Es ist einer der besten Horrorfilme aller Zeiten – doch wir werden ihn vielleicht nie vollständig zu sehen bekommen!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Ob psychologischer Horror, Slasher-Film oder obskures Kleinod: Michael liebt das Horrorkino, seit er nach dem Schauen von „Blair Witch Projekt“ eine halbe Stunde lang wie versteinert auf dem Sofa saß.

Vor 53 Jahren kam ein außergewöhnlicher Horrorfilm in die Kinos, der heute als absolutes Kult-Meisterwerk gilt. Warum trotzdem bis heute keine vollständige Fassung des Films existiert, erfahrt ihr hier.

1973 wurde einer der ungewöhnlichsten Horrorfilme der Kinogeschichte gedreht: „The Wicker Man“. Obwohl in einer zentralen Rolle mit Christopher Lee besetzt, hatte die lose auf David Pinners Roman „Ritual“ basierende Produktion kaum etwas zu tun mit den ungemein populären Gruselfilmen der britischen Hammer-Studios, mit denen der spätere „Herr der Ringe“-Star mehr als 20 Mal zusammenarbeitete. Genau deshalb wollte Lee unbedingt in dem Film mitspielen – und verzichtete sogar auf sein Gehalt, damit der schmal budgetierte „The Wicker Man“ überhaupt eine Chance hatte, gedreht zu werden. Doch um was für einen Film handelt es sich hier eigentlich?

Im Mittelpunkt steht Sergeant Neil Howie (Edward Woodward), der auf eine abgelegene Insel reist, um das Verschwinden eines jungen Mädchens zu untersuchen. Dort stößt er auf eine heidnische Gemeinschaft unter der Führung des mysteriösen Lord Summerisle (Christopher Lee), deren Rituale ihn immer tiefer verstören. Irgendwann muss er erkennen, dass er selbst Teil eines größeren Plans ist …

The Wicker Man
The Wicker Man
Starttermin 23. Januar 2009 | 1 Std. 34 Min.
Von Robin Hardy
Mit Edward Woodward, Diane Cilento, Ingrid Pitt
Pressekritiken
4,5
User-Wertung
3,6

Als die Studio-Verantwortlichen damals den fertigen Film sahen, waren sie ratlos: „The Wicker Man“ unterschied sich mit seiner schwer greifbaren Atmosphäre, seinem bizarren Humor, plötzlichen Musical-Einlagen und nackten Körpern von nahezu allem, was man bis dahin im Horror-Genre gesehen hatte. Allein mit seinem infernalischen, längst legendären Ende war das Regiedebüt von Robin Hardy dazu in der Lage, dem Publikum den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Weil niemand so recht wusste, wie man „The Wicker Man“ verkaufen sollte, wurde der Film stark gekürzt und nur als eine Art Bonusfilm in einem Double Feature mit Nicolas Roegs Klassiker „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ins Kino gebracht. Bis heute gilt das Original-Negativ als verschollen – keine der drei erhältlichen Schnittfassungen (darunter die britische Kinofassung und ein acht Minuten längerer Director's Cut) enthält die ursprünglich intendierte, vollständige Version des Films.

Christopher Lee (der „The Wicker Man“ für seinen beste Film hielt) äußerte in Interviews immer wieder Hoffnungen, dass die verschwundene Langfassung irgendwann wieder auftaucht – doch das ist auch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Tod der „Dracula“-Legende nicht geschehen.

Trotzdem entwickelte sich „The Wicker Man“ aufgrund seiner Einzigartigkeit zum absoluten Kultfilm, der auf zahlreichen Bestenlisten auftaucht – so steht er zum Beispiel auf Platz 96 der 100 besten britischen Filme aller Zeiten laut dem BFI. Der Guardian kürte ihn gar zum viertbesten Horrorfilm der Geschichte. Kein Wunder: Er prägte das Subgenre des Folk Horror wie kaum ein zweites Werk – Filme wie Ari AstersMidsommar“ wären ohne „The Wicker Man“ so wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

2006 kam unter der Regie von Neil LaBute übrigens ein Remake mit Nicolas Cage auf die Leinwand, das von der Kritik böse verrissen wurde – der Autor dieser Zeilen hingegen empfiehlt, auch dieser zweiten Version eine Chance zu geben.

Um ein weiteres, viel zu wenig bekanntes Horror-Highlight dreht sich der nachfolgende Artikel:

"Er wird euch lange verfolgen": Diesen viel zu unbekannten Horrorfilm hält Martin Scorsese für ein Meisterwerk

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