Clint Eastwoods Filmografie ist äußerst vielseitig – und doch gibt es ein paar Kontinuitäten. So variierte der Star von Sergio Leones legendärer Dollar-Trilogie über Jahrzehnte hinweg immer wieder seine Paraderolle des geheimnisvollen, wortkargen Reiters und Revolverhelden. Auch der Selbstjustiz-Cop Harry Callahan ist im Grunde eine Version dieses Archetyps, obwohl „Dirty Harry“ (1971) kein Western war, sondern ein urbaner Action-Thriller. Eastwood spielte die Figur noch in vier weiteren Teilen – der einzige andere seiner Filme, der eine offizielle Fortsetzung mit ihm in der Hauptrolle bekam, war das Schimpansen-Roadmovie „Der Mann aus San Fernando“ (1978).
Clint Eastwood lehnte es ab, noch einmal "Dirty Harry" zu spielen
Der letzte „Dirty Harry“-Film, „Das Todesspiel“, entstand im Jahr 1988. Bis dahin waren im Abstand von wenigen Jahren immer wieder neue Beiträge zu der Reihe erschienen. Auch wenn das Franchise zuletzt qualitativ und kommerziell geschwächelt hatte: Wenn Eastwood für eine spätere Neuauflage zu seiner Paraderolle zurückgekehrt wäre, hätte sich das für den heute 96-Jährigen mit großer Wahrscheinlichkeit ausgezahlt.
Doch Eastwood schlug jede Option auf eine Rückkehr aus – für ihn war die Geschichte von Harry Callahan schlichtweg auserzählt. Dementsprechend wenig Verständnis hatte er für seinen Kollegen Sylvester Stallone, der 2006 in „Rocky Balboa“ erneut in den Ring stieg – immerhin 16 Jahre nach dem fünften und bis dahin letzten Film um den wohl berühmtesten Boxprofi der Kinogeschichte!
Nach der Ankündigung des Films erklärte der zweifache Oscar-Preisträger („Erbarmungslos“, „Million Dollar Baby“): „Man muss sich ständig weiterentwickeln, sonst macht man einen Schritt zurück. Ich verstehe Sylvester Stallone nicht. Ich habe gehört, dass er Rocky noch einmal spielen will. Für mich sieht das so aus, als würde er das nur wegen des Geldes machen.“
Finanziell zahlte sich das Comeback für Stallone in jedem Fall aus: Während „Rocky V“ am Box Office enttäuschte, spielte der von ihm selbst inszenierte „Rocky Balboa“ weltweit 156 Millionen US-Dollar ein – angesichts eines schmalen Budgets von 24 Millionen ein klarer Erfolg!
Gegen die These, dass Geld die einzige Motivation für den „Demolition Man“-Darsteller war, spricht hingegen die Tatsache, dass sogar die Fachpresse wohlwollend reagierte – schließlich wurden die beiden direkten Vorgänger noch großflächig in der Luft zerrissen. Bei Rotten Tomatoes fallen 78 Prozent aller ausgewerteter Kritiken positiv aus, und auch wir von FILMSTARTS vergaben sehr gute 4 von 5 Sternen für das „stimmig[e] Milieu-Drama […], das den Geist des meisterhaften ersten Teils atmet“. Ob sich Eastwood davon umstimmen ließ, ist leider nicht überliefert...
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