Eine in der Wildnis gestrandete Familie, die sich mit erfinderischem Tatendrang und nahezu nimmermüdem Optimismus gegen die Gefahren von Flora und Fauna sowie eine wüste Piratenbande behauptet: Mit dieser Geschichte legten die Disney-Studios einen Sensationserfolg hin – jedenfalls in den USA.
Denn dort nahm „Dschungel der 1000 Gefahren“ 1960 rund 8,1 Millionen Dollar an den Kinokassen ein – das genügte damals laut Branchenblatt Variety für einen Platz in den Top 20 der größten Erfolge der Geschichte! In Deutschland hinterließ der Mix aus wohltuender Familienkomödie, rasanter Slapstick-Action und Abenteuer vor eindrucksvoller Kulisse deutlich weniger Spuren: Gemäß der Expertenseite Insidekino wurden bei der Erstaufführung anno 1965 bloß rund 200.000 Tickets verkauft.
Kein Wunder, dass die mit allerlei wilden sowie gezähmten Tieren, imposanter Flora und einfallsreichen Bauten punktende Robinsonade für mehrere US-Generationen einen innigen Nostalgiefavoriten darstellt, während sie in Deutschland ein Nischendasein fristet. Aber wenigstens kann man sie ganz leicht im Streaming nachholen: „Dschungel der 1000 Gefahren“ ist bei Disney+ abrufbar!
Darum geht es in "Dschungel der 1000 Gefahren"
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Familie Robinson will den Napoleonischen Kriegen entfliehen, erleidet jedoch aufgrund eines Piratenangriffs Schiffbruch. Die Unglücksvögel und zwei Deutsche Doggen können sich bloß mit Mühe und Not auf eine einsame Tropeninsel retten. Vater und Mutter Robinson (John Mills und Dorothy McGuire) bleibt nichts anderes übrig, als ihren Söhnen Fritz (James MacArthur), Ernst (Tommy Kirk) und Francis (Kevin Corcoran) ein denkbar angenehmes, geborgenes Leben im menschenleeren Paradies zu ermöglichen.
Also wird mit Optimismus, Einfallsreichtum und klugem Einsatz der vorhandenen Ressourcen ein naturverbundenes, dennoch an den Komfort der alten, gewohnten Heimat angelehntes Tropendasein eingeläutet. Allerdings sorgen das unberechenbare Wetter und die angriffslustige Tierwelt immer wieder für neue Bedrohungen.
Und dann sind da noch die lästigen Piraten unter Anführer Kuala (Sessue Hayakawa), die im Umkreis der Insel ständig Gefangene machen. Als die Robinsons ein Opfer der Piraten (Janet Munro) retten, bedeutet das endgültig Krieg zwischen den friedlichen Geflüchteten aus der Schweiz und der aggressiven Seeräuberbande...
Prächtige Bauten, schillernde Tierwelt und paradiesische Inselimpressionen
„Dschungel der 1000 Gefahren“ wurde auf der Tropeninsel Tobago sowie auf detailreich ausstaffierten Sets in den britischen Pinewood-Studios gedreht. Regisseur Ken Annakin und sein Filmeditor Peter Boita vereinen das Studiomaterial gekonnt mit den unter freiem Himmel gedrehten Passagen – und konnten noch dazu auf betörend schöne, überzeugende Effektmalereien von Peter Ellenshaw („Mary Poppins“) zählen.
Darüber hinaus profitierte Annakin, der auch den gewitzten Megahit „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ inszenierte und zum Regie-Team des Kriegsepos „Der längste Tag“ gehörte, von fähigen Tiertrainern: „Dschungel der 1000 Gefahren“ ist reich an wilder sowie domestizierter Fauna, wie etwa einem hungrig den Figuren auflauernden Tiger, 40 Affen, sechs Straußen, einem Geparden und Hyänen. Auch ein tapsiger Elefant, vier friedliche Zebras, zahlreiche Flamingos, eine 250 Pfund schwere Anakonda und ein bedrohlicher Hai zählen zur alles in allem 500 Tiere umfassenden Menagerie dieses Films.
Ähnlich, wie sich die Robinsons mit manchen Tieren anfreunden, gelingt es Annakin, die Tierwelt ebenso niedlich-faszinierend und bewundernswert wie gefährlich und respekteinflößend in Szene zu setzen. Doch nicht nur die Tiere und die wundervollsten Winkel auf Tobago werden von „The Wicker Man“-Kameramann Harry Waxman in kräftigen, prächtig-bunten Bildern eingefangen, sondern auch das 61 Meter hohe, in echt errichtete Baumhaus der Robinsons, mit dem Szenenbildner John Howell eine der pfiffigsten Locations der Disney-Realfilmgeschichte erschaffen hat:
Pompös, heimelig und urig zugleich, ist das geräumige Luxusbaumhaus mit Schlafzimmerschiebedach, Kokosnussschalen-Wasserrad und malerischem Ausblick eine wahrlich einzigartige Traumbleibe.
Ein turbulentes Finale
Den Großteil des Films über wechseln sich familienfreundliche Survival-Abenteuereinlagen mit humorvollen Familienkonflikten und Situationskomik über den kuriosen Lebensstandard der Robinsons ab. So wird in kurzer Abfolge eine Riesenschlangen-Attacke abgewehrt, ein Zebra aus einer Treibsandfalle gerettet und Weihnachten vor Regenwaldkulisse gefeiert.
Diese episodenhafte Struktur gerät dank der amüsanten Abenteuerromantik, die Annakins Regieführung und Lowell S. Hawleys Skript heraufbeschwören, gefällig – zumal das Ensemble überzeugend miteinander harmoniert und es so leichter macht, sich dieser Erzählformel hinzugeben.
Im Schlussakt wird aber nochmal richtig geklotzt: Die marodierende Piratenbande wird von den Robinsons durch eine Vielzahl an improvisierten Waffen und pfiffig gebastelten Fallen abgewehrt, was in temporeiche, quirlig-absurde Slapstick-Action mündet. Das mutet intensiv nach einem zum Realfilm mutierten Donald-Duck-Cartoon an – und wirkt außerdem ein wenig, als sei dies der 30 Jahre ältere Vorfahr von „Kevin – Allein zu Haus“ im Tropensetting.
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