"Ich wollte etwas zeigen, was Horrorfans noch nie zuvor gesehen haben": Das große FILMSTARTS-Interview mit Corin Hardy zu "Whistle"
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Seitdem er nach „Scream“ eine Woche lang nicht schlafen konnte, jagt er diesem Gefühl hinterher – und schaut deshalb so gut wie jeden Horrorfilm.

Sieben Jahre, nachdem er einen der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten abgeliefert hat, meldet sich Regisseur Corin Hardy auf der großen Leinwand zurück – und wir haben ihn zu seinem Comeback mit „Whistle“ angemessen ausgefragt …

Auf den ersten Blick wirkt „Whistle“ (Kinostart: 7. Mai) mit seinem Plot um ein verfluchtes Maya-Artefakt womöglich etwas generisch. Aber der Schein trügt! Nicht umsonst lautet das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik: „Solche Todesszenen habt ihr garantiert noch nie gesehen!“ Denn wer das Geräusch der titelgebenden Todespfeife vernimmt, wird fortan von seinem eigenen zukünftigen Tod heimgesucht: Wer eigentlich erst in 50 Jahren sterben würde, verreckt nun schon im Teenager-Körper an Altersschwäche – und wer irgendwann bei einem Hausbrand umgekommen wäre, fängt nun eben ganz spontan Feuer, notfalls sogar unter der Dusche.

Drehbuchautor Owen Egerton hat sich tatsächlich was einfallen lassen, um aus diesem Konzept möglichst kreative und abgefahrene Sterbe-Szenarien herauszuholen – und Regisseur Corin Hardy („The Hallow“) setzt sie wirklich kongenial um. Sieben Jahre nach seinem Grusel-Blockbuster „The Nun“ (weltweites Box Office: 366 Millionen Dollar) meldet sich der britische Filmemacher nun endlich wieder im Kino zurück – und als wir ihn per Zoom angefunkt haben, saß er gerade an einer Werkbank umgeben von allerlei selbst gebastelten Monstern und anderen Horror-Memorabilien …

FILMSTARTS: Ist das deine private Garage?

Corin Hardy: Das ist mein Workshop – und damit auf gewisse Weise auch ein Blick in die Schaltzentrale meines Gehirns. Ich habe hier alle möglichen Modelle und Requisiten aus den Filmen, die ich gemacht habe – und auch sonst noch eine ganze Reihe von Monstern und solchen Dingen.

FILMSTARTS: Ich habe da auch schon die Nonne im Hintergrund gesehen. Mit „The Nun“ hast du 2018 einen der fünf erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten gedreht. Warum hat es im Anschluss jetzt sieben Jahre bis zu deinem nächsten Kinofilm „Whistle“ gedauert? Hast du dir da selbst zu viel Druck gemacht?

Corin Hardy: Ich habe als Filmemacher immer eine Handvoll Projekte parallel am Laufen. Nach „The Nun“ bin ich wieder zurück zu meiner Version von „The Crow“, an der ich auch vorher schon gearbeitet hatte und in der Jason Momoa die Titelfigur spielen sollte. Aber das hat sich zerschlagen. Dann habe ich einige Folgen von „Gangs Of London“ inszeniert – für mich nicht nur ein ganz neues Genre, sondern auch meine erste Serie. Und das lief so gut, dass ich bei Staffel zwei die Showrunner-Rolle übernommen habe. Also „The Crow“, TV, die Covid-Lockdowns – und jetzt zurück im Kino mit „Whistle“.

Wirklich schaurig: „Whistle“-Regisseur Corin Hardy zeigt im FILMSTARTS-Interview stolz das titelgebende Maya-Artefakt vor! Webedia
Wirklich schaurig: „Whistle“-Regisseur Corin Hardy zeigt im FILMSTARTS-Interview stolz das titelgebende Maya-Artefakt vor!

