Bereits mit ihrer ersten tragenden Filmrolle in der Romantikkomödie „Ein Herz und eine Krone“ sorgte Audrey Hepburn für Furore: Von hervorragenden Kritiken begleitet, vom Publikum bejubelt und mit einem Oscar ausgezeichnet, stieg sie prompt in den Schauspielolymp auf. Daraufhin bewies sie sich jahrzehntelang als einer der beliebtesten und gefragtesten Stars der Kinowelt.
Neben stilvoll-ikonischen Rollen wie der Titelrolle in „Sabrina“ nahm die spätere UNICEF-Sonderbotschafterin gelegentlich gewagtere Projekte an, wie „Infam“, die Adaption eines 1934 uraufgeführten Theaterstücks über zwei Lehrerinnen, die durch eine Schülerin in Verruf gebracht werden.
Das Kinodrama aus dem Jahr 1961 behandelt mahnend das Stigma, das die damalige Gesellschaft gleichgeschlechtlichen Beziehungen auferlegte. Das wurde zwar skandalös aufgenommen, trotzdem erhielt es fünf Oscar-Nominierungen und gilt als wichtige Etappe in der Historie des queeren US-Kinos. Die deutsche Blu-ray-Erstauflage ist seit Jahren nahezu vergriffen, doch nun wurde Abhilfe geschaffen: Diese Woche hat „Infam“ eine Blu-ray-Neuauflage erhalten!
Darum geht es in "Infam"
Die befreundeten Lehrerinnen Karen Wright (Audrey Hepburn) und Martha Dobie (Shirley MacLaine) haben eine kleine, exklusive Privatschule für Mädchen in Neuengland aufgebaut. Die leiten sie mit Passion, weshalb sie im Gegensatz zur dort ebenfalls tätigen Lilian Mortar (Miriam Hopkins), Marthas Tante, bei den Schülerinnen beliebt sind.
Bloß die aufmüpfige Mary Tilford (Karen Balkin) hegt Animositäten gegen Karen und Martha, weshalb sie regelmäßig Unruhe stiftet und ihre Mitschülerinnen gegen die Lehrerinnen aufwiegelt. Eines Tages kommt es zum Eklat: Mary setzt das Gerücht in die Welt, zwischen Karen und Marty bestünde ein Liebesverhältnis.
Durch diese Behauptung setzt sich eine Lawine aus aus Misstrauen, Verleumdung und sozialer Ächtung in Gang. Der anschließende Kampf um Wahrheit, Würde und Akzeptanz nimmt tragische Formen an – denn obwohl die Freundinnen keine Beziehung miteinander haben, hat Mary mit ihrem achtlos in die Welt gesetzten Gerücht versehentlich ein Stückchen Wahrheit enthüllt...
Auf der Bühne skandalös, auf der Leinwand stark entschärft und später leicht gedämpft
Lillian Hellmans Theatervorlage für diesen Film war 1934 gleichermaßen Sensation wie Rebellion: Zu Zeit seiner Uraufführung war es gesetzlich verboten, öffentlich in New York Homosexualität anzudeuten, geschweige denn konkret zu thematisieren und Intoleranz ihr gegenüber anzuprangern. Während man auf dem Broadway durch das Stück gezielt ein Zeichen setzte und diese Gesetze ignorierte, war man in der Traumfabrik Hollywood längst nicht so weit:
1936 wurde der Theater-Meilenstein als „Infame Lügen“ adaptiert – mit einem neuen Geheimnis als erzählerische Triebfeder. Aus Furcht vor den Moralhütern hinter dem sogenannten Hays Code handelte das von „Ben Hur“-Regisseur William Wyler inszenierte Drama bloß davon, dass eine Schülerin behauptet, beide Lehrerinnen seien in denselben Mann verliebt.
In den 60ern wollte Wyler Wiedergutmachung leisten und plante, mit „Infam“ eine werkgetreuere Verfilmung ins Kino zu bringen. Vorab legte er sogar den Schwur ab, den Film zur Not ohne jeglichen Segen des Jugendschutzes fertigzustellen – letztlich ging er aber doch einige Kompromisse ein: Das Wort „lesbisch“ wird nie ausgesprochen und einige Szenen der Zuneigung zwischen den Hauptfiguren fielen der Schere zum Opfer, ebenso wie eine Handlungspassage, in der sich die Lehrerinnen vor Gericht verteidigen.
Für strittigen Pressediskurs sorgte der packend inszenierte und hingebungsvoll gespielte Film über US-amerikanische Bigotterie dennoch – und wenn ihr euch nach dem nach heutigen Standards zahmen, wenngleich tragischen Drama für einen jüngeren, härteren Skandalfilm interessiert, solltet ihr den folgenden Beitrag lesen:
Dieser Skandalfilm ist zu hart für die FSK: 19 (!) Jahre nach seiner Weltpremiere erscheint er endlich auch in Deutschland – uncut!FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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