Auch wenn aktuell Serien wie „Severance“, „Black Mirror“ oder „Pluribus“ für ihre philosophischen Ideen in einem Science-Fiction-Setting gefeiert werden, lohnt sich manchmal ein Blick zurück: Denn mit „Sense8“ haben die „Matrix“-Macherinnen Lana und Lilly Wachowski schon vor einigen Jahren eine Serie geschaffen, die sich genauso ambitioniert mit Themen wie Identität, Empathie und Technologie beschäftigt und dabei nach typischer Wachowksi-Manier auch noch atemberaubend choreografierte Action-Szenen und emotionalen Tiefgang bietet. Hier könnt ihr die Serie auf Netflix streamen.
Die Handlung von "Sense8"
In „Sense8“ entdecken acht Menschen rund um den Globus plötzlich, dass sie auf mysteriöse Weise telepathisch miteinander verbunden sind. Sie können die Gedanken und Emotionen der anderen spüren, teilen all ihr Wissen und ihre Fähigkeiten und können sich sogar gegenseitig helfen, egal wie weit sie voneinander entfernt sind.
Bald erfahren sie, dass sie zu einer neuen Spezies Mensch gehören, den „Sensates“, die in sogenannten Clustern zusammengehören, auch wenn sie in komplett unterschiedlichen Welten leben: von Seoul über Mumbai und Nairobi bis nach Berlin oder San Francisco. Doch je mehr sie über ihre Verbindung erfahren, desto klarer wird auch: Sie sind Teil eines größeren Netzwerks und geraten ins Visier einer Organisation, die Jagd auf Sensates macht.
Empathie als Superkraft
Das zentrale Thema der Serie ist Empathie und Verbundenheit, und zwar über kulturelle, politische und persönliche Unterschiede hinweg. Die Wachowskis erzählen ihre Geschichte deswegen auch bewusst global. Unterschiedliche Lebensrealitäten, Kulturen und Identitäten treffen aufeinander, werden aber nicht gegeneinander ausgespielt. Dabei sind die Wachowskis gewohnt ambitioniert und verpacken große emotionale Botschaften in temporeich inszenierter Action. Das mag manchmal nicht besonders subtil sein, aber dafür immer kompromisslos progressiv.
Das ist auch der Hauptpunkt, warum „Sense8“ immer noch eine aktive Fangemeinde genießt. Die Serie war ihrer Zeit voraus und behandelt Themen, die im Mainstream-TV lange kaum vorkamen und auch bis heute selten so radikal und offen dargestellt wurden wie hier: Fragen nach Identität, Geschlecht, Sexualität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Die Figuren beziehen ihre Stärke nicht nur daraus, dass sie durch ihre Verbindung Zugriff auf die einzigartigen Fähigkeiten der jeweils anderen haben, sondern vor allem dadurch, dass sie alles fühlen, was die anderen fühlen. Das macht sie untereinander extrem verletzlich, aber sie bauen auch eine einzigartig tiefe Bindung auf. „Sense8“ zeichnet daher ein sehr eindrückliches Bild von Wahlfamilien und davon, wie Menschen, die nicht biologisch verwandt sind, füreinander einstehen und sorgen können.
Spektakuläres Setting – und deswegen vielleicht zu teuer
Dass „Sense8“ nur zwei Staffeln bekam, lag wie auch Netflix-Co-CEO Ted Sarandos bestätigte vor allem an einem Faktor: den Kosten. Die Serie wurde tatsächlich rund um den Globus vor Ort gedreht, mit Locations auf mehreren Kontinenten in Städten wie Reykjavik, Mexico City, Nairobi oder Mumbai. Das verleiht der Serie eine enorme Authentizität, trieb aber auch das Budget in die Höhe.
Dazu kommen die spektakulären Actionsequenzen. Besonders beeindruckend sind die Momente, in denen Sensates sich gegenseitig telepathisch unterstützen, auch wenn sie weit voneinander entfernt sind, und dieselbe Szene aus Elementen mit verschiedenen Schauspieler*innen an mehreren Orten zusammengefügt werden muss. Dieser Effekt sorgt bis heute für einen einzigartigen Look.
Kultserie mit ungewöhnlichem Abschluss
Nach zwei Staffeln wurde „Sense8“ zunächst abgesetzt – sehr zum Ärger der Fans, die tatkräftig protestierten, Petitionen einreichten oder sogar bei Netflix anriefen. Der Aufwand hat sich allerdings gelohnt, da der Streaming-Dienst am Ende ein finales, zweistündiges Special produzierte, um die wichtigsten Handlungsstränge zu Ende zu bringen.
Wer Serien mag, die sich mit tiefschürfenden Themen wie Diversität, Toleranz, Technologie und Empathie beschäftigt, sollte „Sense8“ definitiv eine Chance geben. Die Serie ist visionär, progressiv, lustig, bewegend und sprudelt geradezu über vor Ideen. Und in einer Zeit, in der anspruchsvolle Sci-Fi wieder hoch im Kurs steht, wirkt dieses ambitionierte Projekt der Wachowskis aktueller denn je. Wer ähnliche Sci-Fi-Serien voller Action und Anspruch sucht, wird hier fündig:
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