Er hat über 14 Millionen Menschen in die Kinos gelockt: Deutscher Klassiker läuft heute ohne Werbung im TV
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Heute läuft ein Oscar-nominierter Klassiker des deutschen Kinos ohne Werbung im TV: „Der Hauptmann von Köpenick“ mit einem herausragenden Heinz Rühmann ist entlarvend und komisch zugleich!

Es war eine List, die Schlagzeilen machte und Geschichte(n) schrieb: Friedrich Wilhelm Voigt gab sich im Oktober 1906 als zackiger Offizier aus, um sich Gehör und Reichtum zu verschaffen. Die List war so außergewöhnlich, dass der Schriftsteller Carl Zuckmayer sie als Vorlage für das sozialkritische, humorvolle Drama „Der Hauptmann von Köpenick“ nutzte.

Seither ist die Geschichte ein entlarvendes, amüsantes Stück Kulturgut. Schließlich ist die Idee eines Mannes, der in ins Straucheln gerät und daraufhin nicht mehr in die Ordnungsvorstellung des Staates passt, weshalb sich nur mit dreisten Betrügereien Respekt verschaffen kann, zeitlos aktuell. Der Schelmenstreich über Obrigkeitshörigkeit, einen am Volk vorbei handelnden Staatsapparat und ungesunde Militärfaszination wurde mehrfach adaptiert.

Die mit Heinz Rühmann erstklassig besetzte Verfilmung von 1956 lockte sogar über 14,56 Millionen Menschen in die deutschen Kinos – nun läuft sie ohne Werbung erneut im Free-TV: Heute, am 20. Juli 2026, zeigt der NDR „Der Hauptmann von Köpenick“ ab 22.45 Uhr. Ihr könnt den Klassiker aber auch auf mehreren Plattformen als VOD beziehen, darunter bei Amazon Prime Video.

Darum geht es in "Der Hauptmann von Köpenick"

Berlin um die Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert: Wilhelm Voigt (Heinz Rühmann) bekam als junger Mann wegen eines kleinen Vergehens 15 Jahre Haft aufgebrummt. Nach seiner Freilassung versucht er, eine neue Existenz aufzubauen, doch er gerät prompt in einen bürokratischen Teufelskreis. Er will ehrliches Geld verdienen, aber ohne Papiere erhält er keine Arbeit und ohne Arbeitsnachweis werden ihm die Papiere verweigert.

Als er einen Ausweg aus dieser Klemme sucht, landet er schon wieder im Zuchthaus. Als erneuter Häftling beweist er einen erstaunlichen Sinn für militärisches Denken, das ihm später zugute kommt: Nach seiner zweiten Entlassung nutzt er eine Offiziersuniform aus einem Trödelladen, um sich in einen preußischen Hauptmann zu verwandeln und einen Coup zu starten...

Dem Preußentum in die Seele gestarrt

Die letzte Brücke“-Regisseur Helmut Käutner feierte mit seiner Zuckmayer-Adaption nicht bloß einen gewaltigen wirtschaftlichen Erfolg, sondern erhielt auch viel Anerkennung. Unter anderem erhielt er zweimal das Filmband in Gold, den Bundesfilmpreis in vier Kategorien sowie eine Oscar-Nominierung als bester internationaler Film.

Auch die Filmpresse war zumeist voll des Lobes, nicht zuletzt für den ebenso schelmisch-gewieften wie Empathie wachrufenden Rühmann in der tragikomischen Hauptrolle, die quasi zur haarsträubenden Unehrlichkeit gedrängt wird. Frei von Makeln ist der Kassenschlager indes nicht. So neigt Käutners Skript sowohl in seinen dramatischen Passagen als auch in seinem Humor sehr zum steif-übertreibenden Volkstheater-Duktus.

Das verhindert, dass die Tragik eines Mannes, der vom System, in dem er lebt, missachtet wird, voll zur Geltung gelangt, während der satirische Biss zuweilen vom Jux übertönt wird. Trotzdem sind die steten Seitenhiebe auf eine Gesellschaft, die denkt, dass Unterwürfigkeit den Charakter bildet, unverkennbar. „Einfach gehorchen“ dient als Ausrede, die eigenen grauen Zellen nicht benutzen zu müssen und nach unten treten zu dürfen. Und die Persiflage auf verworrene Bürokratie, die Menschen davon abhält, sich an der Gesellschaft zu beteiligen, hat auch keinerlei Staub angesetzt.

Falls ihr nach „Der Hauptmann von Köpenick“ Lust habt, auch aktuelles deutsches Kino zu schauen: Vielleicht macht euch der folgende Beitrag Vorfreude auf eine gefeierte deutsche Produktion, die schon bald ins Kino kommt...

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.
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