Familienkino ganz ohne Hektik, das sich darauf verlässt, dass das junge Publikum kein konstantes Bombardement an Reizen benötigt. Frei von ironischer Distanz oder doppelbödiger Subversion, um sich dem älteren Publikum anzubiedern – denn es vertraut darauf, dass diese über Kindsköpfe ohnehin hinwegsausenden Aspekte nicht nötig sind: Solche Filme sind nicht ausgestorben, aber sie kommen nur noch in sehr gedrosselter Taktung ins Kino!
Dabei kann solches Familienkino richtig überzeugen, wie die Disney-Studios in der Vergangenheit viele Male bewiesen haben. Etwa mit „Benji – Sein größtes Abenteuer“, einem Abenteuerfilm nahezu ohne Dialog, in dem ein mutiger Hund eine Gruppe verwaister Raubkatzenbabys beschützt. Dank einer gelungenen Mischung aus tierischem Flauschfaktor, wild-hübschen Naturschauplätzen und kindertauglichem Nervenkitzel ist der Familienfilm ein sympathischer Rücksturz in eine vergangene Kinozeit. Wenn ihr euch davon selbst überzeugen möchtet: „Benji – Sein größtes Abenteuer“ ist aktuell bei Disney+ abrufbar!
Darum geht es in "Benji – Sein größtes Abenteuer"
Der Mischlingsrüde Benji befindet sich mit seinem Trainer auf einem Bootsausflug. Als ein heftiger Sturm aufzieht, kentert das Boot und der als Filmhund tätige Vierbeiner geht über Bord. Mit Mühe und Not kann sich Benji auf eine nahezu menschenleere Insel retten. Dort wird der kleine Zottel Augenzeuge davon, wie ein Großwildjäger ein Pumaweibchen erschießt.
Somit bleiben vier Pumajungen schutzlos. Der pfiffige Hund nimmt sich dem tapsigen Quartett liebevoll an: Er begibt sich auf Nahrungssuche, wacht nachts über sie und verteidigt sie tapfer gegen Raubtiere. Und während Benjis Besitzer verzweifelt den gutmütigen Hund sucht, macht sich der tierische Held auf, geeignetere Beschützer für die Pumakleinen zu finden ...
Ein Kinder-Kinoheld aus Hollywoods rauen 70ern!
In den 1970ern begann eine knuffige Kinokarriere: Der fiktive Mischlingsrüde Benji ließ mit seinen großen Augen und seinem zotteligen, goldbraun-weißen Fell die Herzen tierlieber Filmfans höher schlagen. Los ging es 1974 mit dem Indie-Überraschungserfolg „Benji – Auf heißer Fährte“, der sentimental und niedlich daherkam. Danach absolvierte Benji Cameos in einer Western- sowie einer Krimikomödie.
Zudem stand er im Mittelpunkt eines Spionagespaßes sowie in der gefloppten, von der Presse verrissenen Krimi-Farce „Ein Himmelhund von einem Schnüffler“ mit Chevy Chase als Privatdetektiv, der als Hund wiedergeboren wird. Nach diesem Misserfolg kam es zum ersten und einzigen Mal dazu, dass Filmemacher Joe Camp seine tapsige Schöpfung in die Dienste der Disney-Studios stellte.
Tierisch gut getrickst und trainiert
„Benji – Sein größtes Abenteuer“ von 1987 kombiniert das beeindruckende Verständnis, das Regisseur/Autor Joe Camp dafür hatte, wie man abgerichtete Hunde in Szene setzt, mit der langen Disney-Tradition an Naturfilmen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Welche Ereignisse Camp uns dank eines clever gesetzten Schnitts, der hervorragend trainierten Hündin Benjean und effektiv gewählte Kamerawinkel glauben lässt, ist im besten Sinne haarsträubend!
Denn die American Humane Society hat die Dreharbeiten überwacht und ihnen ihr Gütesiegel verliehen – was angesichts davon, wie dramatisch Camp die Ereignisse aussehen lässt, kaum zu glauben ist: Wie sich Benji und seine plüschigen Schützlinge gegen einen Bären, Raubvögel, einen hungrigen Wolf und widriges Gelände behaupten, ist nervenaufreibend inszeniert – und das ganz ohne Effekthascherei. Eine kluge Filmmontage und die Macht der Suggestion genügen.
Sofern man keine Aversion gegen niedliche Tiere in Filmen hat, ist „Benji – Sein größtes Abenteuer“ daher hinreißendes Spannungskino, bei dem man den süßen Protagonisten alle Daumen drückt. Und da Camp zwar die realen Tiere am Set schonte, nicht aber die von ihnen verkörperten Tiere, wechselt sich die berührend-knuffige Wirkung von Benjis Fürsorglichkeit mit kleinen Schocks ab.
„Benji – Sein größtes Abenteuer“ wurde in derselben Folge der einflussreichen Filmkritik-Fernsehsendung „Siskel & Ebert & The Movies“ besprochen wie ein ikonischer, oft kopierter Kriegsfilm – und Gene Siskel war regelrecht wütend, dass sein Kollege Roger Ebert das Hundeabenteuer dem Militärfilm eines Meisterregisseurs vorzog. Gönnt euch ein Double Feature und entscheidet selbst, welchen der beiden Titel ihr besser findet. Wir stellen euch den Kriegsfilm-Meilenstein jedenfalls im folgenden Artikel vor:
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