Das verstörende Original ist in vielen Ländern sogar verboten: Jetzt gibt es die ersten Stimmen zum Remake von "Gesichter des Todes"
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Der Horror-Schocker „Gesichter des Todes“ präsentierte extreme (und teils reale) Arten des Sterbens. Mit der Vermengung von Fakt und Fiktion befasst sich auch die Neufassung. Kürzlich startete der Film in den USA. Lohnt das „Faces of Death“-Remake?

Tier-Schlachtungen, Kriegsaufnahmen, verheerende Unfälle, Hinrichtungen und Morde. Am Ende stehen eine Geburtsszene und idyllische Naturaufnahmen. Aus diesen (extrem schockierenden) Szenen setzt sich der pseudo-dokumentarische „Faces Of Death“ (in Deutschland als „Gesichter des Todes“ bekannt) zusammen, der 1978 erschien. Durch den Film führt der fiktive Pathologe Francis B. Gröss (gespielt von Michael Carr), der dem Publikum dieses Videomaterial zum Thema „Tod“ präsentiert.

Viele Jahre lang existierte ein gewaltiger Hype um den Doku-Horror-Mix. Der Hautgrund: Der genaue Anteil echten Materials war lange nicht bekannt. Regisseur John Alan Schwartz mischte dokumentarische Aufnahmen realer – und teils schwer zu ertragender – Todes- und Tierschlachtungsszenen mit Fake-Sequenzen. Aufgrund der realistischen Gewaltdarstellungen wurde „Gesichter des Todes“ in einigen Ländern sogar verboten! Heute schätzen Film-Historiker und Horror-Experten, dass etwa 40 bis 50 Prozent des Films gestellt sind. Beim Rest handelt es sich um authentische Aufnahmen.

Gesichter des Todes
Gesichter des Todes
1 Std. 45 Min.
Von John Alan Schwartz
Mit Michael Carr, Samuel Berkowitz, Mary Ellen Brighton
User-Wertung
2,9

Fans und Kritiker diskutieren den Kultfilm bis heute hitzig und kontrovers. Kein Wunder, dass Horror-Nerds hellhörig wurden, als klar war, dass Regisseur Daniel Goldhaber („How To Blow Up A Pipeline“) fast ein halbes Jahrhundert nach dem Original eine Neufassung des berüchtigten Stoffes drehen würde. Das „Faces Of Death“-Remake wurde u.a. mit Superstar Charlie XCX bereits im Mai 2023 abgedreht, lag dann fast drei Jahre im Giftschrank – und fand vor wenigen Tagen schließlich doch noch seinen Weg in die US-Kinos. Die ersten Kritiken zeichnen nun ein durchaus positives Bild der Klassiker-Neuauflage.

Meta-Horror mit Doku-Touch: Das ist "Faces Of Death"

In Goldhabers Neuinterpretation stehen zwei Frauen im Mittelpunkt (gespielt von America Ferrera und Charlie XCX), die gewalttätige und extrem verstörende Inhalte für eine Online-Plattform kuratieren. Dabei stoßen sie auf Videos eines anonymen Nutzers, die scheinbar exakte Nachbildungen der Morde aus dem Originalfilm von 1978 sind. Handelt es sich dabei um harmlose (wenn auch geschmacklose) Nachstellungen oder sind die Morde exakt so passiert?

Faces Of Death
Faces Of Death
1 Std. 38 Min.
Von Daniel Goldhaber
Mit Dacre Montgomery, Barbie Ferreira, Josie Totah

Der Regisseur stellt, wie das Original, erneut die Frage aller Fragen, die im Zeitalter von Deepfakes und viral gehender Falschinformationen nicht aktueller sein könnte: Was ist echt, was ist Fälschung?

Der fiktionale Spielfilm im Meta-Horror-Stil kommt bei vielen US-Kritikern überraschend gut weg. Überraschend deshalb, da das Original lediglich auf einen mageren Kritiker-Score von nur 25 Prozent kommt (beruhend auf 12 Rezensionen). Basierend auf bislang 91 Kritiken kommt die „Faces Of Death“-Neuverfilmung aktuell (Stand: 13.04.) hingegen auf einen mehr als soliden Wert von 67 Prozent an zustimmenden Presseberichten. Wir haben ein paar Kritikerstimmen führender US-Medien für euch zusammengefasst:

Unheimlich, innovativ & oberflächlich

Owen Gleiberman für Variety: „‚Faces Of Death‘ ist ambitionierter Trash mit dem Mut zu großen Themen.“ Der Film greife „einen unheimlichen Voyeurismus des 21. Jahrhunderts auf: die Pornografie des Todes.“ (Wertung: 7/10)

David Ehrlich für IndieWire: „Es spricht für Goldhabers Film, dass ‚Faces of Death‘ auf einer grundlegenden, publikumsorientierten Ebene zu überzeugen weiß.“ (Wertung: 6,5 bis 7/10)

Brian Tallerico von RogerEbert.com hebt besonders die Regie von Goldhaber und eine innovative Split-Screen-Szene hervor, die eine Dringlichkeit erzeugt, die vielen modernen Horrorfilmen fehle. Er vergibt umgerechnet starke 7,5 von 10 Punkten.

Etwas zurückhaltender und kritischer ist der Hollywood Reporter. Kritiker Frank Scheck bezeichnet den Film als „oberflächlichen Schocker“, der trotz gesellschaftskritischem Anspruch wenig Substanz biete. (Wertung: 4,5 /10)

Was wir schon jetzt aus den bisher vorhandenen Pressestimmen ableiten können: Mit einer Zustimmung von jenen 67 Prozent (der Publikums-Score liegt aktuell bei 68 Prozent) schneidet das Remake deutlich besser ab, als viele Genre-Fans befürchtet hatten. In den Kritik wird insbesondere die Auseinandersetzung mit der moralisch hintergründigen Frage, weshalb Gewaltdarstellungen eine solch voyeuristische Faszination auf uns ausüben, gelobt.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass auch bald ein deutscher Starttermin verkündet wird. Denn wann „Faces Of Death“ bei uns zu sehen sein wird, ist bislang noch immer offen. Ein deutscher Verleih wurde bisher noch nicht gefunden.

Am Tag, als „Faces Of Death“ in den USA anlief, startete ein Creature Feature auf Netflix, der inzwischen in 91 Ländern der Welt den ersten Platz in den Netflix-Spielfilm-Charts erobert hat. Darum welchen Film es sich handelt, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

In 91 (!) Ländern auf Platz 1: Hai-Horror mit "Bridgerton"-Star dominiert die Netflix-Charts – aber lohnt er sich auch?

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