Die 3 besten Filme, die ihr diese Woche bei Amazon Prime Video schauen müsst
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob Showtunes im Broadway-Stil, zuckersüße Teenie-Pop-Revue oder bluttriefende Rock-Party: Sidney hat eine Schwäche für Musicals, die ihn bereits durch allerlei cineastische Höhen und Tiefen geführt hat.

Ihr seid in Stimmung für einen entspannten Streaming-Nachmittag oder -Abend, doch das unübersichtliche Aufgebot überfordert euch? Kein Ding: FILMSTARTS stellt euch Woche für Woche drei Titel auf Amazon Prime Video vor, die ihr euch anschauen solltet!

Das Streaming-Zeitalter: Unzählige Filme sind leichter denn je verfügbar. Allerdings sind Klassiker, Geheimtipps, Kultfavoriten und aktuelle Knaller über viele Plattformen verteilt, auf denen sich zudem viele, viele Fehlgriffe befinden. Hinzu kommen wenig hilfreiche Startseiten und schlecht sortierte Untermenüs – schon kann die Suche nach dem idealen Filmfutter zur Tortur werden.

Daher stehen wir euch bei FILMSTARTS zur Seite: Jede Woche empfehlen wir euch drei Filme, die im Abo von Amazon Prime Video verfügbar sind – und die ihr auf keinen Fall verpassen solltet. Dieses Mal holen wir alles nach, was wir am Karfreitag aufgrund des Tanzverbotes unterdrückt haben und stürzen uns in drei musikalische Filme mit gänzlich unterschiedlichen Tonalitäten!

"Better Man – Die Robbie Williams Story" (2024)

Robbie Williams wächst mit einer verständnisvollen Großmutter (Alison Steadman) und einem Vater (Steve Pemberton) auf, zu dem er eine komplizierte Bindung aufbaut: Der in kleinen Läden auftretende Sänger vermittelt seinem Sohn Liebe zum Swing. Allerdings putzt Peter seinen Jungen regelmäßig runter, was Galgenhumor in Robbie weckt.

Als Robbie genau damit während eines Musicalauftritts eine Panne überspielt, findet er seine Bühnenpersona: Er ist ein frecher, vorlauter Scherzkeks! Mit dieser Attitüde gelingt es ihm als Teenager, sich beim Casting für die Boygroup Take That durchzusetzen – seine Lausbubenart macht ihn jedoch auch zum Außenseiter. Von Drogenproblemen und Minderwertigkeitskomplexen geplagt, setzt er alles an eine Solokarriere...

2025 mischte „Better Man“ im Rennen um den Oscar für die besten Effekte mit – und das aus gutem Grund: In diesem Biopic von „Greatest Showman“-Regisseur Michael Gracey wird Robbie Williams nämlich durch einen computeranimierten Schimpansen dargestellt. Der fügt sich ebenso glaubhaft in die restliche, grobkörnig-rauschhafte Filmwelt ein, wie er ausdrucksstark ist. Diesem CG-Affen kauft man ab, tiefe Selbstzweifel zu hegen, sich einen arroganten Schutzpanzer zuzulegen und dadurch Selbsthass zu entwickeln, den er viel zu lange verschleppt!

Das macht „Better Man“ zu einem irren, überraschend berührenden Vertreter im Genre der Musiker-Biopics. Dass Robbie Williams' größten Hits als kinetische, kreative Musicaleinlagen inszeniert werden, verstärkt die emotionale Wirkung: Das hier ist keineswegs ein verfilmter Wikipedia-Artikel, sondern die mitreißende Interpretation dessen, wie sich mehrere Kapitel seines Lebens für den „Rock DJ“-Interpreten angefühlt haben. Kreative Freiheit, dramatische Überhöhung und selbstbewusst-affigen Showeffekt inklusive...

