Bereits 1976 sagte ein Kinofilm fast alles, was über die Perfidität des Privatfernsehens gesagt werden muss: „Network“ sicherte sich stolze fünf Sterne und somit Meisterwerk-Status in der FILMSTARTS-Kritik, wurde von der US-Regiegewerkschaft zu einem der bestinszenierten Filme aller Zeiten gewählt und erhielt zehn Oscar-Nominierungen, darunter in der Kategorie „Bester Film“.
In vier Sparten („Bester Hauptdarsteller“, „Beste Hauptdarstellerin“, „Beste Nebendarstellerin“ und „Bestes Originaldrehbuch“) holte sich die schonungslose Satire erfolgreich den Academy Award. Und dass Drehbuchautor Paddy Chayefsky keine bloße Momentaufnahme ablieferte, unterstrich „The Social Network“-Autor Aaron Sorkin Jahrzehnte später – denn 2011 hielt er in der New York Times fest: „Niemand, nicht einmal Orwell, hat die Zukunft korrekter vorhergesagt als Chayefsky.“
Die scharf beobachteten, packend umgesetzten Anklagen in „Network“ reichen weit über TV-Probleme hinaus: Die Profit- sowie Sensationsgier, Doppelmoral und Abscheu vor nuanciertem, sachlichem Umgang mit Fakten, die in diesem Klassiker kritisiert wird, ist im digitalen Informationszeitalter nur schlimmer geworden. Heute, am 20. April 2026, läuft „Network“ ab 20.15 Uhr bei arte, obendrein ist der zornig machende, bitterkomische und entlarvende Film vorübergehend in der arte-Mediathek abrufbar. Des Weiteren könnt ihr ihn bei Prime Video als VOD beziehen:
Und falls ihr MGM+ als Prime Video Channel* abonniert habt, könnt ihr den Geniestreich des Spitzenregisseurs Sidney Lumet ohne Zusatzkosten abrufen.
Darum geht es in "Network"
Nachrichtensprecher Howard Beale (Peter Finch) fährt sinkende Quoten ein, weshalb der Sender UBS die Notbremse zieht und ihn entlässt. Verzweifelt wendet sich der zuvor so stoisch wirkende Mann an seine Zuschauerinnen und Zuschauer, um seinen Suizid anzukündigen. Prompt schnellen die Zuschauerzahlen wieder in die Höhe und Programmchefin Diana Christensen (Faye Dunaway) gibt Beale den Job zurück.
Eine Rückkehr zu seinem seriösen Image ist allerdings unmöglich. Nunmehr wird er zum zornigen Propheten des Untergangs der USA, der in harten Worten und mit groben Verallgemeinerungen Missstände anprangert. Sein Format wird zur absoluten Sensation, was Beale dazu anspornt, in seiner polternden Art auch Skandale innerhalb seines Heimatsenders aufzuzeigen. Das geht Christensen zu weit – also sucht sie sich Verbündete, um mit drastischen Mitteln die Rekordquoten zu behalten, Problemfall Beale jedoch zu beseitigen...
In starkem Spiel verankerte Medien- und Publikumsabrechnung
Mit dramatischer Fallhöhe, knochentrockenem Witz und aufregendem Sinn für Eskalation knöpfen sich „Hundstage“-Regisseur Lumet und „Marty“-Autor Chayefsky in „Network“ eine Medienlandschaft vor, die dem Volk eine sinkende Aufmerksamkeitsspanne anerzieht, das wankelmütig-sensationslüsterne Publikum, das dies willentlich mit sich machen lässt, die sinkende inhaltliche Vielfalt in den Massenmedien und Großkonzerne, die aus Informationsangeboten zwecks Profitmaximierung stumpfe Unterhaltung formen. Überspitzt gesagt: Dass „Network“ eine kopfschüttelnde Zukunftsvision aus den 1970ern ist und keine entgeisterte Dokumentation aus der Gegenwart, lässt sich allein an Mode, Designkultur und dem Stand der Technik in diesem Film ablesen.
Weiter aufgewertet wird diese Verschmelzung aus haargenauer Beobachtung und weise-vorausschauender Spekulation durch die herausragend gespielten Figuren: Finch gleitet in seiner Rolle im Zuge von Nervenzusammenbrüchen, ihm entgleitender Kontrolle über sein Leben und gefährlich rasant gestiegener Aufmerksamkeit erschreckend glaubhaft vom Biedermann zum keifenden Wahnsinnigen. Und dass er in seinen Wuttiraden immer wieder kurz ins Schwarze trifft, durch seine cholerische Art aber das Gegenteil von dem bewirkt, was die von ihm angeklagten Probleme mildern könnte, verleiht der Figur zusätzlich zur satirischen Schärfe eine doppelbödige Tragik.
Der von Ned Beatty gespielte Senderchef ist derweil eine einschüchternd-imposante Figur, die perfekt Dunaways an der Oberfläche ruhiger wirkende, in Wahrheit eiskalt berechnende Soziopathin ergänzt. William Holden wiederum gelingt in der Rolle von Howard Beales Chef und engem Freund ein hervorragender Spagat zwischen TV-Zirkus und Realität, und Beatrice Straight hinterlässt in ihrem kurzen Auftritt als dessen Partnerin ein starkes, emotionales Echo: Die Auswirkungen des TV-Rummels finden letztlich stets den Weg in die eigenen vier Wände.
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