"Er war völlig außer sich": 007-Ikone Sean Connery hat es gehasst, diesen Sci-Fi-Kultfilm zu drehen
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

An den Dreh zum Sci-Fi-Klassiker „Zardoz“ wird Sean Connery sicher noch lange gedacht haben – und das nicht nur wegen seines bizarren Outfits. So musste er ganze dreimal eine Sequenz wiederholen, die dem Ex-Bond besonders viel Geduld abverlangte.

Sean Connery hatte sich im Laufe seiner mehrere Jahrzehnte umspannenden Karriere den Ruf eines disziplinierten, fordernden Profis erarbeitet. Ein charismatischer Vollblutschauspieler, der seine Figuren mit Hingabe und Leidenschaft zum Leben erweckte – dessen Temperament und Präsenz aber auch einschüchternd wirken konnten.

Die 2020 im Alter von 90 Jahren verstorbene Hollywood-Legende verlor am Set durchaus auch mal die Beherrschung, wenn etwas nicht den eigenen Vorstellungen entsprach oder schiefging. Wie es ist, die Launen Connerys abzubekommen, wissen die Crew-Mitglieder des 70er-Jahre-Streifens „Zardoz“ nur allzu gut. Vor allem die Panne beim Dreh einer bestimmten (und besonders herausfordernden) Szene des Sci-Fi-Fantasy-Klassikers brachte den Schotten zur Weißglut.

Düstere Endzeit-Stimmung: Das ist "Zardoz"

„Zardoz“ entwirft die Utopie einer futuristischen Zwei-Klassen-Gesellschaft. Angesiedelt ist der Film im Jahr 2292, in dem die postapokalyptische Welt zweigeteilt ist. Im Vortex lebt die unsterbliche, intellektuelle Elite, während in den verödeten Außenbezirken die sterblichen Sklaven ums Überleben kämpfen. Beherrscht werden sie vom steinernen Gott Zardoz, der für die Wahrung der etablierten Ordnung sorgt. Der Sklave Zed (Connery) will das Leben in Armut, Hunger und ohne Rechte nicht länger hinnehmen und lehnt sich gegen die Unterdrücker auf.

Zugegeben: Der vom Briten John Boorman („Excalibur“) inszenierte Film zählt qualitativ nicht zu Connerys besten Arbeiten. Der Look wirkt bisweilen billig (das überschaubare Budget von rund 1,5 Millionen Dollar sieht man Ausstattung und Kulissen an), die Dialoge sind unfreiwillig komisch und die Story ist überladen. Dennoch zählt „Zardoz“ längst zum Kanon der Kultfilme – geraden WEGEN seiner überambitionierten Story, Connerys rotem „Windel“-Outfit und der trashigen Low-Budget-Optik.

Zardoz
Zardoz
Starttermin 31. Oktober 1974 | 1 Std. 45 Min.
Von John Boorman
Mit Sean Connery, Charlotte Rampling, Sara Kestelman
Pressekritiken
1,0
User-Wertung
2,7

Auf Optik und Aussehen kam es vor allem in der Schlusssequenz an, in der Zed und die von Charlotte Rampling gespielte Consuella (die Chef-Ideologin des Vortex) in kurzer Zeit extrem schnell altern. Connery war noch nie der Fan von stundenlangem Ausharren in der Maske und Schichten von Make-up. Gerade das war für jene Szenen jedoch nötig. Zu dumm, dass ausgerechnet diese Sequenz mehrfach wiederholt werden musste.

„Wegen des Make-ups drehten wir diese Szene einen ganzen Tag“, erinnerte sich Boorman (via Far Out Magazine). „Als wir fertig waren, schickten wir den Film ins Labor und dort wurde das Material zerkratzt. Also mussten wir am nächsten Tag alles nochmal drehen.“ Boorman zufolge sei der Schauspieler schon beim ersten Mal schlecht gelaunt gewesen, weil „er Make-up und alles, was seine Haut berührte, hasste." „Als ich ihm sagte, dass wir die Szene noch einmal machen müssten, war er völlig außer sich", so der Regisseur.

Doch dabei blieb es nicht, denn auch der zweite Versuch ging schief. Ein Kameraassistent öffnete die Filmkassette und belichtete dabei versehentlich das gesamte Filmmaterial mit der aufwendigen Sequenz. Also musste tatsächlich noch ein dritter Drehtag für die „Alterungsszene“ herhalten. Als Connery davon Wind bekam, verlor er komplett die Beherrschung. Wie Boorman in der ARTE-Doku „Sean Connery vs. James Bond“ berichtet, habe das Team ihn regelrecht bändigen und zurückhalten müssen, um den Assistenten vor dem aufgebrachten Hauptdarsteller zu schützen.

Übrigens: 16 Jahre nach „Zardoz“ drehte der frühere Bond-Darsteller einen heute fast in Vergessenheit geratenen, im Russland des Kalten Krieges angesiedelten Thriller. An die Dreharbeiten dürfte sich Connerys Filmpartnerin Michelle Pfeiffer bis heute nur allzu gut erinnern:

"Ich habe kein Auge zugetan. Es war sehr traumatisch": Vor 36 Jahren flüchtete Michelle Pfeiffer vom Set eines vergessenen Thrillers

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