Nach dem Kultroman einer Nobelpreisträgerin: Die exklusive Trailerpremiere zu "Liebhaberinnen"
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„Die Liebhaberinnen“ zählt zu den zentralen Frühwerken der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Regisseurin Koxi hat den Stoff fürs Kino adaptiert und modernisiert. Nach der Weltpremiere auf der Berlinale seht ihr den Trailer exklusiv bei uns zuerst:

Als die österreichische Autorin Elfriede Jelinek 2004 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, lobte die Schwedische Akademie „ihre einzigartige sprachliche Leidenschaft, mit der sie die Absurdität der gesellschaftlichen Zwänge und Machtgefüge enthüllt“. Das trifft exakt so auch auf eines ihrer bekanntesten Frühwerke zu: In „Die Liebhaberinnen“ (1975) dekonstruiert Jelinek den Mythos der romantischen Liebe und entlarvt die Ehe als System zur Unterdrückung der Frau. Die unter ihrem Künstlernamen Koxi arbeitende Caroline Kox („Vergiss Meyn Nicht“) verfilmt den Roman aber nicht einfach werkgetreu, sondern überträgt die Kernaussagen mit „Liebhaberinnen“ (Kinostart: 22. Oktober 2026) in die von Insta-Videos rhythmisierte Businesswelt:

Brigitte (Johanna Wokalek) ist eine der erfahrensten Messehostessen – was nicht heißt, dass ihr und ihrem Körper die unbequemen Stilettos nicht weiterhin schwer zusetzen. Für das wie festgefroren wirkende Lächeln wird sie von ihrer toughen Chefin hingegen immer wieder ausdrücklich vor ihren meist viel jüngeren Kolleginnen gelobt. Lange wird sie den Job aber trotzdem nicht mehr durchhalten – und deshalb erscheint ihr das wohlhabende Muttersöhnchen Heinz (Ben Münchow), das sie selbst als „rich, aber auch disgusting“ einsortiert, fast schon wie der letzte Ausweg. Koxi entlarvt das Verhältnis zwischen Frau und Mann genau wie Jelinek als ökonomischen Tauschhandel – mit einem verblüffend-provokanten Biss: Für eine neue Couchgarnitur lässt sich der eine oder andere triste Handjob im Badezimmer schon in Kauf nehmen, oder?

Für Brigitte (Johanna Wokalek) geht es am Ende ihres Hostessen-Zyklus ums nackte Überleben – da muss bei der Partnerwahl auch schon mal der ein oder andere Kompromiss eingegangen werden … Filmwelt
Für Brigitte (Johanna Wokalek) geht es am Ende ihres Hostessen-Zyklus ums nackte Überleben – da muss bei der Partnerwahl auch schon mal der ein oder andere Kompromiss eingegangen werden …

Die zweite Hauptfigur von „Liebhaberinnen“ ist Paula (Hannah Schiller), wie im Roman ein junges Mädchen vom Lande, die im Kinofilm allerdings von der großen Karriere als Influencerin träumt. Gemeinsam kulminieren die zwei Handlungsstränge wie schon bei Jelinek in einer gnadenlosen Geschlechterkriegsanalyse voll Verve, Tempo und einem boshaften Witz, der dafür sorgt, dass einem das Lachen ob der schonungslos offengelegten Tristesse durchaus auch mal im Halse stecken bleibt.

Nach früheren gefeierten Elfriede-Jelinek-Verfilmungen wie „Malina“ von Werner Schroeter oder „Die Klavierspielerin“ von Michael Haneke startet nun „Liebhaberinnen“ von Caroline Kox: Ab dem 22. Oktober 2026 in den deutschen Kinos!

Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.
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