), sondern auch mit dem gefürchteten Marine-Vizeadmiral Smoker (Callum Kerr). Nach dieser Konfrontation kehrt an Deck der Flying Lamb keine Ruhe ein – schließlich sorgen die Agent*innen der Baroque-Firma aktuell auf den Weltmeeren für Angst und Schrecken. Für die Strohhut-Piraten kommt es schon bald zur ersten Konfrontation mit den diabolischen Auftragskillern, die alles daran setzen, die bestehende Weltordnung ins Chaos zu stürzen. Doch wer ist der Strippenzieher? Welche Person steckt hinter dieser sinistren Organisation?

Die Optik bleibt die große Schwachstelle – aber die Spezialeffekte rocken

Der wohl größte Kritikpunkt der ersten Staffel bleibt in der zweiten bestehen: Die Optik der Live-Action-Adaption ist weiterhin gewöhnungsbedürftig. Der Versuch, die überzeichneten Designs der Anime-Vorlage möglichst originalgetreu umzusetzen, wirkt stellenweise etwas künstlich und gelegentlich sogar unfreiwillig komisch, auch weil die Kostümabteilung an dieser zugegebenermaßen schweren Aufgabe vereinzelt krachend scheitert.

Die Outfits wirken oft viel zu sauber und steif als wären sie gerade frisch aus dem Kostümverleih gekommen. Gleiches gilt für die Haare und Perücken, denen man ihre Künstlichkeit deutlich ansieht. Insbesondere der ruppige Vizeadmiral Smoker sieht aus, als wäre er gerade unterwegs zu einem Cosplay-Event – wodurch er eine Menge seiner eigentlich äußerst bedrohlichen Aura einbüßt.

Neue Abenteuer warten auf die Strohhut-Piraten. Netflix
Neue Abenteuer warten auf die Strohhut-Piraten.

Erstaunlicherweise zieht sich dieser Makel jedoch nicht durch die gesamte Serie. Die Umsetzung funktioniert umso besser, je exzentrischer sich die Vorlage gestaltet. So dürfte insbesondere Igram mit seiner pompösen Opernperücke begeistern, und auch der coole Popel-Bomber Mr. 5, Dr. Hiriluk oder der fiese Tyrann Wapol, der mit Blechschnauze und Nilpferd-Mantel optisch ein absolutes Highlight der Serie ist, sind gut getroffen.

Wirklich beeindruckend sind dagegen die Spezialeffekte. Viele Szenen sehen in der Hinsicht erstaunlich hochwertig aus und können es stellenweise sogar mit großen Kinoproduktionen aufnehmen. Besonders das kleine Rentier Tony Tony Chopper (der Fanliebling feiert endlich sein Live-Action-Debüt!) ist in seiner knuddeligen Erscheinung nahezu perfekt zum Leben erweckt worden – wobei vor allem das Fell ein echter Hingucker ist. Auch die elastischen Kräfte von Monkey D. Ruffy wirken überraschend organisch, selbst dann, wenn sein Hals sich absurd weit streckt oder seine Arme in schwindelerregende Längen schnellen. Für das nächste „Fantastic Four“-Abenteuer darf sich Marvel hier ruhig den einen oder anderen Kniff abschauen.

Holpriger Start – aber die Grandline begeistert

Wie schon in der ersten Staffel steht auch die Fortsetzung vor der Herausforderung, eine gigantische Manga-Vorlage auf wenige Episoden zu komprimieren. Große Story-Arcs werden daher gekürzt, vermeintlich überflüssige Nebenhandlungen reduziert oder komplett gestrichen. Gerade zu Beginn von Staffel 2 wird diese Straffung besonders deutlich. Das ist natürlich nötig und sinnvoll, führt jedoch dann und wann dazu, dass eigentlich wichtige Stationen der Strohhut-Reise nicht die nötige Größe bekommen, die sie eigentlich verdient hätten.

In Staffel 2 gestaltet sich ausgerechnet der Start etwas holprig, denn diese versucht zu viel Handlung in nur einer Folge abzuhandeln. Sowohl Zorros Aufeinandertreffen mit Tashigi, die ihn an seine Kindheitsfreundin Shimotsuki Kuina erinnert, als auch Buggys Rückkehr zu alter Stärke werden umgeschrieben respektive stark verkürzt. Ob den Macher*innen diese Entscheidung in späteren Staffeln noch auf die Füße fällt, wird die Zeit zeigen – zumal den einzelnen Episoden dadurch die nötige Bedeutung im „One Piece“-Kosmos genommen wird. Warum Tashigi für den Grünkopf Zorro eine wichtige Person ist, dürfte zumindest für Zuschauer*innen der Realfilm-Umsetzung ein Rätsel bleiben.

Sobald die Reise jedoch richtig Fahrt aufnimmt und die Crew die Grandline erreicht, findet die Serie schnell zu ihren Stärken zurück. Die Abenteuer rund um Whiskey Peak, Little Garden oder die Begegnung mit dem gigantischen Wal Laboon werden zwar ebenfalls gekürzt, behalten aber ihre zentralen Themen und funktionieren dadurch selbst im komprimierten Format erstaunlich gut.

Die Riesen Dorry und Brogy wohnen auf Little Garden. Netflix
Die Riesen Dorry und Brogy wohnen auf Little Garden.

Mehr Emotionen und mehr Action!

Besonders viel Raum erhält die Geschichte rund um das Winterkönigreich Drum. Das ist durchaus nötig, allein schon, weil der Schiffsarzt in spe, Tony Tony Chopper, über eine der ergreifendsten Hintergrundgeschichten im gesamten Anime verfügt. Auch in der Live-Action-Umsetzung wird dieser Geschichte eine ganze Folge gewidmet, die der Staffel ein angemessen emotionsgeladenes Finale beschert.

In Sachen Action legt Staffel 2 ebenfalls deutlich zu. Die Kämpfe mit den Agent*innen der Baroque-Firma sorgen für abwechslungsreiche Auseinandersetzungen, nicht zuletzt wegen ihrer oft absurden Fähigkeiten. Wo sonst bekommt man schließlich Gegner mit explosiven Popel-Bomben oder tödlichen Wachs-Kräften? Das unangefochtene Action-Highlight bietet jedoch Zorro, der es auf Whiskey Peak gleich mit 100 (!) Agenten der Baroque-Firma aufnimmt – und es dabei ziemlich blutig zugehen lässt. Hier bekommen wir endlich einmal eine Idee von der wahren Stärke des Schwertschwingers.

Fazit: „One Piece“ Staffel 2 setzt noch einmal ordentlich einen drauf und übertrifft die erste Staffel in Sachen Emotionalität und Action – auch weil die Abenteuer der Strohhut-Piraten jetzt endlich richtig in Schwung kommen. Leider tut sich die Serie weiterhin schwer damit, die schrägen Kostüme und Designs des Animes in ein Live-Action-Setting zu übertragen, worunter der Gesamteindruck leidet. Wer jedoch über den künstlichen Look hinwegsehen kann – und sich an den vorgenommenen Story-Beschneidungen nicht stört –, bekommt ein rundes Abenteuer geboten, das Lust auf weitere Staffeln macht.

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