Bis Mitte der 1990er-Jahre wurden Spoof Movies – also Parodien, die bekannte Filme genüsslich durch den Kakao ziehen – vor allem von einem Humor geprägt, der zwar bisweilen albern, respektlos und nicht immer ganz jugendfrei daherkam, dabei jedoch selten wirklich hemmungslos obszön wurde. Filme wie „Die nackte Kanone“, „Top Secret“ oder die Komödien von Mel Brooks – etwa „Frankenstein Junior“, „Spaceballs“ oder „Dracula - Tot oder glücklich“ – standen exemplarisch für diese Art von Persiflage, die verspielt war, ohne dabei völlig ins Geschmacklose abzudriften. Mit der Jahrtausendwende sollte sich der Tonfall des Genres jedoch spürbar verändern.
Im Jahr 2000 kam mit „Scary Movie“ ein Film in die Kinos, der das Subgenre der Filmparodie mit einer zügellosen Wucht aufmischte. Die Persiflage kombinierte ihre Horrorfilm-Verulkung mit einem aggressiven Maß an Vulgärhumor und traf damit offenbar exakt den Nerv des Publikums: Weltweit spielte der Film beeindruckende 278 Millionen US-Dollar ein – bei Produktionskosten von gerade einmal 19 Millionen. Gleichzeitig löste „Scary Movie“ einen Trend aus, der in den folgenden Jahren zahlreiche Nachahmer hervorbringen sollte, nicht immer zum Vorteil des Genres, wie spätere Vertreter à la „Meine Frau, die Spartaner und ich“ oder „Die Pute von Panem“ unterirdisch belegten.
Doch auch wenn „Scary Movie“ heute eindeutig als respektloses Kind der frühen 2000er-Jahre wahrgenommen wird, funktioniert der Film erstaunlicherweise noch immer. Wer ihn bislang noch nicht gesehen hat oder schlicht Lust auf eine nostalgische Zeitreise verspürt, kann „Scary Movie“ derzeit gegen einen Aufpreis bei Amazon Prime Video streamen.
Das ist "Scary Movie"
Dass „Scary Movie“ auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach seiner Veröffentlichung noch erstaunlich gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass sich der Film trotz aller Albernheiten dramaturgisch an den großen Klassikern des Genres orientiert. Anders als spätere Parodien des berüchtigten Duos Jason Friedberg und Aaron Seltzer – wie der erwähnte „Die Pute von Panem“ und Konsorten –, die sich oft in einer lustlosen Aneinanderreihung möglichst plumper Referenzgags erschöpften, besitzt „Scary Movie“ zumindest noch einen gewissen erzählerischen Zusammenhalt und ein Gespür für Timing.
Der Film nimmt sich insbesondere die damals durch „Scream“ und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ neu entfachte Welle der Teenie-Slasher vor und zieht deren typische Motive gnadenlos ins Lächerliche. Dabei bleibt „Scary Movie“ fokussiert: Statt wahllos jede popkulturelle Referenz der Zeit hineinzupressen, konzentriert sich der Film überwiegend auf seine unmittelbaren Vorbilder. Genau diese klare Ausrichtung unterscheidet ihn von späteren Fortsetzungen wie „Scary Movie 4“ und insbesondere „Scary Movie 5“, die ihre Szenen zunehmend mit beliebigen Anspielungen überfrachteten.
Hinzu kommt, dass sich die Macher spürbar Gedanken darüber gemacht haben, was die Vorlagen auszeichnet und weshalb ihre oft ohnehin absurden Szenarien so anfällig für Parodien sind. „Scary Movie“ wurde nicht zuletzt deshalb zum Kultfilm, weil er wie seine Vorbilder selbst eine Reihe ikonischer Szenen hervorgebracht hat. Besonders gut funktionieren diese Momente natürlich dann, wenn man die Originalfilme kennt, auf die angespielt wird. Denn so respektlos und derb der Humor des Films auch sein mag, man spürt dennoch, dass „Scary Movie“ seine Vorbilder nicht verachtet, sondern sie auf eine respektlose Weise sogar feiert. Die Filme werden dadurch geehrt, dass man sie mit sichtbarer Freude, maximaler Übertreibung und gerne auch weit unterhalb der Gürtellinie genüsslich verballhornt.
Am 4. Juni 2026 startet nach längerer Franchise-Pause dann übrigens „Scary Movie 6“ in den deutschen Kinos. Den Trailer könnt ihr euch nachfolgend anschauen:
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