In Anbetracht der ungebrochenen Popularität von Michael Jackson ist es wenig verwunderlich, dass Antoine Fuquas Biopic „Michael“ an den Kinokassen ein voller Erfolg ist. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 900 Millionen Dollar zählt der Film schon jetzt zu den größten Kassenschlagern des Jahres 2026 – auch wenn der Blockbuster Publikum und Presse durchaus spaltet.
Ich selbst konnte etwa nicht allzu viel damit anfangen. Die komplexe Persönlichkeit Michael Jackson mittels plumper Küchenpsychologie erklären zu wollen, stieß mir ebenso sauer auf wie die einseitige und dadurch völlig uninteressante Erzählung – die obendrein auch einfach genau da endet, wo es spannend wird.
Und dass das Ganze (passenderweise) auch in übelster Hochglanzoptik in Szene gesetzt wird, lässt einen nicht gerade in die Geschichte oder gar die Gefühlswelt des King of Pop eintauchen. Im Gegenteil, sie schafft enorme Distanz – daran kann auch die grandiose Performance von Hauptdarsteller Jaafar Jackson nichts ändern. Das ist plump, zahm und wird seinem Protagonisten am Ende leider kein bisschen gerecht.
Wenn es euch ähnlich geht oder ihr einfach nur Lust auf eine andere Herangehensweise habt, eine Musik-Ikone zu zelebrieren, ist diese Empfehlung für euch: Mit „EPiC: Elvis Presley In Concert“ kommt am 18. Juni 2026 so etwas wie der krasse Gegenentwurf zu „Michael“ ins Heimkino. Und was für einer!
Zugegeben, hier werden ein Stück weit Äpfel mit Birnen verglichen, unterscheiden sich die Ansätze der beiden Filme doch grundlegend. Und doch teilen sie jeweils die Faszination für einen der größten Entertainer aller Zeiten – die aber eben nur in einem Fall auch wahrhaftig spürbar und erlebbar wird. Und zwar in der geradezu rauschhaften Musik-Dokumentation von „Moulin Rouge“- und „Elvis“-Macher Baz Luhrman.
"EPiC: Elvis Presley In Concert": Schweiß, Tränen und völlige Ekstase
Luhrmann trug für sein „Elvis“-Biopic Unmengen an (bislang unveröffentlichtem) Recherchematerial zusammen, aus dem er letztlich auch gleich noch einen Konzertfilm zimmerte. Dabei soll „EPiC“ gar nicht erst eine kritische Auseinandersetzung mit dem King sein oder Einblicke in sein Privatleben geben, sondern in Form von Konzerten, Proben und Backstage-Aufnahmen schlichtweg den Mann zelebrieren, dessen Charme sich einfach niemand entziehen konnte.
Ich selbst war nie großer Elvis-Fan und setze mich allgemein nur wenig mit Musik auseinander. Und doch gelang es Baz Luhrmann mit diesem Film, mich voll und ganz zu elektrisieren. Mit in herausragender Manier restaurierten Archivaufnahmen, spannenden Interviewschnipseln und natürlich der treibenden Musik von Elvis Presley – die er im Schnitt zu einem rauschhaften Cocktail vermengt, der einen aus den regelrecht Latschen kippen lässt. Man wünschte sich am Ende fast, das alles damals selbst hautnah erlebt zu haben. Immerhin gibt „EPiC“ einem rund 50 Jahre später nun aber noch einmal das Gefühl, mittendrin zu sein.
Ja, dank Baz Luhrmanns spektakulärem Dokumentarfilm wurde mir erst so richtig klar, was die Kultfigur Elvis eigentlich ausmacht – und woher die Faszination für diese kommt. Wenn dieser Typ mit seiner einzigartigen Stimme die Bühne betritt, völlig außer Rand und Band gerät und die Hüfte kreisen lässt, könnte man fast meinen, den Schweiß fast schon riechen zu können, der ihm literweise von der Stirn tropft.
Dass im Publikum völlige Ekstase ausbricht, wenn der Mittdreißiger seinen Verehrerinnen reihenweise Küsse aufdrückt – vom kleinen Mädchen bis hin zur betagten Dame –, ist dabei nicht nur nachvollziehbar, sondern ebenso verstörend wie unumgänglich. Ja, es hat fast den Anschein, Elvis kontrollierte tatsächlich wie ein König und einzig und allein mit seiner Aura die Welt, das Volk, das ihm zu Füßen liegt – und auch mich, der über ein halbes Jahrhundert später endlich versteht, was den erfolgreichsten Solokünstler aller Zeiten wahrhaftig unsterblich werden lässt. Danke, Baz Luhrmann!
Es ist übrigens nicht das erste Mal, das sich der gebürtige Australier einem Thema mehrfach widmet. Vor wenigen Jahren ließ Luhrmann auf sein Epos „Australia“ auch schon eine Serie folgen, die ihr bei Disney+ streamen könnt. Einen Vorgeschmack könnt ihr euch mit dem Trailer verschaffen:
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