Er wurde als Propagandafilm anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der russischen Revolution in Auftrag gegeben. Doch was Sergej Eisenstein aus „Panzerkreuzer Potemkin“ formte, war mehr als man von ihm forderte: Mit einer universellen, wuchtig erzählten Geschichte des Widerstands gegen Unterdrückung und Ausbeutung, einem für 1925 nahezu beispiellos schnellen Schnitt und packend konstruierten Sequenzen stieg er zum international gefeierten, einflussreichen Klassiker auf.
Allgemein beeinflusste Eisenstein ein Umdenken, wie Filmschaffende Szenen konstruieren und Affektreaktionen beim Publikum hervorrufen. Ganz speziell wurde die ikonische Sequenz, in der auf einer monumentalen Treppe ein Massaker an der Zivilbevölkerung veranstaltet wird, in zahllosen Filmen imitiert und parodiert, etwa in „Bananas“, „Brazil“, „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ und „Die nackte Kanone 33 1/3“.
Umfassender ließ sich das Team hinter der meisterhaften Serie „Andor“ von „Panzerkreuzer Potemkin“ inspirieren, weshalb eine der schmerzhaftesten und aussagekräftigsten „Star Wars“-Passagen im großen Stil auf Eisensteins Meisterwerk fußt. Nun gelang dem cineastischen Meilenstein, der von der FILMSTARTS-Redaktion zu einem der 50 besten Kriegsfilme aller Zeiten gewählt wurde, ein wichtiger Sprung: Diese Woche ist „Panzerkreuzer Potemkin“ erstmals im deutschen Heimkino auf Blu-ray erschienen!
Die Edition aus dem Hause Filmjuwelen enthält „Panzerkreuzer Potemkin“ in der 2005 rekonstruierten Original-Schnittfassung mit der Originalmusik von Edmund Meisel sowie die gekürzte deutsche Kinofassung aus den 1950er-Jahren, wahlweise mit der Originalmusik oder den 1950 komponierten Klängen von Nikolai N. Kjukow.
Darum geht es in "Panzerkreuzer Potemkin"
1905 im Zarenreich: Die Kluften zwischen den Ständen vergrößern sich und mit ihnen der Unmut der Bevölkerung. Doch die Mächtigen überreizen die Situation! Als der Besatzung des Panzerkreuzers Fürst Potemkin, der im Hafen von Odessa vor Anker liegt, verdorbenes Fleisch vorgesetzt wird, kommt es an Bord zu Protesten. Die will der Kommandant mit Gewalt unterdrücken, doch damit entzündet er das Pulverfass:
Es bricht eine Meuterei aus, woraufhin die zaristische Armee herbeigerufen wird. Als sich das Kriegsschiff auf offene See flüchtet, wird es von einem Admiralsgeschwader empfangen – das sich entgegen aller Erwartungen mit den meuternden Matrosen verbrüdert. Das lodernde Feuer des Widerstands erreicht auch die Bevölkerung an Land, gegen die prompt brutal vorgegangen wird. Viele Menschen sterben, doch die Revolution lässt sich nicht mehr aufhalten...
Vage von der Historie inspirierte Fiktion, die Kino- und Seriengeschichte geschrieben hat
Der überwältigende Großteil von „Panzerkreuzer Potemkin“ ist rein fiktiv. Doch die Nachwirkungen dieses Klassikers sind historisch: Eisensteins aufrüttelnde, für ihre Zeit überaus erschütternde Inszenierung hatte die Kraft, selbst verhärmte, regressive Gemüter auf die Seite des Widerstands zu ziehen. Wohl auch deshalb litt dieser Rebellenfilm in vielen Ländern unter dem Einschreiten der Zensur – hierzulande etwa wurde 1926 zeitweise die Aufführung selbst einer stark gekürzten Fassung verboten.
Es benötigte die vereinten Kräfte von Stimmen aus Politik, Kultur und Presse, um dieses Verbot aufzuheben. Trotzdem gelangte daraufhin bloß eine zensierte Fassung mit strengem Jugendverbot auf die hiesigen Leinwände. Solche Zustände gibt es in Deutschland glücklicherweise nicht mehr: „Panzerkreuzer Potemkin“ hat uncut eine FSK ab zwölf Jahren – genauso wie die prominenteste Referenz auf diesen Kino-Meilenstein, die in der jüngeren Vergangenheit entstanden ist.
Denn „Wer bist du?“, die achte Episode der zweiten „Andor“-Staffel, nährt sich in seiner Thematik, Struktur, Bildsprache und Emotionsgewalt aus zwei bahnbrechenden (Anti-)Kriegsklassikern – „Panzerkreuzer Potemkin“ und „Schlacht um Algier“. Die von Janus Metz Pedersen („Borg/McEnroe“) inszenierte und von „Nightcrawler“-Macher Dan Gilroy verfasste Episode ist fesselnd erzählt und vereint harsche Charaktermomente mit einer scharf beobachteten Argumentationskette über das Vorgehen faschistischer Kräfte und die Dringlichkeit des Widerstands.
Nicht nur für FILMSTARTS-Autor Björn Becher, sondern auch für den Verfasser dieses Heimkino-Tipps zählt der tragische, brachiale Verlauf dieser „Andor“-Episode zu den beeindruckendsten Momenten im gesamten „Star Wars“-Kosmos! Und wenn ihr darüber hinaus einen von „Schlacht um Algier“ beeinflussten, aktuellen Filmtipp sehen möchtet: Einer der diesjährigen Oscar-Kandidaten ist von dem Klassiker inspiriert und bietet zudem eine der stärksten Verfolgungsjagden der Kinohistorie!
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