Es ist ein Film, der sich ebenso wenig um Regeln schert wie der verdammt lässige, schroff-charmante Haudegen in seinem Mittelpunkt: „Außer Atem“ dreht sich um einen zweitrangigen Gangster, der gerne die französische Antwort auf Humphrey Bogart wäre, und rund um Paris seine Frauenheldenqualitäten unter Beweis stellt – vor allem im Zusammenspiel mit einer aufgeweckten Amerikanerin.
Zur bewusst ungeschliffenen Inszenierung voller Anschlussfehler, sprunghafter Schnitte und wackliger Kameraführung kommt eine Dramaturgie, die sich dem stromernden Protagonisten und seinem unentschlossenen Schwarm angleicht. Das ergibt alles in allem einen famosen Film, der dem legendären Regisseur und Autor Jean-Luc Godard einen raketenhaften Karrierestart bescherte und der zugleich als einer der Grundpfeiler der Nouvelle Vague gilt.
2020 feierte der bahnbrechende Klassiker seine deutsche 4K-Premiere. Diese Auflage war rasch ausverkauft, weshalb sie auf dem Gebrauchtmarkt für teils horrende Preise weggeht. Nun gibt es endlich eine Alternative: Diese Woche hat „Außer Atem“ eine 4K-Neuauflage im deutschen Heimkino erhalten!
Die Edition enthält zusätzlich zur 4K-Disc eine Blu-ray. Auf der befinden sich neben dem französischen Kino-Meilenstein diverse Extras, darunter eine halbstündige Featurette, eine fast 80 Minuten lange Begleitdokumentation und ein Ausschnitt der britischen Kultursendung „Tempo“, in dem sich Godard mit Mike Hodges unterhält.
Darum geht es in "Außer Atem"
Kleinganove und Vollblutrebell Michel (Jean-Paul Belmondo) ist mit einem gestohlenen Auto unterwegs, als er in eine Verkehrskontrolle gerät. Im Affekt erschießt er einen Polizisten und muss daher den langen, harten Arm des Gesetzes mehr fürchten denn je. Während er untertaucht, begegnet er der jungen Amerikanerin Patricia (Jean Seberg), einer Journalistikstudentin, die sich als Zeitungsverkäuferin für die New York Herald Tribune am Champs Élysées ein Zubrot verdient.
Michel bemüht sich, Patricia zu einer gemeinsamen Flucht nach Italien zu überreden. Zwar sprühen die Funken zwischen ihnen, aber Patricia zögert: Soll sie sich vom Gangster um den Finger wickeln lassen oder der Justiz unter die Arme greifen?
Eine Kleingaunergeschichte, wie von Kleingaunern erzählt und gedreht
Nicht einmal 90 Minuten Laufzeit, abrupte Szenenübergänge, ausfransende Handlungsfäden und ein fast prahlerisch-lässiges Jazz-Klangbett von Martial Solal: „Außer Atem“ will nicht erzählen, sondern eine Stimmung zelebrieren und an Persönlichkeiten kleben. Und das macht Godards Debüt auf einnehmende, unvergessliche Weise:
Belmondo ist als Michel ein ungeheuerlich cooler, aber sich auch mit sichtbarem Willen an sein Selbstbild angleichender Halunke. Patricia ist dank Sebergs Attitüde eine kultivierte, moderne Frau, die ihre herzliche Spontaneität mit ihrem vorausschauenden Köpfchen in Einklang zu bringen versucht. Das führt zwangsweise zu Reibung im romantischen wie angespannten Sinne. In die dabei entstehende Stimmung kann man sich ebenso gut fallen lassen, wie man sie als ironisch-hippe, liebevolle Dekonstruktion großer, mit Handlungswust vollgestopfter Film-noir-Meisterwerke wie „Tote schlafen fest“ deuten darf.
Darüber, wie sehr Kino-Aficionado und Filmkritiker Godard all das geplant hat, und wie sehr ihm Glück und Zufall in die oftmals improvisierenden, durch Zeit- und Geldmangel gebundenen Hände spielten, kann man indes rätseln. Wie schon „Boyhood“-Regisseur Richard Linklater, der in seiner locker-lässigen Hommage „Nouvelle Vague“ die Entstehung von „Außer Atem“ auf pointierte Weise nacherzählt.
Darin wirkt Godard zwischendurch arg wie ein Glückspilz, dem seine „Jaja, passt schon!“-Attitüde wiederholt in die Karten spielt. Und wenn ihr dieses Vergnügen im Kino verpasst habt, könnt ihr es ab dem 25. Juni auf Blu-ray und DVD nachholen:
Und damit noch nicht genug: 1960 revolutionierte „Außer Atem“ das Kino, dieses Jahr startete mit „Nouvelle Vague“ sozusagen das fiktionalisierte Making-Of. Dazwischen bekam der französische Meilenstein zudem ein erstaunlich gutes, prickelndes US-Remake. Davon ist unter anderem Quentin Tarantino begeistert, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:
Dieser prickelnde 80er-Jahre-Thriller ist für Quentin Tarantino einer der "coolsten" Filme, die je gedreht wurden!Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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