Fast jede*r kennt wohl das Gefühl, mit der Fernbedienung durch das Netflix-Portfolio zu navigieren, auf der Suche nach einem guten Film, und dabei irgendwie kein Ende zu finden. Zu viele Optionen, die präsentiert werden. Zu groß die Angst, dass man die falsche Entscheidung trifft und letztendlich eine ziemliche Gurke erwischt.
Für genau solche Fälle haben wir allerdings unseren wöchentlichen Filmtipp-Dreierpack eingeführt, der euch als Licht im Streaming-Dunkel dienen soll und wunderbare Werke empfiehlt, die uns ganz besonders am Herzen liegen. Heute im Gepäck: ein düsteres Western-Meisterwerk, adrenalingetriebene Survival-Action und ein emotional packendes Drama.
"The Hateful 8" (2015)
Als Regisseur ist Quentin Tarantino eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Doch selbst Skeptiker, die lange Zeit dessen Werke für zu verspielt und wenig seriös erachteten, wurden mit „The Hateful 8“ eines Besseren belehrt. Zwar ist der Western nach wie vor gespickt mit den für Tarantino so typisch ausufernden Dialogen und ästhetisiert-skurrilen Gewaltspitzen, dennoch legte der „Pulp Fiction“-Macher hier den mit Abstand düstersten und sperrigsten Film seiner Karriere vor.
Darin versammelt er die titelgebenden acht Personen in einer abgeschiedenen Berghütte im Wyoming der 1870er-Jahre. Während draußen ein eiskalter Schneesturm wütet und die zwielichtige Gruppe in der Baracke festhält, kocht im Inneren zunehmend die Spannung über – bis zur blutigen Eskalation. Bis dahin stellt sich die Frage, wer hier nicht der ist, der er vorgibt zu sein: Kopfgeldjäger Marquis Warren (Samuel L. Jackson), die Mörderin Daisy Domergue (Oscar-nominiert: Jennifer Jason Leigh) oder doch der designierte Sheriff Chris Mannix (Walton Goggins)?
Getragen von grandiosen Schauspielleistungen, famosen Bildern und der kongenialen Musik von Ennio Morricone (der hierfür endlich seinen ersten Oscar bekam), schuf Tarantino mit „The Hateful 8“ nicht nur einen knallharten Schnee-Western, sondern auch ein ungewohnt politisches, atmosphärisch dichtes Kammerspiel voller interessanter Wendungen.
"Vertical Limit" (2000)
Ein ebenfalls eisiges Setting wird in „Vertical Limit“ präsentiert, wenn auch in einem völlig anderen Kontext: Darin besteigt eine Gruppe von mehr oder minder erfahrenen Bergsteiger*innen (u.a. Chris O’Donnell) den K2, um eine so gefährliche wie spektakuläre Rettungsaktion durchzuführen. Doch nicht alle von ihnen werden den Aufstieg überleben…
Action-Spezialist Martin Campbell („James Bond 007: Casino Royale“) entwarf mit „Vertical Limit“ einen schnörkellosen Adrenalin-Trip, der in vielerlei Hinsicht den cineastischen Geist der 90er-Jahre atmet. Hier haben Schau- und Unterhaltungswerte Vorrang gegenüber Logik und Realismus – und das ist auch völlig in Ordnung so!
Der Survival-Thriller geht aber keineswegs maßlos mit seinen Effekten um, sondern setzt diese clever genug ein, dass man der Geschichte und den Figuren des Films bereitwillig bis zum dramatischen Finale folgt. Dazu trägt auch der tolle Cast bei, dem u.a. Bill Paxton („Apollo 13“), Scott Glenn („Training Day“) und Ben Mendelsohn („Rogue One: A Star Wars Story“) angehören.
"Kaltes Land" (2005)
Wer sich nach mehr Tiefgang und Emotionen sehnt, ist bei „Kaltes Land“ an der richtigen Adresse. Das wahrhaft erschütternde und fesselnde Drama widmet sich der alleinerziehenden Mutter Josey Aimes (Charlize Theron), die Ende der 1980er als eine von wenigen Frauen in einer Eisenmine im nördlichen Minnesota schuftet. Die ohnehin schon harte Arbeit wird zusätzlich durch die sexuellen Belästigungen seitens der männlichen Belegschaft erschwert, der Josey und ihre Kolleginnen tagtäglich ausgesetzt sind.
Wie sich die Protagonistin schließlich juristisch gegen die Übermacht ihres toxischen Umfelds zur Wehr setzt, ist unfassbar ergreifend inszeniert und wühlt mit jeder Minute mehr auf. Regisseurin Niki Caro („Whale Rider“) verschont ihr Publikum dabei nicht mit heftigen Szenen, die an die Nieren gehen. In kühlen und graustichigen Bildern vermittelt sie die Hilflosigkeit und Isolation Joseys auch visuell, lässt im Film aber dennoch immer wieder Platz für leise Momente der Hoffnung.
Dafür holte sie eine herausragende Besetzung vor die Kamera, die u.a. Charlize Theron, Frances McDormand, Woody Harrelson, Sean Bean und Jeremy Renner vereint. Allesamt liefern Karriere-Höchstleistungen ab und machen „Kaltes Land“ zu einem nahezu perfekten Drama, das über die Jahre vollkommen zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten ist. Ganz großes Kino!
Und falls ihr wissen wollt, welche neuen Streaming-Titel ihr im Mai bei Netflix und Co. auf keinen Fall verpassen solltet, schaut am besten mal in die Tipps von FILMSTARTS-Redakteur Markus Trutt rein:
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