FILMSTARTS: Ich habe mir vorher bewusst nichts angesehen, weder den Trailer noch das Poster. Da hast du mich mit der ersten Szene bei einem Highschool-Basketballspiel ganz schön hereingelegt: Ich dachte nach den ersten zehn Minuten tatsächlich, es geht in „Whistle“ um eine dämonische Schiedsrichter-Pfeife …

Corin Hardy: Das habe ich bisher von niemandem gehört, aber es gefällt mir. Ich hoffe nur, es war dann anschließend keine Enttäuschung, wenn die „richtige“ Pfeife auftaucht …

FILMSTARTS: Nein, keine Sorge. Aber jetzt beim Marketing ist das doch vermutlich gar nicht so einfach: Vordergründig geht es in „Whistle“ um eine Todespfeife der Mayas. Aber verfluchte Gegenstände haben wir im Horrorkino schon häufig gesehen. Das eigentlich Spannende an „Whistle“ ist ja vielmehr die Art und Weise, wie die Pfeife ihre Opfer tötet – denn sowas habe ich tatsächlich noch nie gesehen, und das empfand ich als wirklich kreativ. Wie erklärst du Leuten das Alleinstellungsmerkmal deines Films?

Corin Hardy: Es gab natürlich schon immer dämonische Objekte im Kino – von der VHS-Kassette in „The Ring“ bis zur Puzzlebox in „Hellraiser“. Aber ich habe noch keinen Film gesehen, der auf der Mythologie der Maya-Todespfeifen beruht. Owen Egerton hat sich dazu in einem Skript einen eigenen Spin ausgedacht: „Wer den Ton der Pfeife vernimmt, der wird fortan von seinem eigenen zukünftigen Tod gejagt.“ Das ist ein simples, aber unheimlich effektives Konzept. Der Tod wartet dein ganzes Leben lang auf dich – aber wenn du die Pfeife hörst, zieht das den Tod an dich heran und statt irgendwann im hohen Alter wird er dich schon in den nächsten paar Tagen erreichen.

Im Finale wird’s noch richtig heftig

FILMSTARTS: Die ersten zwei Drittel glaubte ich noch: „Okay, super Konzept und die Todesarten sind nicht nur kreativ, sondern auch sehr abwechslungsreich, also genau so, wie ich es mir von einem Slasher erhoffe.“ Nur in Sachen Grausamkeit hält sich „Whistle“ lange Zeit zurück, weshalb ich schon dachte, ihr würdet euch im Sinne einer niedrigeren Jugendfreigabe vornehm zurückhalten. Aber da habe ich mich ganz schön geirrt, denn im letzten Drittel gebt ihr in der Hinsicht noch mal richtig Gas. Wie habt ihr entschieden, wie weit ihr mit den teils grotesken Gewaltspitzen am Ende wirklich gehen wollt?

Corin Hardy: Mir ist schon beim ersten Lesen des Skripts sofort aufgefallen, dass die Sterbeszenen alle so verschieden sind – und das macht für mich einen Teil der Freude an Horrorfilmen aus. Aber zugleich war es natürlich auch eine zentrale Herausforderung, all diese verschiedenen Todesarten zu visualisieren. Ich wollte da in die Vollen gehen und etwas zeigen, was Horrorfans so noch nie zuvor gesehen haben – zugleich aber auch sicherstellen, dass die Sequenzen ihre Körperlichkeit nicht einbüßen. Was dem Typen da in der vermeintlichen Sicherheit seines Schlafzimmers passiert – ich will es jetzt nicht spoilern, aber man spürt den vollen Impact selbst als Regisseur erst, wenn man mit dem Schnitt und den Effekten fertig ist.

FILMSTARTS: Aber wie hast du deinen Effekt-Leuten überhaupt erklärt, wie das Ganze aussehen soll? Mich hat es an ein Computerspiel erinnert, in dem eine Figur in einem Auto über eine Straße fährt, aber ein Bug dafür sorgt, dass das Automodell selbst nicht geladen wird …

Corin Hardy: Das ist eine gute Beschreibung. Aber ich möchte, dass die Leute es im Kino zum allerersten Mal erleben, deshalb nur allgemein: Mir war es wichtig, die Todesarten so verschieden wie möglich umzusetzen – und deshalb habe ich so viele unterschiedliche Elemente mit eingebracht: Kostüme, handgemachte Requisiten, Stunts, Sprengkapseln, visuelle Effekte, praktische Effekte, Puppenspiel und Animatronics.

