Clint Eastwood, 96, über das moderne Hollywood: "Wir leben in einer Schleimer-Generation, alle laufen auf Eierschalen"

Clint Eastwood nahm nie ein Blatt vor den Mund. In einem Interview schimpfte die Hollywood-Legende über politische Korrektheit und rechnete mit der "Schleimer-Generation" ab.

Clint Eastwood gilt nicht erst seit gestern als eine der größten Namen Hollywoods. Als Schauspieler, Regisseur und Produzent hat über Jahrzehnte hinweg die Traumfabrik mitgeprägt und war beteiligt an Meisterwerken wie „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Dirty Harry“ (1971) oder „Erbarmungslos“ (1992). Dies brachte ihm seinen einzigartigen Ruf sowie vier reguläre Oscars und diverse andere Auszeichnungen ein.

Anlässlich des Kinostarts von „Sully“ (2016) mit Tom Hanks sprach Eastwood mit dem US-Magazin Esquire über Karriere, Familie und den Wandel Hollywoods. Dabei fiel Clint Eastwoods Blick auf die Filmbranche und den gesellschaftlichen Umgang miteinander ungewöhnlich deutlich aus – und dürfte auch zehn Jahre später noch für Diskussionen sorgen.

Clint Eastwood: "Wir leben in einer verweichlichten Generation"

Im Gespräch erklärte Eastwood, dass seiner Ansicht nach viele Menschen inzwischen genug von politischer Korrektheit hätten. Er kritisierte einen gesellschaftlichen Umgang, der seiner Meinung nach immer stärker von Vorsicht und Anpassung geprägt sei.

„Wir leben gerade in einer Schleimer-Generation. Wir leben wirklich in einer verweichlichten Generation. Alle laufen auf Eierschalen. Man sieht ständig, wie Menschen andere des Rassismus oder aller möglichen Dinge beschuldigen. Als ich aufgewachsen bin, wurden solche Dinge nicht als rassistisch bezeichnet.“

Als Beispiel führte Eastwood die Entstehung von „Gran Torino“ (2008) an. Ein enger Mitarbeiter habe ihn damals darauf hingewiesen, dass das Drehbuch zwar hervorragend sei, aber politisch unkorrekt wirken könne. Genau das habe für ihn den Ausschlag gegeben.

„Mein Mitarbeiter sagte damals: ‚Das ist ein wirklich gutes Drehbuch, aber es ist politisch unkorrekt.‘ Ich antwortete: ‚Gut. Ich lese es heute Abend.‘ Am nächsten Morgen kam ich ins Büro, warf ihm das Skript auf den Schreibtisch und sagte: ‚Wir beginnen sofort mit dem Film.‘“

Auf die Nachfrage, was er mit einer „verweichlichten Generation“ meine, präzisierte Eastwood seine Haltung noch einmal. Gemeint seien für ihn Menschen, die ständig Grenzen ziehen und anderen vorschreiben wollten, was gesagt oder getan werden dürfe. „All diese Leute, die sagen: ‚Oh, das darfst du nicht machen. Das darfst du nicht sagen.‘ Vermutlich sind das einfach die Zeiten, in denen wir leben.“

Die Aussagen passen zu einem Muster, das sich durch viele Interviews des Filmemachers zieht. Eastwood betonte immer wieder, dass er kreative Freiheit höher bewertet als die Sorge, jemanden mit einem Film oder einer Aussage zu verärgern. Seine Kommentare zu politischer Korrektheit sorgten deshalb schon damals für kontroverse Reaktionen.

Zwischen großen Gefühlen und konservativen Positionen

Gerade diese Widersprüchlichkeit macht Clint Eastwood bis heute zu einer der interessantesten Persönlichkeiten Hollywoods. Einerseits überraschte er immer wieder mit sensiblen, emotionalen Filmen wie „Die Brücken am Fluss“ (1995), „Million Dollar Baby“ (2004) oder „Mystic River“ (2003). Andererseits eckte er mit konservativen Ansichten und provokanten Aussagen regelmäßig an und löste damit hitzige Debatten aus.

Dass seine Worte polarisieren könnten, schien Eastwood dabei nie besonders zu beschäftigen. Er äußerte seine Meinung stets ohne große Rücksicht auf mögliche Reaktionen – und nahm dabei auch andere Hollywood-Größen ins Visier. So ging er in der Vergangenheit sogar mit „Rocky“-Legende Sylvester Stallone scharf ins Gericht. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden FILMSTARTS-Artikel.

Clint Eastwood, 96, über kreativen Stillstand: "Ich verstehe Sylvester Stallone nicht. Für mich sieht das so aus, als würde er das nur wegen des Geldes machen"

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Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.
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