Ein Mann bringt seine LEGO-Sammlung im Wert von bis zu 200.000 Dollar in einen Laden – und bekommt dann weder das Geld noch seine Sets zurück
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Der Skandal um die Gebrauchtmarkt-Kette „Bricks & Minifigs“ hält seit drei Wochen die (Social-Media-)Welt in Atem. Angestoßen durch ein Video des YouTubers Reckless Ben gibt es in der LEGO-Saga seitdem fast täglich neue überraschende Wendungen …

Reckless Ben (YouTube Channel)

Die Aufrufzahlen auf YouTube sind gigantisch! Egal ob in der LEGO-Bubble, in der Jura-Bubble oder einfach bei News-Influencer*innen – es gibt inzwischen kaum jemanden, der das Thema „Bricks & Minifigs“ noch nicht aufgegriffen hat. Aber das ist ja auch kein Wunder, schließlich geht es um die Altersvorsorge eines schwerkranken Mannes, um die er hier offenbar von einem gierigen Konzern gebracht werden soll …

Falls ihr noch nicht davon gehört haben solltet, haben wir hier für euch eine Übersicht der bisherigen Ereignisse:

September 2023: Bryan Mansell sucht Unterstützung beim Verkauf der riesigen LEGO-„Star Wars“-Sammlung seines schwerkranken Vaters Ed Mansell. Er wendet sich an eine von unabhängigen Franchise-Nehmern geführte Filiale der Second-Hand-Kette „Bricks & Minifigs“ (kauft und verkauft LEGO, hat aber mit dem LEGO-Konzern selbst nichts zu tun) in Keizer, Oregon. Ein erster Testverkauf einiger Sets im Rahmen einer lokalen Comic Con verläuft positiv.

November 2023: Bryan Mansell schließt mit der lokalen Filiale einen Konsignationsvertrag ab – das heißt, dass der Laden die Sets nicht selbst ankauft, sondern sie im Auftrag verkauft und dann regelmäßig die Einnahmen abzüglich eines Provisionsbetrags weitergibt. Es geht dabei um ca. 780 versiegelte Sets und ca. 1.200 teils sehr seltene Minifiguren. In den sozialen Medien wird der Gesamtwert oft mit „über 200.000 Dollar“ angegeben, inzwischen gehen Schätzungen allerdings eher in die Richtung von 60.000 bis 100.000 Dollar (immer noch eine Menge Geld). Mansell bekommt in den ersten Monaten zumindest ca. 15.000 Dollar ausbezahlt.

November 2024: Der bisherige Franchise-Nehmer vor Ort will den Laden nicht weiterführen. Die „Bricks & Minifigs“-Zentrale übergibt das Geschäft deshalb an einen neuen Franchise-Nehmer. Bei der Übergabe gibt es offenbar viele (Kommunikations-)Schwierigkeiten. Obwohl Konsignations-Geschäfte von der Zentrale eigentlich nicht gewünscht sind, ist inzwischen ein Video ans Licht gekommen, in dem der neue Franchise-Nehmer erklärt, „all diese Konsignations-Haftungen zu übernehmen“.

Ebenfalls November 2024: Bryan Mansell stellt fest, dass der Laden eine neue Führung hat. Diese verweigert die Herausgabe der verbliebenen Sammlung, da (angeblich) keine verwertbaren Listen mit den Sets und Figuren existieren. Bryan Mansell kündigt den Vertrag – und bekommt im Monat darauf das Angebot für eine Rückgabe von 25 markierten Sets, die offenbar in einer Kammer des Ladens gefunden wurden. Das Angebot wird jedoch abgelehnt und die vollständige Herausgabe oder Bezahlung der Sammlung gefordert.

April 2025: Bryan Mansell schildert den Fall in einem Podcast – einen Aufschrei gibt es aber zunächst nur in Sammlerkreisen.

Im März 2026 schaltet sich der bekannte YouTuber Reckless Ben nach Absprache mit Bryan Mansell in den Fall ein – allerdings erscheint das Video zu den Vorkommnissen, das nun zu dieser weltweiten Mega-Aufmerksamkeit geführt hat, erst zwei Monate später am 21. Mai 2026 (aktuell 5,2 Millionen Aufrufe):

Ab dem 9. März 2026: Der investigative Stunt-YouTuber Reckless Ben alias Ben Schneider schleicht sich beim jetzigen Filialen-Betreiber in der Stadt American Fork (Utah) ein. Die örtliche Polizei erteilt zunächst einen Platzverweis. Aber als Ben weiter recherchiert, wird er bereits einen Tag später beharrlicher Nachstellung, Hausfriedensbruchs und gezielter Belagerung eines Wohnhauses formell angeklagt. Seine Airbnb-Unterkunft wird durchsucht, er und einige Team-Mitglieder werden verhaftet.

Mai 2026: Das Video erscheint – die Social-Media-Welt rastet völlig aus. Sowohl der jetzige Franchise-Nehmer als auch die „Bricks & Minifigs“-Konzernzentrale werden in Grund und Boden kritisiert. Quasi niemand ist auf ihrer Seite.

Ab dem 21. Mai: „Bricks & Minifigs“ und die aktuellen Franchise-Nehmer reichen in Utah eine Klage in Höhe von 300.000 Dollar gegen Bryan Mansell und Ben Schneider wegen Verleumdung und Verschwörung ein. Zudem wird von „Bricks & Minifigs“ und ihrem CEO eine Gegendarstellung veröffentlicht – die in den Augen der meisten Beobachter*innen aber alles nur noch schlimmer macht.

Ab dem 29. Mai: „Bricks & Minifigs“ sendet eine Abmahnung an die Plattform Patreon, um die von Ben Schneider gestartete Crowdfunding-Kampagne zu beenden. Allerdings weist der Patreon-Geschäftsführer Jack Conte die Forderung einige Tage später sehr marketingwirksam mit dem Spruch zurück, sie könnten sich ihre Abmahnung „sonst wo hinstecken“. Zudem leaken die unzensierten Bodycam-Aufnahmen der Festnahme von Ben Schneider und seinem Team im März – und vieles spricht dafür, dass die Polizei gemeinsam mit dem Franchise-Nehmer jedes Mittel recht war, nur um die ungebetenen YouTuber in Gewahrsam nehmen zu können (Vorwurf: Vetternwirtschaft).

Vor allem dieses – von außen doch sehr fragwürdig anmutendes – Vorgehen wird auf Jura-YouTube seitdem massiv diskutiert:

4. Juni bis heute: „Bricks & Minifigs“ entlässt die neuen Franchise-Nehmer und schließt die Filiale in Keizer. Seitdem scheint man bei „Bricks & Minifigs“ eingesehen zu haben, dass es aus dem PR-Albtraum nur einen Ausweg gibt, wenn man möglichst schnell eine Einigung mit Bryan Mansell erzielen kann. Zugleich bestehen die strafrechtlichen und zivilrechtlichen Klagen gegen Bryan Mansell (zivil) und Ben Schneider (zivil und strafrechtlich) weiter.

Der Aufruhr in den sozialen Medien lässt weiterhin nicht nach. Ganz im Gegenteil ist das Thema inzwischen längst auch in Deutschland angekommen:

Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren