Durch das Menü von Netflix wird oft schneller gescrollt, als man Blaubeerkuchen sagen kann. Doch diese Hochgeschwindigkeitssuche nach dem passenden Film endet meist eher mit schmerzenden Augen, Überforderung und Frustration. Wir ersparen euch dieses zermürbende Prozedere und empfehlen gleich drei wunderbare Werke, deren Titel ihr direkt ins Suchfeld eingeben könnt.
Dieses Mal ist für nahezu jede Gefühlslage etwas dabei: Ihr wollt euch in bittersüßer Melancholie wälzen? Check! Ihr wollt euch vor nervöser Anspannung ans Sofa krallen? Bitteschön! Oder doch lieber einfach nur herzlich kaputtlachen? Geht klar!
"Lost In Translation" (2003)
Es gibt Filme, die sind so schön, dass man am liebsten weinen möchte. „Lost In Translation“ gehört fraglos in diese Kategorie, hat Regisseurin Sofia Coppola („Priscilla“) hier doch ein unfassbar berührendes und hinreißendes Werk für die Ewigkeit geschaffen. Ihr stilles und zugleich kraftvolles Drama ist eine poetisch anmutende Großstadt-Elegie über Einsamkeit und Entfremdung, deren Lakonie und Traurigkeit immer wieder von leisem Humor durchdrungen wird.
All das würde allerdings nur halb so gut funktionieren, wenn die Chemie zwischen den beiden Stars Bill Murray („St. Vincent“) und Scarlett Johansson („Marriage Story“) nicht so derartig perfekt stimmen würde. Als alternder Schauspieler Bob Harris und dessen deutlich jüngere Zufallsbekanntschaft Charlotte, die sich beide in Japans Hauptstadt Tokio verloren fühlen, bilden sie trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede eine harmonische Einheit vor der Kamera, die auch ganz ohne Liebesszenen authentische Romantik zu erzeugen versteht.
Jede Einstellung in Coppolas Opus magnum ist atemberaubend arrangiert und fängt gekonnt das ambivalente Gefühl zwischen Schwermut und Sehnsucht ein. Hierfür erntete „Lost In Translation“ vier Oscar-Nominierungen, als Sieger ging der Film aber lediglich in der Drehbuch-Kategorie hervor. Ein zeitloses Meisterwerk!
"The Stranger" (2022)
Ebenfalls ruhig und geradezu meditativ inszeniert, ist der australische Crime-Thriller „The Stranger“. Dennoch haben wir es hier mit einem zutiefst bedrückenden und düsteren Film zu tun, der sich wie der Abstieg in eine unendliche, stockfinstere Höhle anfühlt.
Es geht darin um den Undercover-Ermittler Mark (Joel Edgerton), der Kontakt zu dem eigenbrötlerischen Henry (Sean Harris) aufbaut, um dessen Vertrauen zu gewinnen. Sein Ziel: Henry soll ein Geständnis ablegen für den einige Jahre zurückliegenden Mord an einem Jungen! Dass „The Stranger“ auf einem echten Kriminalfall basiert, verleiht der ohnehin schon beklemmenden Atmosphäre des Films zusätzliches Grauen.
Thomas M. Wrights Werk ist so ziemlich das Gegenteil von Wohlfühlkino und nimmt den Begriff Slow Burner fast schon wörtlich: Langsam und eindringlich baut der Regisseur und Drehbuchautor seine Geschichte auf, die sich dadurch umso tiefer in Kopf und Magengrube festsetzt. Hypnotische Bilder und die beiden grandiosen Hauptdarsteller runden das Ganze ab und machen den Thriller zu einem fesselnden Trip in menschliche Abgründe.
"Snatch – Schweine und Diamanten" (2000)
Das ideale Kontrastprogramm dazu bietet Guy Ritchies („The Gentlemen“) wohl bester Film seiner Karriere. In „Snatch“ liefert der Brite alles in Perfektion, was zu seinem Markenzeichen wurde: herrlich schräge Charaktere, pointenreiche Dialoge und ein genial verwobenes Story-Geflecht.
In seiner stylischen Gangster-Komödie lässt er kleinkriminelle Box-Promoter, nuschelnde Gauner und psychopathische Verbrecherbosse aufeinanderprallen, was zu brüllend komischen, absolut skurrilen und überraschenden Verwicklungen führt. Ritchie zelebriert diesen Wahnwitz mit sichtlicher Freude, ohne dabei jedoch in übertriebenen Klamauk zu verfallen.
Für „Snatch“ holte er sich einen illustren Cast vor die Linse, der mit unbändiger Spiellaune agiert und den schnoddrig-bissigen Ton seines Skripts auf den Punkt trifft. Unter anderem mischen hier die späteren Oscarpreisträger Brad Pitt und Benicio del Toro, aber auch Jason Statham, Stephen Graham und Vinnie Jones mit. Lässig, charmant, temporeich und endlos unterhaltsam – völlig zu Recht einer der großen Kult-Filme der 2000er!
Und falls ihr wissen wollt, welche Neuheiten im Juli bei Netflix landen, schaut am besten noch in unsere große Monatsübersicht rein:
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