Bananaaa! Nach vier Jahren Wartezeit kehren die Minions zurück – gewohnt chaotisch und mit wildem Sprach-Kauderwelsch. In „Minions & Monster“, dem dritten „Ich – Einfach unverbesserlich“-Spinoff, verschlägt es die kleinen gelben Helferlein nach Hollywood, wo sie dank Regisseur Max (deutsch und englisch synchronisiert von Christoph Waltz) die Lust am Filmemachen für sich entdecken und schließlich ganz Hollywoodland auf den Kopf stellen.
Regisseur Pierre Coffin spricht mit FILMSTARTS-Autorin Susanne Gietl über das Sprachkauderwelsch der Minions, wie Italien einen absoluten Minions-Fauxpas begangen hat und ungeahnte Talente von „Star Wars“-Erfinder George Lucas.
: Aurore Marechal/Getty Images for Illumination and Universal Pictures
FILMSTARTS: Bei „Minions & Monster“ führst du allein Regie. Was hat sich dadurch geändert?
Pierre Coffin: Das Thema und die Story (lacht)! Seit „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ wollte ich als Regisseur eigentlich nichts mehr mit den Minions zu tun haben. Das ist mir nicht wirklich gelungen, aber ich habe mich dann vor allem auf Kurzfilme und Marketing-Projekte konzentriert, da ich dieses Format liebe.
Als Chris Meledandri mit dem Projekt auf mich zukam, wusste er, dass ich keinen großen Minions-Film mehr drehen wollte, aber er hoffte trotzdem, dass der Funke überspringt. Dann erzählte er mir den Plot - wie die Minions einen Film über ein Monster drehen wollen, dafür eines erschaffen und schließlich die Welt vor ebendiesem Monster retten müssen. Der Monsteraspekt interessierte mich ehrlich gesagt nicht so sehr, ich wollte eher wissen, in welchem Jahr die Story spielt. Sie drehen schließlich Filme! Dann habe ich Chris gefragt, ob die Geschichte im Hollywood der 20er-Jahre spielen könnte. Sechs Monate später hatte ich ein komplettes Drehbuch.
FILMSTARTS: Charlie Chaplin und Mr. Bean sollen einen großen Einfluss auf die Minions gehabt haben. Inwiefern?
Pierre Coffin: Man könnte auch sagen, dass Mr. Bean von Charlie Chaplin inspiriert wurde. Eigentlich verweist auch jeder Animationsfilm, egal, ob von Disney, Pixar oder uns (Illumination Entertainment), auf diese Pioniere, weil Harold Lloyd, Charlie Chaplin und Buster Keaton genau verstanden haben, worauf es beim Slapstick ankommt. Deshalb gelten sie im Animationsstudium als Referenzen. Ihre Filme sind universell und zeitlos. Ich habe sie auch meinen Kindern gezeigt. In den ersten fünf Minuten ist es ihnen seltsam vorgekommen, einen Schwarzweißfilm zu sehen, dann wurden sie einfach in die Geschichte hineingezogen, obwohl es weder Stimme noch Farbe gibt. Da geschieht einfach etwas Magisches.
FILMSTARTS: Also ist deine Liebe zum Film in den Stummfilmklassikern begründet?
Pierre Coffin: Nun, der Grund, warum ich Filme mache, ist folgender: Als ich noch sehr jung war, 1976 vielleicht auch 1977, wurde mein Vater als Diplomat in die USA versetzt. Ich besuchte eine französische Schule und sprach nur Französisch, und dann – bäm! – folgte ich ihm und blieb drei Jahre in den Staaten. Ich war damals noch ein kleines Kind, etwa zehn Jahre alt. Ich bin mit meinen Eltern viel ins Kino gegangen. Als ich ankam, wollte er unbedingt, dass wir uns den Film ansehen, von dem alle reden. Er brachte mich also in dieses Filmtheater, wo sich im Vergleich zu Frankreich alles riesig für mich anfühlte.
FILMSTARTS: Welcher war das?
Pierre Coffin: „Star Wars“!
FILMSTARTS: Was faszinierte dich daran?
Pierre Coffin: Alles! Die Spezialeffekte und die Soundeffekte waren so anders als in allen anderen Filmen, die ich gesehen hatte. Es war einfach unglaublich. Mal abgesehen von den visuellen Effekten, war es die Musik, die Geschichte und wie sie erzählt wurde. Von diesem Tag an wusste ich, was ich unbedingt einmal machen wollte. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages da lande, wo ich heute stehe. Ich bin da durch pures Glück und harte Arbeit reingerutscht, aber auch, weil ich die richtigen Leute getroffen habe. Und vielleicht auch, weil ich einfach ein netter Kerl bin. Aber ja, „Star Wars“ war der absolute Wendepunkt für mich.