Was die bisherigen Online-Reaktionen auf „Whistle“ angeht, scheinen die Verantwortlichen mit der Besetzung von Dafne Keen und Sophie Nélisse einen Volltreffer gelandet zu haben. Leonine
Was die bisherigen Online-Reaktionen auf „Whistle“ angeht, scheinen die Verantwortlichen mit der Besetzung von Dafne Keen und Sophie Nélisse einen Volltreffer gelandet zu haben.

FILMSTARTS: „Whistle“ hatte seine Weltpremiere auf dem Fantastic Fest. Wie ging es dir da in der ersten Hälfte des Films, wo du ja wusstest, was da noch kommt – und dass das genreaffine Publikum wahrscheinlich gleich völlig ausrasten wird …

Corin Hardy: Zum Glück sind sie es tatsächlich, und das war großartig. Aber man kann sich da nie sicher sein, bis man es tatsächlich live erlebt. Natürlich habe ich schon beim ersten Lesen gedacht, dass diese Szene beim Publikum super ankommen müsste – aber man kann es einfach nicht hundertprozentig sagen, wenn man den Film bislang nur für sich allein gesehen hat.

FILMSTARTS: Ich bin Horrorfan – und deshalb spreche ich gerade die ganze Zeit mit dir über die abgefahrenen Todesarten. Aber nach dem Sichten habe ich online recherchiert und dort sind die meisten Fans vor allem gehypt, weil Dafne Keen aus „Logan – The Wolverine“ und Sophie Nélisse aus „Yellowjackets“ als Liebespaar mit an Bord sind. Warst du dir bewusst, was für eine große Nummer das wird, als du die beiden gecastet hast?

Corin Hardy: Nein, aber es freut mich, das zu hören. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es schon im Skript ein sehr ehrliches Porträt einer jungen Liebe ist – aber als ich Dafne und Sophie gecastet habe, blieb mir nur die Hoffnung, dass die beiden eine gute Chemie zusammen haben, denn ehrlich gesagt blieb uns vorab nicht so viel Zeit für die Vorbereitung mit den Schauspielenden. Man versucht also alles, um da eine gewisse Elektrizität herauszukitzeln – und ich war dann ganz begeistert, dass die beiden auch abseits des Sets super miteinander klargekommen sind. Sie kannten sich schon seit Jahren – und genau das kommt jetzt auch auf der Leinwand rüber, diese leise, zärtliche Romanze, während um sie herum der Horror losbricht.

FILMSTARTS: Wie es sich für einen anständigen Horrorfilm gehört, gibt es auch in „Whistle“ eine absolute Genre-Ikone in einer Nebenrolle. Bei dir ist es Nick Frost als creepy Lehrer. War er deine erste Wahl?

Corin Hardy: Mein guter Freund Edgar Wright und ich sind fast schon zusammen aufgewachsen, seit wir 15 oder 16 Jahre alt waren. Am Set von „Shaun Of The Dead“ habe ich dann durch ihn auch Simon Pegg und Nick Frost kennengelernt. Ich habe Nick also schon lange bewundert und mich schon immer gefragt, wo ich eine Rolle für ihn finden könnte. Ich wollte immer, dass sich „Whistle“ wie eine zeitlos gute Unterhaltung anfühlt, inspiriert von Filmen wie „The Lost Boys“. Und da bringt Nick als Englischlehrer genau das richtige Maß an unbeschwerter Auflockerung mit rein …

„Whistle“ läuft ab dem 7. Mai 2026 in den deutschen Kinos – und wenn ihr Filme lieber im Original schaut, haben wir hier auch noch den englischsprachigen Trailer für euch:

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