"A Chorus Line" (1985)

Broadway-Regisseur und -Choreograf Zach (Michael Douglas) entwickelt derzeit eine neue Show, die sich nun in ihrer Castingphase befindet. Daher muss er aus über 100 Interessierten die acht Personen aussuchen, die er braucht, um seine Vision umzusetzen. Das Vortanzen ist hart, Zach anspruchsvoll, die Choreografien verlangen den Talenten Perfektion ab. Unter ihnen befindet sich Cassie (Alyson Reed), mit der Zach einst eine Beziehung hatte – ein Umstand, der für Spannungen sorgt...

Auf dem Broadway war „A Chrous Line“ ein gewaltiger Erfolg: Die von Komponist Marvin Hamlisch, Songtexter Edward Kleban, den Autoren James Kirkwood Jr. & Nicholas Dante sowie von Choreograf Michael Bennett 1975 aus der Taufe gehobene Verneigung vor erfahrenen, nie beachteten Hintergrundtänzer*innen lief dort 15 Jahre lang und stellte somit ihrerzeit einen Rekord auf. Und nicht nur das zahlende Publikum war verrückt nach „A Chorus Line“: Das Hinter-den-Kulissen-Musical wurde für zwölf Tony Awards nominiert und gewann den prestigeträchtigen Theaterpreis in neun Sparten, zudem sackte es einen Pulitzerpreis ein.

Die von „Gandhi“-Regisseur Richard Attenborough inszenierte Filmadaption spaltet indes die Gemüter: Viele der Beteiligten hinter der Theater-Uraufführung kritisierten die Verfilmung scharf, da Attenborough den Fokus halbgar von etablierten Tänzer*innen zu Jungtalenten verschoben hat. Außerdem flogen drei von Fans innig geliebte Songs raus und die queeren Storylines wurden im Film an den Rand gedrängt, wodurch „A Chorus Line“ im Kino an Essenz verloren hat.

Dessen ungeachtet hat „A Chorus Line“ über die Jahrzehnte hinweg seinen Platz in der Historie der Filmmusicals gefunden: Als gewollt dramatischer Blick auf die glanzlose Seite des Showgeschäfts, in dem idealistische Leute systematisch dem Zynismus ans Messer geliefert werden.

"Rock Aliens" (1984)

In der Kleinstadt Speelburgh ist Rockabilly-Musiker Frankie (Craig Sheffer) der ungekrönte König: Mit seiner Band The Pack versetzt er fast alle in Ekstase! Bloß seine Freundin Dee Dee (Pia Zadora) träumt vom Leben als Sängerin abseits der Rockabilly-Klangwelt. Als Aliens in einem gitarrenförmigen Raumschiff in Speelburgh landen, bringt deren Anführer ABCD (Tom Nolan) mit seiner eigenen Band die musikalische Vorherrschaft von The Pack in Gefahr. Mehr noch: Der Außerirdische wirft zudem ein Auge auf Dee Dee...

Es muss nicht immer gekonntes, ambitioniertes Filmemachen sein, um dem Filmfanherzen einen Schubser zu verleihen: Diese rockig-poppige, bunte Sci-Fi-Liebes-Musikkomödie, die auch unter dem Titel „Voyage Of The Rock Aliens“ bekannt ist, hat eine halbseidene Story, klamaukigen Humor, ein verflucht dünnes Effekt-Budget und ist ziemlich dämlich...

...allerdings ist dieser einst im Kultformat „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ zelebrierte 80er-Jahre-Wahnwitz unverschämt charmant und auf Arten und Weisen lustig, die Regisseur James Fargo unmöglich vorhersehen konnte! Unterm Strich bleibt „Rock Aliens“ als skurrile Perle aus dem Kuriositätenkabinett in Erinnerung: Dämliche Sprüche, witzig-übertriebene Effekte, eine fiebrige, innere (Un-)Logik und ein peppiger Kaugummi-Soundtrack werden euch zum Grinsen bringen – ob aus Genuss, Unglauben oder beidem zugleich, das wird sich zeigen...

Und wenn es am nächsten Streaming-Abend etwas Serienfutter sein soll – wie wäre es mit folgendem, prominent besetztem Titel?

Bei "Harry Potter" ist er raus, dafür hat Daniel Radcliffe jetzt eine brandneue andere Serie – ab sofort im Streaming-Abo!

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