FILMSTARTS: Womit wir dann auch gleich bei George Lucas wären, der in „Minions & Monster“ in einem Filmmuseum in einer Glasvitrine ausgestellt wird…
Pierre Coffin: …und man hört tatsächlich seine Stimme! Als ich meinen Produzenten gefragt habe, ob wir George Lucas für eine Szene im Film-Museum engagieren könnten, rief er ihn an, weil er George Lucas kannte. Am darauffolgenden Sonntag kam er gleich ins Tonstudio, weil er gerade in Paris war. 30 Minuten lang hat er seinen Text eingesprochen und das war’s. Ich hab‘ dann natürlich noch Fotos mit ihm gemacht.
FILMSTARTS: Wie hat sich George Lucas über die Minions geäußert?
Pierre Coffin: Er kennt die Minions, weil seine Stieftochter sie sehr mag. George Lucas kann sogar die Minions imitieren und fing auch im Studio an, Minionesisch zu sprechen. Ich war sehr sehr stolz.
Universal
FILMSTARTS: Die Sprache der Minions wird auch „Banana Language“ genannt. Woher kommt die Bananensucht der Minions?
Pierre Coffin: In meiner früheren Serie „Pat & Stan“ (2004 bis 2017) wollte ich, dass eine der Figuren ein Verlangen nach etwas entwickelt. Das war dann einfach eine Banane. Bei den Minions wollte ich, dass sie Heißhunger auf etwas bekommen und dachte einfach: Na klar! Sie sind ja gelb! Vielleicht sind sie gelb, weil sie irgendwann mal zu viele Bananen gegessen haben oder weil sie sich hauptsächlich von Bananen ernähren. Man könnte also sagen, dass ich wieder aus reiner Faulheit Bananen verwendet habe - oder weil Minions und Bananen einfach gut zusammenpassen.
FILMSTARTS: Die Minions gibt es seit über 15 Jahren. Sie sprechen ein Kauderwelsch aus Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Indonesisch, Koreanisch und Russisch. Was ist die lustigste Anekdote hinter den Kulissen der kleinen gelben Arbeiter?
Pierre Coffin: Die Italiener haben die Minions bei „Ich - Einfach unverbesserlich“ (2010) einfach synchronisiert! Sie haben dabei alles, was die Minions sagen, in klares Italienisch übersetzt. Universal und ich haben sie dann darauf hingewiesen, dass das so nicht in Ordnung sei, weil der Zauber der Charaktere gerade darin liegt, dass man die Minions hoffentlich irgendwie versteht, auch wenn ihre Sprache eigentlich Kauderwelsch ist. Bei einem Meeting habe ich den Italienern dann vorgeschlagen, mehr italienische Worte einfließen zu lassen. In der Szene in „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ (2013), in der die Minions von einer Eismaschine eingesaugt werden, rufen sie „Gelato!“, „Gelato!“ Das war nur für die Italiener.
FILMSTARTS: Man versteht die Minions immer irgendwie. Das ist gut so, weil in „Minions & Monster“ eine Kauderwelsch-Szene ganze 15 Minuten lang dauert. Warum funktioniert das so gut?
Pierre Coffin: Meine Mission ist es, dass jede Szene und jedes Setting einen kleinen Teil der Handlung vermittelt. Spricht ein Minion mit einer menschlichen Figur, - meist der Hauptfigur - versteht sie auf magische Weise, was der Minion sagt. Es ist wie eine kleine Melodie. Kommt zum Beispiel das Wort ‚Rat‘ vor, muss die menschliche Figur zum Beispiel um Rat fragen. Manchmal probiere ich auch einfach etwas anderes aus und schreibe die Szene so lange um, bis jeder einigermaßen nachvollziehen kann, was vor sich geht.
FILMSTARTS: Bei „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ (2013) bist du als Stimme von 899 Minions (also allen) gelistet. Wie viele Minions sind es dieses Mal?
Pierre Coffin: Ich weiß nicht, wer sich diese Zahl ausgedacht hat. Ich habe sie auf IMDb gesehen und dachte nur: Wie kommt man denn darauf? Wurden die Minions durchgezählt? Das habe ich noch nie. Daher weiß ich es auch dieses Mal nicht.
FILMSTARTS: Hast du einen Favoriten beim Synchronisieren?
Pierre Coffin: Nicht wirklich. Es sind schließlich die Minions! Natürlich gibt es Haupt-Minions. Ich mag sie eigentlich alle, weil jeder von ihnen einen anderen Charakter verkörpert. Dieses Mal ist sogar ein gehörloser Minion (Ed) dabei, der in Gebärdensprache spricht - aber auch er redet wie die anderen Minions Kauderwelsch. Nur eben mit Gebärden.
FILMSTARTS: Diesmal singen die Minions nur ganz am Anfang. Gefällt es dir nicht, wenn sie singen?
Pierre Coffin: Ich liebe es, zu singen! Mit Minionstimme hört es sich irgendwie gut an, obwohl sich meine Stimme ungepitcht nicht so gut anhört. Ich wollte noch mehr Songs an weiteren Stellen platzieren, aber es hat sich bei „Minions & Monster“ nicht richtig angefühlt. Vielleicht beim nächsten Mal. Ich bleib‘ auf jeden Fall dran.