„Star Wars“, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „Alien“, „E.T.“ und „Blade Runner“ – allesamt Sci-Fi-Kultfilme, die Eingang in die Popkultur fanden und das Genre wie wenige andere Werke prägten. Sie alle entstanden in der Hochphase der Sci-Fi-Blockbuster-Ära zwischen 1977 und 1982.
Auch der vom Kalifornier Don Taylor („Damien – Omen II“) inszenierte „Der letzte Countdown“ entstand in jener Zeit. Der Unterschied ist, dass diesen Sci-Fi-Film, im Vergleich zu den zuvor genannten Klassikern, heute fast niemand mehr auf der Rechnung hat. 1980 und in den Jahren danach war das (nicht zuletzt aufgrund zahlreicher TV-Wiederholungen) jedoch völlig anders, gerade in Deutschland. Denn der Film war mit fast 3,5 Millionen Kinozuschauern einer der erfolgreichsten Filme in Deutschland – noch vor Meilensteinen wie „Mad Max“ und „Blues Brothers“, die im selben Jahr erschienen. Hier erfahrt ihr mehr über das Erfolgsrezept hinter dem heute fast vergessenen Genre-Hybrid "Der letzte Countdown" – der mit seiner abgefahrenen, mutigen Prämisse noch immer begeistert.
Geheime Portale, Stürme, High-Tech: Das ist "Der letzte Countdown"
Der Film spielt 1979. Im Pazifik nahe Hawaii ist der riesige Flugzeugträger Nimitz unterwegs, der eines Tages in ein Zeitportal gerät, das durch einen mysteriösen elektromagnetischen Sturm entstanden ist. Es geschieht das Unfassbare: Die Nimitz wird, samt 5000 Mann starker Besatzung, 38 Jahre in die Zeit zurückversetzt – und strandet am 6. Dezember 1941. Es ist der Tag vor dem vernichtenden japanischen Angriff auf Pearl Harbor, der den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg bedeutete. Kapitän Matthew Yelland (Kirk Douglas) entschließt sich dazu, den japanischen Jägern mit den modernen US-Kampfflugzeugen des Flugzeugträgers zu begegnen. Just vor der Konfrontation wird die Nimitz jedoch zurück in die Ausgangszeit befördert. Die (Welt-)Geschichte nimmt ihren Lauf.
Die Story klingt ziemlich unrealistisch und weird – und kennt man in dieser Form sonst nur aus Low-Budget-Filmen und B-Movies. Doch „Der letzte Countdown“ war alles andere als ein billig produzierter Streifen für den Videotheken-Grabbeltisch. Der Film kostete 12 Millionen Dollar und war exquisit besetzt: Neben Hollywood-Legende Kirk Douglas als resoluter Kommandeur spielten u.a. die Oscar-nominierte Katharine Ross („Die Reifeprüfung“) und „Apocalypse Now“-Star Martin Sheen mit.
Paranormale Rache-Utopie
Was den Film so außergewöhnlich macht ist der unalltägliche Mix aus Sci-Fi mit Kriegsfilm-, Abenteuer- und Thriller-Elementen. Und: Die Tatsache, wie ernst und konsequent Regisseur Taylor und seine überzeugend aufspielenden Darsteller das zwischen übernatürlicher Phantasterei und Rache-Utopie angesiedelte Szenario durchexerzieren.
Ergänzend kommt ein interessantes Gedankenexperiment hinzu, das Filmfans und Kinopublikum seit jeher fasziniert: die Frage, ob man – hätte man die Möglichkeit dazu – die Vergangenheit verändern und damit in den natürlichen Lauf der Geschichte eingreifen sollte. In „Der letzte Countdown“ müssen Crew und Kapitän der Nimitz so entscheiden, ob sie den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor verhindern sollten – mit allen Konsequenzen für den Verlauf des Zweiten Weltkriegs und die Zukunft der gesamten Menschheit.
Einige Kritiker störten sich damals am Militarismus und der überdeutlich zur Schau gestellten Schlagkraft der US-Luft- und Marine-Streitkräfte. Immerhin sehen wir den Flugzeugträger Nimitz, der später auch im 2005er Sci-Fi-Actioner „Stealth“ auftaucht, in etlichen Sequenzen und (langen) Einstellungen. Dazu kommen die spektakulär in Szene gesetzten Luftkämpfe mit dem damaligen US-Vorzeige-Kampf- und Überschalljet F-14 Tomcat (wer „Top Gun“ kennt, der kennt den F-14 Tomcat).
Trotz dieser bisweilen an einen Werbefilm für die US-Navy und Air Force erinnernden Szenen, über die ein unbestreitbarer Klassiker wie „Top Gun“ schließlich ebenso in Massen verfügt, bleibt „Der letzte Countdown“ als extrem spannender, erfrischend unangepasster Unterhaltungsfilm in Erinnerung. Trotz – oder vielleicht gar aufgrund – der Tatsache, dass er die Grenzen der Glaubwürdigkeit genussvoll durchbricht.
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4,36 von 5 Sternen! Das ist der zurzeit beste Kriegsfilm bei Amazon Prime Video – laut Millionen Filmfans aus der ganzen WeltDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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