„Million Dollar Baby“ (2004) ist zweifellos eine der größten und wichtigsten Arbeiten in der Karriere von Clint Eastwood – das beweisen ein starker siebter Platz auf unserem Ranking der besten Eastwood-Filme nach den Bewertungen der FILMSTARTS-Community sowie 4,5 von 5 möglichen Sternen in unserer Kritik.
Zudem räumte das Sport-Drama auch bei den Academy Awards ab – insgesamt gab es vier Goldstatuen, als Bester Film, für Hauptdarstellerin Hilary Swank, Nebendarsteller Morgan Freeman sowie Clint Eastwood, der sich damit nach „Erbarmungslos“ seinen zweiten Regie-Oscar ins Regal stellen durfte.
An den Kinokassen war „Million Dollar Baby“ ebenfalls ein Hit – einem Budget von 30 Millionen US-Dollar standen weltweite Einnahmen von rund 217 Millionen gegenüber. Vor dem Hintergrund dieser Erfolgsgeschichte kann man sich kaum vorstellen, dass das Potenzial der tragischen Story um eine ehrgeizige Boxerin, deren Traum von einer Profi-Karriere durch einen Unfall ein jähes Ende findet, ursprünglich komplett verkannt wurde. Tatsächlich meldete das Studio aber ernsthafte Zweifel an, dass „Million Dollar Baby“ beim Publikum funktionieren würde.
Obwohl gerade das Finale zu den größten Stärken des Films gezählt wird, war es zeitgleich das größte Hindernis auf dem Weg zur Realisierung. Alan Horn, der damalige Chef von Warner Bros., verriet 2011 in einem Interview mit The Hollywood Reporter, dass er dem Projekt zunächst äußerst skeptisch gegenüberstand:
„Clint kam wie immer ganz unaufgeregt zu mir“, erinnerte sich Horn. „Er hatte noch niemanden für die Besetzung ausgewählt. Ich las das Drehbuch und dachte: ‚Ich bin nicht überzeugt‘. Ich sagte: ‚Ich weiß nicht, ob Frauen einen Film sehen wollen, in dem eine Frau boxt‘. Er antwortete: ‚Ich möchte nicht, dass das Studio etwas macht, womit es sich nicht wohlfühlt‘“.
So überzeugte Clint Eastwood das Studio doch noch von "Million Dollar Baby"
Eastwood glaubte jedoch fest an das Projekt und ließ sich nicht entmutigen. Er brachte die Produktionsfirma Lakeshore Entertainment dazu, die Hälfte des Budgets zu übernehmen – und ging noch einmal auf sein Hausstudio Warner zu. Horn antwortete darauf: „Ich werde nicht Nein sagen“. Doch er blieb weiterhin misstrauisch.
„Der Film hat mich fertiggemacht“, so der Ex-Studioboss, der Warner noch heute beratend zur Seite steht. Achtung, hier folgen Spoiler: „Ich fragte: ‚Muss sie am Ende wirklich sterben?‘ Clint sagte: ‚Ich fürchte, Ja‘. Ich fragte: ‚Muss sie sich wirklich auf die Zunge beißen?‘ Er sagte: ‚Diesen Weg müssen wir gehen‘. Ich fragte: ‚Muss sie den Kampf wirklich verlieren?‘ Aber das zeigt nur, dass William Goldman [zweifacher Drehbuch-Oscar-Preisträger, Anm. d. Red.] recht hatte: Niemand weiß irgendetwas“.
Wenn ihr übrigens wissen wollt, welche Entscheidung von „Rocky“-Darsteller Sylvester Stallone Clint Eastwood einfach nicht verstand, dann lest auch den nachfolgenden Artikel:
Clint Eastwood, 96, über kreativen Stillstand: "Ich verstehe Sylvester Stallone nicht. Für mich sieht das so aus, als würde er das nur wegen des Geldes machen"Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesterseite Sensacine.com erschienen.