Vergangenes Jahr berichteten wir erstmals, dass „Die Bourne Identität“- und „Road House“-Regisseur Doug Liman sich mit „Bitcoin: Killing Satoshi“ einem der größten ungelösten Rätsel unserer Zeit widmen wird: Wer steckt hinter der Erfindung der Kryptowährung Bitcoin? Doch viele größere Schlagzeilen machte das von Hauptdarsteller Casey Affleck als „‚The Wolf of Wall Street‘ auf Steroiden“ beschriebene Projekt dann einige Monate später mit einer ganz anderen Information: Es sei der erste komplett mit KI generierte Hollywoodfilm.
Das Branchenmagazin The Wrap durfte die Dreharbeiten besuchen, um herauszufinden, wie das ausschaut. Dabei gibt es einige überraschende Informationen zu dem neben Affleck auch noch mit Gal Gadot, Pete Davidson und Isla Fisher hochkarätig besetzten Projekt.
KI spart angeblich 230 Millionen Dollar
Laut Produzent Ryan Kavanaugh („The Fighter“) stand der KI-Einsatz gar nicht von Anfang an fest: „Wir haben kalkuliert, was es kosten würde, das Ganze praktisch umzusetzen, und wir lagen bei über 300 Millionen Dollar Budget. Der Film hat etwa 200 verschiedene Drehorte, von der Antarktis über Antigua bis nach Vegas, was offensichtlich nicht realisierbar ist. Wir erkannten, dass wir die Kosten senken konnten, indem wir einige der verfügbaren KI-Tools nutzen.“
Das finale Budget von „Bitcoin: Killing Satoshi“ beträgt jetzt „nur“ noch 70 Millionen Dollar. Das ist immer noch eine stattliche Summe für einen Film, der unabhängig und ohne bereits existierenden Auswertungsdeal im Kino oder bei einem Streamingdienst entsteht. Erst beim Filmmarkt im Mai am Rande der Filmfestspiele von Cannes sollen Übereinkünfte zur Auswertung geschlossen werden. Es ist eine satte Ersparnis von 230 Millionen Dollar.
Alles bis auf die Schauspielleistungen ist KI
Fast alles, was man im finalen Film sieht, soll mit KI erzeugt werden. Alle Hintergründe, alle Schauplätze entstehen mittels der Technologie. Sogar für die Beleuchtung der Szene sollen die Tools zuständig sein. Gedreht wurden dann auch ausschließlich in einem ehemaligen Autosalon. Alle Szenen wurden in einer Art „grauen Box“ gedreht. Laut The Wrap sei alles in graue Leinwände gehüllt, nachdem vorherige Tests mit den üblichen Green- und Bluescreens keine guten Ergebnisse geliefert hätten.
In dieser tristen Umgebung agieren die Stars. Ihre Schauspielleistung werde nicht verändert. Die Kostüme, ihre Optik – bei Affleck seien es zum Beispiel Haar- und Make-Up-Prothesen –werden von Kameramann Henry Braham („Superman“, „Guardians Of The Galaxy 2“) gefilmt. Das Publikum werde „das tatsächliche Filmmaterial der schauspielerischen Leistungen“ zu sehen bekommen: „Die Performances sind die Performances“, erklärt Kavanaugh gegenüber The Wrap. „Die Leistung wird auf eine sehr einzigartige Weise mithilfe unserer KI-Protokolle eingefangen. Wenn die Szene generiert wird, nimmt die KI die schauspielerische Leistung und baut alles innerhalb des Bildausschnitts der Performance auf“, führt der Produzent weiter aus.
Der Dreh soll insgesamt gerade einmal 20 Tage gedauert haben. Auch hier sei der Einsatz der generativen Tools ein Vorteil. Alle waren an einem Ort, es waren keine Reisen nötig. Zudem konnte man effektiver arbeiten, da es keine Umbaupausen gab. Die komplette Abteilung für die Beleuchtung wurde eingespart. Das oft sehr lange und mit sogenannten Stand-Ins statt den Stars gemachte Einrichten der richtigen Lichtpositionen fiel komplett weg.
Darum geht es in dem Verschwörungsthriller "Bitcoin: Killing Satoshi"
Bis heute weiß niemand, wer sich wirklich hinter dem Namen Satoshi Nakamoto, dem berüchtigten Pseudonym des Bitcoin-Schöpfers, verbirgt. „Wonder Woman“-Star Gal Gadot spielt das Ex-Model Lotte, die nun eine Kriegsberichterstatterin ist. Der Krypto- und Glücksspielmogul Calvin Ayre (Pete Davidson) heuert die Journalistin an, um mit einem Enthüllungsbericht zu beweisen, dass Dr. Craig Wright (Casey Affleck), der schon mehrere Attentatsversuche überlebt hat, hinter Satoshi steckt.
Das bringt Lotte auf die Spur einer großen Mega-Organisation namens COPA, in welche die mächtigsten und reichsten Menschen der Welt und einige Unternehmen – von Mark Zuckerberg bis VISA – Hunderte Millionen Dollar gesteckt hat, um ein Ziel zu verfolgen: Craig Wright zu vernichten!
Nur ein Einzelfall oder die Zukunft Hollywoods
Dass diese Geschichte spannend inszeniert wird, soll wie gesagt Doug Liman garantieren. Der ist bekannt dafür, mit neuen Ansätzen zu experimentieren. Eigentlich wollte der „Edge Of Tomorrow“-Macher mit Tom Cruise ja einen Film im Weltall drehen, weil der noch realer wirken sollte, als alles, was man mit Spezialeffekten hinbekommt. Das ließ sich bislang nicht realisieren. Dafür geht Liman jetzt so in die ziemlich entgegengesetzte Richtung und macht einen Film, bei dem sogar einfachste Schauplätze aus dem Computer kommen.
Wie gut ihm das gelingt, dürfte Hollywoods Zukunft prägen. Auch wenn wir davon ausgehen, dass das veranschlagte Budget bei einem praktischen Dreh von 300 Millionen Dollar ein wenig für den Effekt hochgerechnet wurde, dürfte die Kostenersparnis trotzdem massiv sein. Allerdings bringt das natürlich auch nichts, wenn am Ende niemand das Ergebnis sehen will und die Einnahmen noch massiver nach unten gehen. Das wird erst der Start von „Bitcoin: Killing Satoshi“ zeigen. Wann dieser sein wird, ist noch nicht abzusehen und hängt sicher auch davon ab, wer beim Filmmarkt im Mai zuschlagen will und was für Pläne diese Verleiher dann haben.
Aktuell ist der Film mitten in der Post-Produktion, die insgesamt satte 30 Wochen dauern soll. Es sind also noch einige Monate bis zur Fertigstellung. Diese wird aber bis spätestens Herbst 2026 erfolgen, sodass ein Start noch in diesem Jahr möglich wäre.