Dass der japanische Meisterregisseur Akira Kurosawa eine lange Reihe an starken Filmen mit kühner, dynamischer Bildsprache über den Teufelskreis der Gewalt gedreht hat, ist cinephiles Allgemeinwissen. Und selbst unter denjenigen, die noch nie einen Kurosawa-Film gesehen haben, ist es ein weit verbreiteter Fakt, dass der „Star Wars“-Kosmos ohne das Schaffen des 1998 verstorbenen Filmemachers nicht so existieren würde, wie wir ihn kennen.
Denn George Lucas bediente sich an einigen von Kurosawas Arbeiten, darunter am Abenteuer-Epos „Die verborgene Festung“ sowie den Samurai-Meilensteinen „Yojimbo – Der Leibwächter“ und „Sanjuro“. Ein weiterer Film, der sich seinen Weg in die „Star Wars“-DNA gebahnt hat, ist der humanistisch-poetische, auf wahren Ereignissen basierende „Uzala, der Kirgise“.
Das Drama über interkulturellen Austausch, das Aufbauen gegenseitiger Sympathie und den Umstand, dass man sich wertschätzen kann, ohne sich vollauf zu verstehen, ist von atemberaubend schönen Naturbildern geprägt. Jetzt ist ein willkommener Zeitpunkt, um Kurosawas still-schönes, mit dem Oscar als bester internationaler Film prämiertes Epos nachzuholen (oder erneut zu erleben). Denn diese Woche ist „Uzala, der Kirgise“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray erschienen und hat parallel dazu eine DVD-Neuauflage erhalten.
Als Bonusmaterial weisen die DVD und die Blu-ray einen Audiokommentar von Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen, Interviews mit Nebendarsteller Juri Solomin, Trailer und ein Making-of auf.
Darum geht es in "Uzala, der Kirgise"
1902: Unter dem Kommando des russischen Forschers und Offiziers Wladimir Arsenjew (Juri Solomin) begibt sich ein kleines Expeditionsteam zu Fuß nach Sibirien, um das unwegsame Ussuri-Gebiet und die unerfoschten Gebiete der Taiga kartografisch zu erschließen. Dort lernen sie den einheimischen Nomaden und Jäger Dersu Uzala (Maksim Munzuk) kennen, der den Forschern wiederholt das Leben rettet. So keimt eine Freundschaft zwischen dem Offizier und dem Nomaden auf, die Jahre später durch eine erneute Expedition bekräftigt werden soll...
Eines der poetischsten Motive aus dieser schwelgerischen Ode an die Natur und komplexen Hymne an Freundschaft, diente als Vorlage für eine ikonisch gewordene Szene im ersten „Star Wars“-Teil: Die zentralen Figuren schauen gen Himmel, wo gerade Sonne und Mond zugleich zu erkennen sind – ein bewegender Moment, der nicht nur bildschön fotografiert ist und in seiner Ästhetik eindrucksvoll für sich steht, sondern zugleich stillschweigend Bände über Gegensätzlichkeiten und kurzlebige, malerische Koexistenz spricht.
Disney und seine verbundenen Unternehmen / Filmjuwelen
Lucas nutzte die Bildkomposition als ästhetische Inspiration für den Augenblick, in dem sich Luke Skywalker dem Untergang der beiden Sonnen Tatooines zuwendet – eine Szene, die im weiteren Verlauf des Franchises wiederholt aufgegriffen wurde. Und auch „Das Imperium schlägt zurück“ wäre ohne „Uzala, der Kirgise“ ein anderer Film: Lucas nutzte Uzala und seine Art, das russische Expeditionsteam mit Witz, Güte und Weisheit auf die sibirische Wildnis vorzubereiten, als Vorbild für Yoda.
Maxim Munsuk spielt Dersu Usala, der entgegen des deutschen Filmtitels kein Kirgise, sondern Nanai ist, allerdings deutlich geerdeter und einfühlsamer als Puppenspieler Frank Oz letztlich die an ihn angelegte „Star Wars“-Rolle geben sollte. Und der im Laufe von drei Jahren unter widrigen Bedingungen gedrehte Kurosawa-Film verfolgt selbstredend eine wesentlich ruhigere, das Publikum zur Introspektive inspirierende Erzählform als die Sternenkrieg-Saga.
Und wenn ihr einen actionreicheren, aber ebenfalls einflussreichen Klassiker sehen möchtet, der auch auf das „Star Wars“-Franchise abgefärbt habt, solltet ihr unseren folgenden Heimkino-Tipp nicht verpassen:
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