Vor 67 Jahren blieb der berühmte Löwe von MGM zum ersten Mal stumm, um die Atmosphäre des Films nicht zu stören
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Der brüllende MGM-Löwe ist eines der berühmtesten Logos der Hollywood-Geschichte. Doch 1959 setzte sich der Regisseur eines elffach oscargekrönten Epos höchstpersönlich dafür ein, dass der Löwe stumm bleibt.

Wer die drei Buchstaben „MGM“ hört, hat wahrscheinlich sofort das legendäre Logo mit dem Löwen vor Augen – und dessen nicht minder ikonisches Brüllen im Ohr. Dass ausgerechnet ein Löwe zum Markenzeichen des Studios wurde, geht auf die Anfänge des Unternehmens zurück. Bereits 1923 tauchte das Tier im Vorspann von Goldwyn Pictures auf, damals noch in der Stummfilmära. Dabei handelte es sich übrigens um eine Anspielung auf die Columbia University, deren Motto „Roar, Lion, Roar“ („Brülle, Löwe, brülle“) lautet.

Als sich Goldwyn Pictures später mit Metro Pictures und Louis B. Mayer Pictures zu Metro-Goldwyn-Mayer zusammenschloss, blieb der Löwe erhalten und wurde zum festen Bestandteil der neuen Studiomarke. Im Laufe der Jahrzehnte verkörperten acht verschiedene Löwen die Rolle des berühmten „Leo“ – die damals sogar teils auf Werbetouren durch amerikanische Städte und Dörfer geschickt wurden –, doch das Prinzip ist bis heute dasselbe geblieben: Bevor der jeweilige Film beginnt, läutet das majestätische Raubtier den Kinobesuch mit seinem markanten Brüllen ein.

Dieser legendäre Regisseur wollte, dass der Löwe stumm bleibt

Der MGM-Löwe ist also eines der berühmtesten Symbole Hollywoods. Doch für einen war das Tier ein echtes Ärgernis: Regie-Legende William Wyler. Denn der wollte partout nicht, dass sein monumentales, später mit elf Oscars ausgezeichnetes Epos „Ben Hur“, in dessen erster Szene die Heiligen Drei Könige das Jesuskind besuchen, von einem laut brüllenden Löwen eingeleitet wird. Also einigte man sich auf einen Kompromiss: Der Löwe war zwar zu sehen – musste aber erstmals stumm bleiben.

1959 erklärte Wyler in einem Gespräch mit der New York Times (via Sensacine.com): „Ich habe MGM dazu überredet, weil ich glaubte, der Film würde würdevoller wirken, wenn der Löwe nicht brüllte. […] Ich wollte nicht, dass die Atmosphäre der Geburt Christi gestört wird.“

Ben Hur
Ben Hur
Starttermin 14. Oktober 1960 | 3 Std. 32 Min.
Von William Wyler
Mit Charlton Heston, Stephen Boyd, Jack Hawkins
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
4,3
Filmstarts
5,0

Im Laufe der Zeit wurde es normaler, das Logo zu variieren. In „Tarzan, der Affenmensch“ beispielsweise stieß Leo statt des üblichen Gebrülls den Tarzan-Schrei von Johnny Weissmuller aus. Vor „Der rosarote Panther“ wiederum wird der Löwe von Inspektor Clouseau und der titelgebenden Cartoonfigur unterbrochen. Und als „Der Zauberer von Oz“ im Sphere in Las Vegas gezeigt wurde, war nicht der reguläre Löwe über der Schrift zu sehen – sondern der feige Löwe aus dem Film.

Übrigens hat William Wyler nicht nur „Ben Hur“ gedreht, sondern auch den laut Tom Hanks besten Film über den Zweiten Weltkrieg. Um welches Meisterwerk es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Ein unglaubliches Werk": Das ist für Tom Hanks der beste Film über den Zweiten Weltkrieg – es ist nicht "Der Soldat James Ryan"!

Ein ähnlicher Artikel ist zuvor auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.

Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren